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Per Rad von Wuppertal nach Düsseldorf

Die ersten etwas wärmeren Sonnenstrahlen des Jahres locken und ich beschließe, mit meinem frisch instandgesetzten MTB Richtung Düsseldorf zu fahren. Ziel soll sein der Hauptbahnhof, eine größere Runde am Rhein entlang muss leider aus Zeitgründen ausfallen, derweil ich erst nach Mittag starte.

Daheim schaue ich mir sehr grob die Richtung an. Der Weg soll zunächst über die Nordbahntrasse über den Abzweig Lüntenbeck zur Bahnstraße in Vohwinkel führen, gleich gegenüber der Einmündung dann über Feld- Wald- und Wiesenwege weiter Richtung Schöller, südlich an Mettmann vorbei dann über Erkrath nach Düsseldorf.

Wuppertal-Düsseldorf_170312Ansicht und Download des Tracks
HIER

Da für mich bekanntes Terrain in Vohwinkel endet, lasse ich mich vom Navi im Luftlinienmodus lotsen und entscheide so an jeder Kreuzung selbst die Richtung. Daher stammen auf dem Track auch die einen oder anderen Haken und Ösen, die sicherlich nicht nachfahrenswert sind. Ebenso wenig die etwas ungeschickte Querung eines Golfplatzes, die leicht vermeidbar gewesen wäre :)

Hätte, wäre, – war es aber nicht. Dafür ist es unterhaltsam, von einer Gruppe ältlichen Pseudo-Sportlerinnen wüst beschimpft zu werden. Die Contenance wahrend entgegne ich lediglich, eine Kirche aufsuchen zu wollen, falls ich eine Predigt zu hören wünsche und verkneife mir Äußerungen über den Zustand bestimmter Löcher, die nicht Teil des Golfplatzes sind.

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So geht das kleine sonntägliche Abenteuer weiter. Bis zum Neandertal freue ich mich über abgeschiedene Feldwege, matschige Waldpfade, verwunschene Täler und den sehr sonnigen Abschnitten der weiten Felder. Der nahe Kalk-Abbau nötigt mich ein um`s andere Mal, ein Abbaugebiet oder eine Halde zu umfahren, beim Wege finden verlasse ich mich auf meine Augen, dem Luftlinienbalken im Navi und auf dem Sonnenstand. Nebenbei bin ich noch begeistert über die Nehmerqualitäten der neuen Reifen (Marathon-Plus-Tour, 47559), die sowohl in dem leichten Gelände als auch auf der Straße eine sehr gute Figur machen.

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Ab dem Neandertal-Museum folge ich dann wie geplant den Straßen und angrenzenden Radwegen und erreiche so über Erkrath und Düsseldorf-Gerresheim schlussendlich den Bahnhof. Eine schöne Runde geht zu Ende, die Regiobahn bringt mich in 20 Minuten wieder in`s Tal der Wupper zurück.

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Skywalk

So nennt sich eine vor kurzen eröffnete, neue Aussichtsplattform im Barmer Nordpark. Der Name lässt Großartiges vermuten, es handelt sich jedoch nur um einen kleinen, gut 6 Meter hohen Steg, der die ohnehin gute Aussicht von dort oben noch ein wenig besser genießen lässt.

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Mit dem Rad fahre ich bis Wuppertal-Heubruch auf der Nordbahntrasse, dort wechsle ich für das letzte Stück auf Straßen. Wobei ich die Anfahrt unterschätzt habe. Dank Bergübersetzung musste ich bislang vor keiner Steigung kapitulieren. Bis heute Morgen eben, die Barmer Hugostraße gilt als offiziell steilste Straße der Stadt, mit durchgängig 15 % Steigung. Vor den letzten 100 Metern habe ich kapituliert und das Rad geschoben.

Es ist kurz nach 8 Uhr und die Bilder an diesem eiskalten, klaren Morgen machen die etwas ruppige Anfahrt mehr als wett. Der Blick über die verreiften Dächer der Stadt ist wunderschön.

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Gleich ist es soweit …

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Dunstschleier über den Straßen …

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Nach einer dreiviertel Stunde Aufenthalt wird mir langsam kalt und ich mache mich auf den Rückweg. Bei der Abfahrt mit den klammen Fingern kommen mir ernste Zweifel an meiner sehr betagten Cantilever-Bremsanlage, die nur widerwillige Verzögerung lässt mir angesichts gut befahrener Querstraßen allerdings schnell warm um`s Herz werden.

Ein letzter Blick vor dem Abstieg …

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Morgenstunde Ende Oktober

Die ehemalige Deponie Eskesberg liegt an unserer Nordbahntrasse. Der Aufstieg, jedenfalls der kürzeste, ist sehr steil, aber der Weg lohnt sich. Heute früh habe ich die Gunst der frühen Stunde eingefangen und war punktum zum Sonnenaufgang dort.

Zeit der langen Schatten.

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Die Bilder sprechen selbst …

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Greenhound

Das Auto ist verkauft, und so stehe ich als ehemaliger, eingefleischter Kraftfahrer vor der Herausforderung, die paar weiteren Reisen im Jahr eben ohne Auto zurückzulegen. So geschehen am vergangenen, langen Wochenende, meiner erste Fahrt mit der deutschen Variante des Greyhounds, die hierzulande im schicken Grün daher kommt.

Ein zentraler Omnibusbahnhof ist von der Auto-Stadt Wuppertal nicht vorgesehen, da die Fernbusse eben privat sind. Diese halten darum schön am anderen Ende der Stadt, ohne Fahrgasthäuschen, ohne Toiletten, direkt an der B7. Das große Kind ist so nett, uns früh morgens dorthin zu fahren, mit seinem ersten eigenen Auto. Wir sind einiges zu früh, was meiner Paranoia geschuldet ist, einiges zu spät zu kommen und stehen darum erst einmal herum. Langsam kommen noch mehr Fahrgäste hinzu.

Das Gepäck. Gewohnt, stets den gefühlten halben Hausrat mitzuführen, darf ich mich in Minimalismus üben. Wobei immer noch ein gut gefüllter 60-Liter-Trolley nebst Rucksack am Ende übrig bleibt. Auf ein paar Sachen will ich einfach nicht verzichten. Auf meinen morgendlichen grünen Tee zum Beispiel. Den brauche ich in größeren Mengen zur Befeuerung meiner Seele und meiner Verdauung. Getränke fallen meiner Erfahrung nach bei den meisten Frühstück-Buffets für meine Verhältnisse eher sparsam aus, darum habe ich meine dem Handgepäck angepasste Teeküche auch nun dabei: Ein Baby-Wasserkocher 0.5 Liter, eine ebenso niedliche Isolierkanne von 0.35 Litern sowie einen Becher aus Auto-Zeiten.

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Der Bus kommt pünktlich und der Fahrer öffnet den Bauch des großen grünen Ding, der unser Zeug aufnehmen soll. Erste Erfahrung: Der Fahrer öffnet und schließt lediglich den Gepäckraum, jeder schiebt und drückt sein Zeug nach Belieben hinein. Verschlüsse sollten also gesichert werden.

Es sind mehrheitlich jüngere Menschen, aber nicht nur. Eine offensichtlich etwas unsichere Frau in unserem Alter wird liebevoll von ihrem Mann verabschiedet, es ist ebenso ihre erste Fahrt mit dem Fernbus, wie sich heraus stellt. Platz-Reservierungen gibt es nicht, wir setzen uns weiter hinten im Bus in die großzügig bemessenen Sitze. Gemach geht es los. der Fahrer ist ebenso sehr jung, aber ausgesprochen nett und hält erst einmal ein Rede. Nennt die Zwischenstopps, mahnt an, das Bordklo mangels Kanalisation nur im Notfall zu nutzen, verweist im übrigen auf Pinkel-Pausen, das Rauchverbot sowie auf einen Fahrerwechsel unterwegs, derweil der Bus bis Stockholm weiter fährt. Wir wollen nur bis Hamburg, was in gut fünf Stunden zu schaffen sein soll.

Auf der anderen Seite neben uns sitzen zwei junge Wuppertaler Grazien, beide gut im Futter, was nicht verwundert, da sie irgendwie ständig essen. Und reden. Eine hohe Kunst, an gewissen Möhren und anderen Sachen vorbei zu sprechen, ohne etwas wieder zu verlieren oder grob unverständlich zu werden.

Derweil kommt es zum ersten und nicht dem letzten Notfall, die Allein-Reisende nutzt die Bord-Toilette. Das verkneife ich mir, habe vorsorglich im Tal der Wupper noch den Bahnhofszaun gewässert, der grüne Tee möchte schließlich auch wieder hinaus.

Von irgendwo her zieht es, mir fröstelt und ich zerre meine Jacke aus dem Gepäcknetz, wickele mich ein Stück weit darin ein. Andere machen es sich gemütlich. Schuhe werden aus- , dicke Norweger-Socken angezogen. Schräg vor uns in der Bank sehe ich zwischen den Sitzen nur ein wirres Haarknäuel sowie Richtung Gang ein paar kräftige Frauenfüße in verschlissenen Ringelsocken. Offensichtlich ist ein Platz unbesetzt und es wird die Gunst der frühen Stunde für ein Schläfchen genutzt.

Das ändert sich in Bielefeld, der Bus ist hier randvoll. Aus der kalten Zugluft wird so ein lebenspendender Frischluft-Strom. Die stämmige junge Dame richtet sich offensichtlich hungrig auf und ich staune, was sie aus den Tiefen ihrer Tasche hervor holt. Ein riesiges Brot am Stück kommt zu Vorschein, wird Raum-füllend auf dem Sitzlehnen-Mini-Tischchen platziert und zu den Füßen passende Hände sägen mit einem Taschenmesser eine dicke Scheibe ab. Fingerdick wird die Scheibe mit einem undefinierbaren, Senf-farbenen Zeug aus einem Glas bestrichen und zur Krönung noch mit frisch geschnittenen Gurkenscheiben verziert. Mahlzeit. Selbst mag ich unterwegs nichts essen und nur wenig trinken.

Mich nerven ein paar Schuhe in der Nähe meines Sitzes und schaue kritisch in die Richtung der Trägerin. Sie fragt, ob das so ginge und ich nicke gnädig, unter der Auflage, sie möge sich nach Möglichkeit von meiner Jacke fernhalten. Später dann bei eine Pause stellt sich heraus, das dort hinten in der letzten Reihe die Fußablagen fehlen, entschuldigend wird auf Wasser in den Beinen verwiesen sowie auf die lange Fahrt bis Stockholm und ich bin meinerseits froh, nicht zu streng mit ihr gewesen zu sein.

Der Diesel ist gut gedämmt und brummt monoton leise. WLAN gibt es, aber ich bekomme warum auch immer die Installation nicht hin, was nicht weiter tragisch ist, derweil mir lesen beim fahren immer schon Kopfschmerzen machte. So schalte ich in geistigen Standby-Betrieb und lasse mich von den Fahrgeräuschen einlullen.

Die Fahrzeit. Gut beraten ist, wer sich einen satten Zeitpuffer am Zielort verschafft. Die angegebene Fahrzeit gleicht angesichts der ständigen Staus nur einer groben Empfehlung. Die Fahrer sind ihrerseits fit mit GPS und verlassen mehrfach rechtzeitig die Bahn, um den Stau durch die Dörfer zu umfahren, was Erinnerungen an meine Zeit der Mitfahrgelegenheit bei mir weckt. Mit einer guten Stunde Verspätung erreichen wir so den Hamburger ZOB, an dem wegen des langen Wochenendes ein unglaubliches Gedränge herrscht.

Fazit: Fernbus fahren ist in jedem Fall unterhaltsam und auch günstig, sofern man früh genug bucht. Und es dauert, Zeit mitbringen ist wichtig.

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Berührung

Still haben wir uns St. Laurentius angeschaut, heute, am ersten November. Draußen scheint noch warm die Sonne und die Türen der Kirche stehen offen, bei der kleinen Runde heute mit unseren Gästen. Stadtbesichtigung light sozusagen, Schwebebahn, Ölberg, Luisenviertel, zu mehr reicht die Zeit nicht. Meine Lieben sind schon wieder an der Sonne und ich lasse im Eingangsbereich die schöne Kirche noch einmal auf mich wirken.

Sie steht etwas verloren neben mir an einem kleinen Tisch. Klein, schlank, blonde Strähnen quellen unter einer kurzen Stoffmütze hervor und umrahmen ein älteres, waches und freundliches Gesicht mit strahlend hellen Augen und einer frechen, kleinen Nase. “Kirchenaufsicht”, verrät mir ein kleines Schild an ihrer Jacke.

Gegenseitig wünschen wir uns einen schönen Tag und bei der Gelegenheit werde ich nach der Zeit gefragt. “Meine geht immer so nach, wissen Sie. Wegen der Ablösung gleich, sonst verpasse ich noch meinen Feierabend” erklärt sie lächelnd. Man müsse doch etwas tun, bevor man geholt würde, sagt sie. Wir kommen in`s Gespräch, sind uns einig, das das wirklich eine sehr schöne Kirche ist, nach der langen Restaurierung in den letzten Jahren. Katholisch eben, das Auge und die Aufmerksamkeit  werden gefangen. Sie besucht aber auch evangelische Kirchen. “Die sind so ganz anders, man muss dort ständig so sehr über sich selbst nachdenken” Das wäre hier nicht so, sagt sie und ich kann spüren, wie sie das meint.

Wir unterhalten uns über der Menschen Sucht nach Unterscheidung von einander und sind uns einig, das im Kern alle Religionen doch ähnlich sind. Mehr beiläufig erwähne ich meine späte Taufe vor acht Jahren. Sie strahlt regelrecht, freut sich aus ganzen Herzen für mich. Mittlerweile kommt die Liebste mal schauen, wo ich so bleibe und gesellt sich zu uns. Schnell spürt sie die sehr angenehme Atmosphäre und so plaudern wir eine kleine Weile zu dritt.

Beim Abschied umarmen wir uns alle drei, wir, die uns bis gerade eben noch gar nicht kannten. Ein sehr seltener und schöner Augenblick der Berührung ist das für mich, der ich sonst eher bestrebt bin, meine Mitmenschen auf Distanz zu halten.

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Nordpark Barmen

Als Bürger des Wuppertaler Stadtteiles Elberfeld hat man allgemein nicht viel bei den Nachbarn in Barmen, dem zweitgrößten Stadtteil des Tales der Wupper, zu tun. Das ist nicht gerade feindliches Ausland, aber doch irgendwie weit weg und unbekannt, mangels Notwendigkeit der Bereisung, wenn man mal von seltenen verwaltungstechnischen Besuchen des Rathauses absieht. Das ehemalige Barmer Rathaus ist nämlich heute DAS Wuppertaler Rathaus, angeblich, weil es seinerzeit für größer als das Elberfelder befunden wurde. Böse Zungen sprechen da eher von einem elenden Handel, um die störrischen Barmer zur Fusion bewegt zu haben.

Erinnerungen habe ich an Barmen hauptsächlich wegen meiner Großmütter, die dort lebten. Auch der Nordpark, den die Liebste neulich auf einer Stadtkarte ausmachte, ist mir in Erinnerung. Ein schöner, weitläufiger Stadtpark, auf einem der innerstädtischen Bergrücken gelegen. Von allein wäre ich allerdings nie auf die Idee gekommen, dort mal hinzufahren, wie gesagt, der Elberfelder an sich hat genügend eigenes Grünzeug. (Und ja, ein kleines Stück davon liegt tatsächlich auf Barmer Stadtgebiet…).

Einzig die Aussicht auf ein paar nette Bilder, verbunden mit dem schönen Wetter, haben letztendlich den Ausschlag gegeben, mal nebenan zu gucken.

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In Barmen sind hier und da auch noch schöne Fachwerkhäuser zu finden, Rest der alten Hofschaften, auf denen einst die Stadt gründete.

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Der Park…

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Und zum Schluss der gemeine Barmer Elch…

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Vorwerkpark

Der Vorwerkpark liegt als Teil des zahlreichen Grün hier in der Gegend am Wuppertaler Südhang und war bis zum Jahre 2000 Privatbesitz der Unternehmer-Familie Vorwerk. Reste des alten Zaunes stehen hier und da noch, durch den wir als Kinder damals schlüpften, um in den Teichen Frösche zu fangen. Heute hat die Anlage immer noch einen morbiden Charme, alles ist alt und geschichtsträchtig.

Ganz besonders reizvoll ist es dort um diese Zeit, Ende Mai, zur Blüte der zahlreichen uralten Rhododendren-Büsche. Die Bilder sprechen für sich, die Gerüche und die Kulisse der Vogelstimmen sind unbeschreiblich…

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Das Murmelbachtal, zwischen dem Park und Wuppertal-Barmen.

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Schon fast wieder Stadt…

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Mitfahrgelegenheiten

Die Zeit am Jahresende ist Reisezeit, so auch für uns dieser Tage. Wir hatten dermaßen viel Zeug mit an Bord, das auf dieser Tour für Mitfahrer beim besten Willen kein Platz mehr gewesen wäre. Früher, zu den Zeiten, als wir noch pendelten, wöchentlich zwischen Berlin und Wuppertal, hatte ich alle 2 Wochen regelmäßig das Auto voll mit Fahrgästen, die mir dabei halfen, die Fahrten zu finanzieren. Grob überschlagen waren das in den eineinhalb Jahren gut 200 Menschen, die mit mir gefahren sind, einige wenige sogar mehrfach. Die allermeisten waren recht angenehme Gäste, von ein paar Ausrutschern und den lästigen Fakern mal abgesehen. Ein paar Geschichten sind mir noch gut in Erinnerung, weil die Umstände eben nicht so ganz alltäglich waren. Hier nun ein Versuch, die “Spitzen” mal zusammen zu schreiben. (Namen sind Schall und Rauch, natürlich habe ich die richtigen vergessen…)

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Sergej

Sergej steigt schon in Wuppertal zu, was nicht so oft vorkommt, die meisten Gäste sammle ich im Ruhrgebiet ein. Groß, stämmig, schwarzer, dicker Lodenmantel, Wollmütze auf dem Kopf, vom äußeren Eindruck her Mitte bis Ende Fünfzig Jahre alt. Sein Gepäck besteht aus einem kleinen Koffer und einer großen, gut gefüllten Plastiktüte, die laut scheppernd vorne mit ihm Platz nimmt. Der Inhalt, seine Wegzehrung, besteht aus kleinen Weinflaschen, so Drittel-Liter-Dinger. Sergej ist gesprächig und bester Laune, in Erwartung guter Geschäfte während eines Messebesuches in Berlin. Eigentlich ist er Immobilienmakler, sagt er, aber schnell wird klar, das er guten Geschäften aller Art nie abgeneigt ist. Bahn fahren wäre bequemer, sagt er, der Fahrpreis wäre ihm auch egal. Aber die Kontakte, die Gespräche unterwegs in den fremden Autos, die wären immer sehr viel fruchtbarer als auf jeder langweiligen Bahnfahrt, findet er.

Etwas verwundert komme ich auf die Wegzehrung zu sprechen, da doch allgemein bekannt sei, das Wein eben nicht zu den bevorzugten Getränken seiner Landsleute gehört. Da gibt er mir sehr recht, auch für ihn sei das natürlich eine Notlösung, aber die Hauskost aus vergorenen Kartoffeln bereite enorme Schwierigkeiten, sich in einer fremden Stadt zurecht zu finden, was gerade bei der Suche nach der Unterkunft nicht hilfreich sei. Einmalig auch der kleine Dialog über Alkohol so allgemein, der sich daraufhin entspannt. Auf meine Ansage, keinen Alkohol zu trinken, ist ihm sofort klar: Dann bist Du Alkoholiker! Eine andere Möglichkeit wird gar nicht erst in Erwägung gezogen, offensichtlich verzichtet sonst kein vernünftiger Mann auf gute Getränke, und ich nicke breit grinsend.

Die bis dahin Dritte im Wagen ist eine junge Asiatin. Nach einigen Smalltalk kommen die beiden auf das Thema Ernährung und entdecken Gemeinsamkeiten in der Kenntnis altbewährter Hausmittel, die gut den Doktor ersetzen können. So ist man sich einig, das Hundefleisch so ziemlich gegen alle möglichen Beschwerden hilft. Andere Länder, andere Sitten, denke ich, während es mich leise schüttelt.

In Hannover machen wir Pause, nicht die erste und nicht die letzte, irgendwo muss die Wegzehrung denn ja hin. Im Auto riecht es derweil wie in einem Weinkeller in den Mosel-Bergen. Ein junger Schwarzer steigt zu und ich bin schon ein wenig erleichtert, das Sergej, der übrigens gerade Ende Vierzig ist, sich sofort ausgezeichnet mit dem Jungen versteht. Geschäfte zeichnen sich ab, staunend höre ich, was sich da anbahnt. Der Schwarze kommt irgendwie an Zucker, viel Zucker, wie ich höre. Sergej kennt die nötigen Vertriebswege in den Osten, Pläne werden geschmiedet, Telefon-Nummern und Visitenkarten getauscht und so langsam verstehe ich, warum Sergej keine Lust auf Bahn fahren hat.

Angekommen in Berlin ist Sergej dann doch recht angenagt von der Wegzehrung, auch, wenn es nicht die erste Wahl ist. Wein in ausreichender Menge tut es ja auch und anregende Gespräche wirken leicht euphorisierend. Polternd und schwankend steigt er irgendwo in Neukölln aus und verabschiedet sich überschwänglich von mir, verbunden mit einer letzten Frage, ob ich wirklich nichts zu handeln hätte.

Voller Bedauern und lachend wünsche ich ihm guten Aufenthalt in der großen Stadt.

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Lisa

Sie klingt sehr jung, die Stimme am Telefon. Da frage ich mal nach dem Alter, sie ist 18, die Lisa, und möchte nach Exter an der A2. Wir vereinbaren einen für mich sehr guten Preis, darum hole ich sie auch ab, aus Sprockhövel, das ist den kleinen Umweg wert. Sie steht kurz vor ihren Abi und will zu ihrer Freundin für das Wochenende, üben, sagt sie, als sie mit ihren kleinen Rucksack und ihren Laptop zusteigt, am Haus ihrer Eltern. Die Mutter wünscht uns noch winkend eine gute Fahrt und los geht es.

Ausfahrt Exter, ich frage, wo ich sie denn absetzen solle. Die Freundin holt sie ab, sagt sie, nahe der Ausfahrt unter der Autobahnbrücke sei ein kleiner Parkplatz, da möge ich sie absetzen, sie könne da warten. Am Parkplatz angekommen, beschleicht mich ein flaues Gefühl im Magen. Von der Freundin ist weit und breit nichts zu sehen, mittlerweile ist es stockfinster. Es gibt noch nicht einmal Laternen unter dem Backstein-Viadukt. Dafür treibt sich allerhand zwielichtes Volk umher, Autos halten nur kurz nebeneinander an, die Scheiben geöffnet werden Päckchen gegen Scheine getauscht. Hier willst Du jetzt warten? frage ich und biete ihr an, sie in die Stadt zu fahren. Letztens am Tage hätte das hier noch ganz anders ausgesehen, sagt sie unschuldig und telefoniert noch einmal.

Man muss wohl 18 sein, um so zu ticken, denke ich, während ich die anderen Fahrgäste um Verständnis bitte, das ich jetzt hier warten werde. 20 Minuten später hält endlich der richtige Wagen und wir verabschieden uns.

Mein Magen hat sich wieder beruhigt, als wir die Fahrt fortsetzen.

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Karin

Karin, irgendwo so Ende Vierzig, steigt in Bochum zu. Etwas auffällig auf jugendlich getrimmt wirkt sie, mit ihren schwarzen, Totenkopf-besetzten Kopftuch, pinkfarbenen Klamotten und schwarzer Lederjacke. Aufgekratzt und offensichtlich sehr guter Dinge erzählt sie von der Vorfreude auf eine ganze Woche mit ihrem Liebsten in Berlin. So schön, so toll wäre das mit ihm, er tut wirklich alles für mich, schwärmt sie.

Es folgen in losen Abständen mehrere Telefonate mit dem Liebsten, in deren Verlauf die Karin immer einsilbiger wird. Offensichtlich ist der Gute überaus beschäftigt, hat noch nicht einmal Zeit, sie in Berlin irgendwo abzuholen. Das geht mich sicherlich nichts an, macht mich aber dennoch nachdenklich, so ein abrupter Stimmungswandel. Schließlich setze ich den Dritten im Bunde bei Hannover-Langenhagen ab und wir fahren zu zweit weiter. Kurz vor dem Abzweig der A7 nach Hamburg platzt sie plötzlich laut heraus:

Was ist, wenn wir zwei jetzt alle unser Pläne vergessen und uns zusammen ein tolles Wochenende in Hamburg machen?

Nicht doch, denke ich und verneine höflich das freundliche Angebot. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit nach Berlin zu fahren. Sie fragt beim Abschied, ob nicht vielleicht ein Platz am Sonntag zurück frei wäre, was ich bedauernd verneine, alles bereits ausgebucht. Sie könne allenfalls am Samstag Abend mal nachfragen, ob vielleicht wer abgesprungen sei, das kommt vor.

Mein Mobilphon ist in dieser Zeit immer an, auch Nachts, der Fahrerei wegen. Samstag früh gegen halb fünf kriege ich den Signalton einer SMS mit, ob sie nicht doch mitfahren könne. Leider nein, wirklich sehr schade, und ich wünsche ihr Glück bei der Suche nach einem anderen Fahrer.

Die Vorstellung, welche Dramen sich dort in der Nacht wohl abgespielt haben mögen, beschäftigt mich nur kurz.

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Paul

Meist habe ich mindestens zwei Fahrgäste im Wagen, öfter mal auch drei. Mal kommt es aber auch vor, das nur einer mit fährt, der Absagen wegen. An einem solchen Tag sitzt Paul neben mir im Auto, ein etwas nervöser Mensch von vielleicht 30 Jahren. Es ist Sonntag, auf der Rückfahrt nach Hause, die Sonntage sind allgemein schweigsame Tage im Wagen, jeder hängt da seinen Erlebnissen vom Wochenende nach. So bin ich auch nicht verwundert über meinen einzigen, schweigsamen Fahrgast. Nach einigen Kilometern Autobahn geschieht es dann zum ersten mal:

WAHHAAA!

Dazu passend noch eine ruckartige Kopfbewegung zur Seite. Mir wird flau. Was für einen Psycho hast du dir denn jetzt an Bord geholt, frage ich mich. Und – noch viel eindringlicher- wie werde ich den jetzt gesund wieder los, denke ich, während ich frage, ob denn alles in Ordnung sei. Mein Nachbar hat den Farbwechsel in meinem Gesicht trotz Zwielicht wohl bemerkt und erklärt mir, ich möge mir keine Sorgen machen, er wäre medikamentös sehr gut eingestellt. OK, sage ich, na dann ist ja alles gut. Allein der Glaube daran fehlt mir.

Langsam entwickelt sich so etwas wie ein Dialog und ich werde aufgeklärt. So ganz ließe sich das ja nicht unterdrücken, meint er, aber es ginge mit den Pillen jedenfalls deutlich besser. Tourette-Syndrom, so hieße das, alles in Ordnung, ich bräuchte keinen Schreck kriegen. Reine Nervensache, meint er, und allmählich fange ich an, ihm zu glauben.

In der Tat entpuppt sich Paul als ein umgänglicher Zeitgenosse und nach einem weitern halben Dutzend WAHHAAA`s lachen wir beide gemeinsam.

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Gina

In Berlin verabredet sich Gina mit mir am Telefon. Sie will in Hannover zusteigen, am Sonntag auf der Heimfahrt. Mit der Uhrzeit ist das beim zusteigen unterwegs immer so eine Sache, der Verkehrslage wegen und wir vereinbaren, das ich sie eine Stunde vor der Ankunft in Hannover-Langenhagen anrufe, so das sie sich dann zeitig auf dem Weg machen kann.

An der Tankstelle ist weit und breit keine Gina zu sehen. Das ist seltsam, sie kam mir nicht wie ein Fake vor, alles klang recht überzeugend am Telefon. Auch nach mehrfachen Versuchen geht niemand dran und so warte ich, 15, 20 Minuten. Gerade will ich genervt abfahren, da ruft sie an. Großes Drama, sie hat ihr Handy im Hotel vergessen und musste noch einmal zurück. Nun kommt sie mit dem Taxi, Augenblick noch, gleich ist sie da. Aha. Nach weiteren 10 Minuten frage ich noch einmal nach. Der Blödian von Taxifahrer hat sie auf der anderen Seite der Schnellstraße an der Tanke abgesetzt, eben die falsche. Sie komme gleich um`s Eck, heißt es und da sehe ich sie auch schon strammen Schrittes sich der richtigen Tankstelle nähern.

Sie redet ohne Punkt und Komma, laut und weit ausholend. Nicht schlecht, denke ich, kann`ste das Radio auslassen. Gina ist eine höchst lebendige Mischung einer asiatischen Mutter und eines schottischen Vaters, vielleicht Ende Dreißig Jahre, und kommt gerade vom Date mit ihrem Liebsten. Der stammt aus Berlin, sie aus Düsseldorf, und der Gerechtigkeit wegen trifft man sich auf halben Wege, höre ich. Ok. Nach einigen Kilometern kommt dann nach einem Blick in die Geldbörse die Offenbarung. Sie hat nur noch fünf Euro in der Tasche, die ungeplante Taxifahrt hat offensichtlich das Budget zerrüttet. Macht nichts, sage ich, fahre ich dich halt in Wuppertal zu einem Geldautomaten deiner Wahl. Das kam schon öfter vor, ist lästig, aber nicht zu ändern. Kann passieren.

Die nächste Hiobs-Botschaft folgt. Ihr EC-Karte ist kaputt, leider. Aber – kein Problem, sie habe Freunde im Tal der Wupper, einige, sie werde telefonieren, irgendwer sei bestimmt bereit, ihr am Bahnhof die restliche Kohle vorzustrecken. Klasse, denke ich, während ich mich allmählich mit dem Gedanken vertraut mache, sie für Nüsse heim zu fahren. Sie an irgendeinem Rastplatz in der Dunkelheit raus zu werfen, bekomme ich nicht über`s Herz. Natürlich sage ich ihr davon nichts, um den Bemühungen um eine Lösung nicht den Schwung zu nehmen. So telefoniert sie bestimmt ein Stunde mit allen möglichen Leuten, bis der Akku leer ist. Keiner hat offensichtlich Lust, am Sonntag Abend spät seine Arsch hinaus in den Nieselregen zu bewegen und ihr mit einem Zehner auszuhelfen.

Am Bahnhof hier im Tal angekommen macht sie mir noch den interessanten Vorschlag, sie nach Hause in Düsseldorf zu fahren, da hätte sie noch Geld und für einen guten Kaffee wäre es ja auch nie zu spät. Mir schon, ich möchte in`s Bett und bin im übrigen eine treue Seele, auch ausgeschlafen. So gebe ich ihr der Form halber meine Kontonummer, sie schwört einen heiligen Eid, mir das fehlende Geld unmittelbar zu überweisen. Tatsächlich habe ich in zwei Tagen sogar 15 Euro auf meinem Konto, woran ich nicht wirklich geglaubt habe.

Auch eine treue Seele, die Gina.

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Andere sind nicht für kleine Geschichten gut, aber mir dennoch in Erinnerung. Der nervöse Japaner, den ich aus seinem Hotel abholen musste, weil er so ziemlich alles verpeilt hatte. Der untersetzte, junge Kerl mit dem unglaublich schweren Armee-Rucksack, der so metallisch schepperte, beim einladen. Sein dünnes Grinsen auf meine Bemerkung, ob das wohl ein zerlegtes MG sei. Ein unglaublich ungeduldiger Zeitgenosse, der sich Minuten-genau in Berlin verabredet hatte und von mir erwartete, ihn auch zeitig abzusetzen. Den jungen Theologie-Studenten, der mich mit seinem Gottvertrauen und seiner Lebendigkeit beeindruckte. Lange politische Gespräche mit einem sympatischen Kerl, der sich für im Gegenzug zu einem fundierten Studium für 12 Jahre beim Militär verpflichtet hatte. Die drei 14- oder 15-jährigen Jungs, die ich im Auftrag ihrer Eltern nach Dortmund gebracht habe, mit 3-stündiger Verspätung aufgrund Vollsperrung der Bahn. Der junge Geschäftsmann mit dem schnellen Auto, bei dem ich selbst mitgefahren bin. Seine Pläne, nach Sankt Petersburg zu ziehen, da seine russische Frau mit dem so geordneten bundesrepublikanischen Leben nicht klar kam.  Mehrere Anfragen zum alleinigen Gepäcktransport, Möbelstücke, ein Surfbrett, einmal sogar lebende Tiere ohne Begleitung. die ich allesamt dankend abgelehnt habe.

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Nicht zuletzt fällt mir ein Fahrer aus dem Kölner Raum ein, mit dem ich selbst zweimal mitgefahren bin. Seit fünf Jahren jede Woche Freitag nach Berlin und Sonntags wieder zurück, der Liebe wegen. Auf meine Nachfrage, wie lange er das denn noch machen wolle, antwortete er: Für weitere sieben Jahre, bis zur Rente. Schmeiß`ich doch keinen gut bezahlten Job hin, um mir von einem 20 Jahre jüngeren was sagen zu lassen, für die Hälfte. Seine Geschichte hat maßgeblich dazu beigetragen, das wir uns zeitig entschieden haben, wie und wo wir leben möchten.

Es ist schon irgendwie ein Ding für sich, mit wildfremden Menschen für 5,6,7 Stunden oder sogar länger in so einem engen Raum wie ein Auto nun einmal ist, unterwegs zu sein. Viele schlafen schlicht auf der Fahrt, mit anderen entwickelt sich so etwas wie Vertraulichkeit.

Unterhaltsam ist es in jedem Fall.

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Hermes sagt Danke!

Gleich nebenan hier im Quartier gibt es den Klamottenmann. An- und Verkauf, Brennstoffe, so steht es auf einem Schild über den kleinen Laden, und, wie ich mir sagen lassen musste, wird dort immer noch mit Kohlen gehandelt, habe ich nicht gedacht. Mich verschlägt es ab und zu dort hin, weil der Klamottenmann nebenbei auch Zeug vom Hermes-Versand annimmt und es schlicht praktisch ist, nicht so weit laufen zu müssen, um eine Sendung abzuholen.

Oft ist der Klamottenmann in Gesellschaft von Familienangehörigen oder Kumpels, die auf einen Schwatz dort vorbei schauen. Nichts, was es dort nicht gibt. Vor ein paar Wochen flog mir ein betagtes Spann-Gummi vom Fahrrad-Gepäckträger um die Ohren, was mich veranlasste, dort mal kurz nachzufragen. Wortlos ging der Kerl nach nebenan und kam mit zwei gut erhaltenen Gummis in gefälliger Farbe, passend zum Rad, wieder zurück, unter dem Gelächter der Anwesenden. Hier, macht`n Euro für`t Sparschwein, meint er und zeigt auf das dickes Ding auf dem Tresen. Da konnte ich überrascht nur Danke sagen und grinsend die Sau füttern.

Oder letztens, im Zuge der Beschaffung diverser Kleinigkeiten für die kommenden Tage. Der Laden ist gut besucht, zwei seiner Kumpels stehen Leder-bewestet und hemdsärmelig umher und am Tresen nestelt eine gut durchgeblühte dunkelhaarige Dame etwas nervös an ihrer Tasche, mit der sie die kleine Ablage des Tresens in Beschlag genommen hat. Der Klamottenmann fummelt derweil irgend ein Textil wieder in den dazu gehörenden Karton, offensichtlich eine Retoure. Es dauert, und der Klamottenmann bittet einen Kumpel, mal nachzuschauen, ob da was für den Herrn da gekommen wäre, nachdem ich mein Anliegen vorgebracht hatte. Mein Zeug ist gekommen und wird aus einem Stapel im Regal hervor gezogen. Praktisch wäre jetzt zur Verstauung die Ablage des Tresens, aber die ist noch von der Dame belegt. Endlich wird die Schöne auch mal fertig und verabschiedet  sich, so das ich mich nun breitmachen kann, mit meinem Rucksack.

Kaum hat die Dame den Laden verlassen, geht es auch schon los und ein kleiner Dialog entfaltet sich unter den grinsenden Kerlen. Wat hass Du`n Glück, dat deine Frau heut`nich da is, meint einer, und anhand weiterer Bemerkungen schließe ich, das die Schöne von gerade eben sich wohl offensichtlich im Laden zumindest teil-entblößt hat, um ihre Sendung direkt an Ort und Stelle anzuprobieren (und auch gleich wieder zurückgehen zu lassen).

Ne Umkleidekabine, ja sicher, richte ich auch noch ein, meint grinsend der Klamottenmann und macht so eine weit ausladende Bewegung mit seinen Armen, um die scheinbar endlosen Weiten seines kleinen zugestellten Ladens zu beschreiben.

Hermes sagt Danke, denke ich amüsiert, während ich mich verabschiede.