Kategorie-Archiv: Spiritualität und Glauben

Deutschsprachiges Ländertreffen der AA

Koblenz war sozusagen ausgebucht, bis auf wenige extrem teure Hotelzimmer. Also haben wir uns zu sieben Freunden aus unserer Gruppe zwei kleine Wohnungen angemietet. Hoch oben im Ferienpark Oberlahnstein, ein Hochhaus, und dort die achte Etage. Für mich war es ein Wagnis, als ein nach eigener Einschätzung ein wenig eigenbrötlerischer Höhlenbewohner, das dichte zusammenleben mit drei anderen Menschen, die mir zwar über viele Jahre schon vertraut sind – seine ganz persönlichen Eigenheiten kennt man ja doch nur andeutungsweise. Wie sich herausstellte, ging mir das nicht allein so, aber am Ende waren wir uns einig, gerne noch einmal in dieser Konstellation zu verreisen, sollte sich die Gelegenheit bieten.

Die Tage waren gefüllt mit zeitigem aufstehen und bewegenden Meeting-Besuchen. Dazwischen haben wir uns genügend Zeit genommen, das Gehörte setzen zu lassen und auch ein wenig von Koblenz zu sehen. Das muss trotz des großen und sehr interessanten Angebotes an themenbezogenen Meetings sein, weil sonst die vielen Eindrücke einfach nicht mehr verarbeitet werden können. Es war bewegend – bis zu diesem unbeschreiblichen Gefühl beim Abschlussmeeting, gemeinsam mit gut 3000 Menschen das Gelassenheitsgebet  zu sprechen.

So ein verlängertes Wochenende gibt mir schon neuen Anschub für meine Gruppenbesuche und auch für die freiwilligen, kleinen Dienste dort. In den Gruppen finde ich meine Basis, die Trocken- bzw. Nüchternheit, ohne die ich vermutlich nicht mehr leben würde und falls doch, nicht die geringste Chance hätte, irgend etwas verändern zu dürfen, mit mir. Zumindest nicht zum Guten hin.

Hier noch ein paar Bilder von gestern Morgen, aufgenommen innerhalb vielleicht einer Stunde. Man kann dort oben nicht nur kommende Wetterwechsel sehr schön sehen, man ist sozusagen schnell auch Teil davon – manchmal mitten in einer Wolke.

Noch keine halb sechs Uhr in der Frühe.

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Dann so im Viertelstunden-Takt …

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Der Regen kommt …

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… und die Wolken …

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… um kurz darauf wieder den Blick freizugeben.

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Ach ja – meine Büchse mit ausgezeichnetem grünen Tee habe ich leider vergessen. Bleibt zu wünschen, dass die jemand findet, der solcherart auch zu schätzen weiß :)

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Zeitreisen

Jemand spricht und ich sehe mich vor 5,15, 20, 30, oder 40 Jahren. Ein kurzer Anflug der Gefühle dieser Zeiten überfällt mich, Bilder steigen auf und verschwinden wieder. Sie klebt nicht, diese Erinnerung. Sie ist intensiv, aber flüchtig. Immer wieder dominiert die Gegenwart, was ich sehr beruhigend finde. Irgendwann spreche ich, wie ich es gewohnt bin in diesem Kreis. Von mir, von den eben aufgestiegenen Bildern und Erinnerungen, was wiederum dazu führen kann, dass mancher denkt, was spricht der nun von mir… So tun sich Parallelen auf, die uns verbinden, uns in den Pausen in den Arm nehmen lassen, uns das Gefühl geben, ausgewachsene Glückskinder zu sein, allen Herausforderungen des Lebens zum Trotze.

Erfahrung, Kraft, und Hoffnung teilen.
Eines von vielen Meetings.

Wenn ich still bin, bei mir und nicht vom Tagesgeschäft gefesselt, dann bekomme ich eine Ahnung, wie es einst ausschauen könnte, mein Leben. Mit dieser meiner Vergangenheit und Gegenwart. Mit diesen immer wiederkehrenden Bildern und Gefühlen, die nicht mehr ihre Macht besitzen, aber unauslöschbar zu mir gehören. Spannend daran ist allein die Frage, was ich in meinen täglichen Fristverlängerungen noch alles loslassen, reduzieren oder umwandeln darf. Tun, was ich kann, egal wo. So gehe ich jagen und sammeln und so schaue ich meine Abgründe, um nicht hinein zu fallen und um Brücken zu bauen.

Wünsche hätte ich so einige, aber da das Leben dazu neigt, bei manchen Wünschen nur leise zu kichern, bleibe ich dort, wo ich bin und mache das beste aus dem Tag. Eines wird mir immer klarer: Die Zeit läuft und das tägliche Klein-Klein ist es immer weniger wert, mich zu empören. Was mich nicht daran hindert, es gelegentlich wieder zu versuchen … um mich gleich darauf wieder einmal selbst zu fragen, ob es das nun wirklich wert war. In grob geschätzt drei von vier Fällen war es das eher nicht, im Nachgang betrachtet.

In dem Zusammenhang ist es für meine dunkle, bergische Grübler-Seele eine große Herausforderung, mir das Lachen zu bewahren, ohne in bitteren Sarkasmus oder gar Zynismus abzugleiten. Die Versuchung ist riesig, beim Anblick mancher Menschen braucht es keine Karikaturisten, vielleicht einen guten Fotografen oder einen guten Zeichner. Hilfreich ist es dann, mich an das andere Ende zu stellen, um zu spüren, was manch leise ätzende Rede wohl so alles anrichtet. Sagt der kleine Mann im Ohr dann immer noch “Ja”, kann es losgehen – wohl bekommt`s, hüben wie drüben. In der Königsklasse dieser Kunst gelingt es mir, Grenzen und Contenance zu wahren sowie der Versuchung, in Arroganz zu fallen, die Stirn zu bieten.

Der rote Faden jetzt und hier, in diesen Zeilen? So genau weiß ich das auch nicht, vielleicht gibt es keinen. Muss es auch nicht immer.

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Karfreitag 2018

Heute ist also der so genannte stille Oster-Feiertag, an dem Jesu Kreuzigung gedacht wird. Weltlich gesehen war das zunächst einmal ein Gewaltverbrechen, ausgeübt von den damals herrschenden Machthabern, aus politischem Kalkül. Die Amtskirchen sagen, er sei für uns gestorben, hat unsere Sünden auf sich genommen und uns somit Zugang zum ewigen Leben ermöglicht. Glaubenssache eben.

Was macht das mit mir? Gut möglich, denke ich. Wobei die Bibel Menschenwerk ist, eine Produkt vieler Zeitalter, geschrieben aus dem Geist der jeweiligen Epochen heraus. Was mich zunächst skeptisch stimmt, weil das geschriebene Wort selten absichtslos entsteht. Dann ist es für mich als ein Mensch, der gerne um viele Ecken denkt, sehr verlockend, zu glauben, gut so – einer für alle, wie praktisch, dann könnte ich ja theoretisch haushalten nach Belieben, is`ja schon alles bezahlt. Das ist bestimmt des öfteren in vielen Köpfen so gelaufen, glaube ich. Allerdings funktioniert das nur scheinbar, da gibt es ja noch das Gesetz von Ursache und Wirkung, oder, einfacher gesagt, wie Du mir, so ich Dir. Das Leben antwortet mir, so oder so. Man nennt es Karma, ich mag dieses esoterisch besetzte Wort nicht, aber so ist es eben.

Vor nunmehr gut elf Jahren bin ich der evangelischen Kirche wieder beigetreten, trotz oder vielleicht auch gerade wegen aller Zweifel an dem geschriebenen Wort in dem dicken, alten Buch. Ein Schritt aus der tiefen Erkenntnis heraus, das es keinen Zufall gibt, im Leben. Aus Dankbarkeit heraus, überlebt zu haben, meine aktive Zeit als süchtiger Mensch. Aus dem Bedürfnis heraus, etwas zurück zu geben, ein klein wenig daran teilzuhaben, dass vielleicht die eine oder andere Einrichtung doch nicht geschlossen werden muss und weiter arbeiten kann, im Dienst am Nächsten. Und – für mich heute das wichtigste – ich fühle mich getragen und geborgen in meinem Glauben. Er hilft mir, mit meinen sicherlich immer noch zahlreichen Charaktermängeln klar zu kommen oder besser, sie wo immer möglich, loszulassen bzw. auf ein für mich und andere erträgliches Maß zu reduzieren.

Gerade, wenn Leben in manchen unruhigen Zeiten nur “auf Sicht” möglich ist, hilft mir mein Glaube. Darüber hinaus denke ich, es schadet nichts, sich einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten anzuschließen, von denen der weitaus überwiegende Teil ernsthaft um eine etwas bessere Welt bemüht ist. Jede, jeder auf ihre, seine Weise. Dafür hätten sie ihn nicht gleich an`s Kreuz nageln und grausam langsam sterben lassen, denkt es in mir. Andererseits ist es für mich auch abseits vom Glauben eine realistische Vorstellung, dass es sich so zugetragen haben mag. Mein Bild von Jesus ist das eine aufrechten, durchaus auch streitbaren Menschen, der von göttlicher Liebe überzeugt war, Bigotterie und Doppelmoral verabscheute. Damit hat man eben nicht nur Freunde.

Als Ausrichtung taugt das, was er gesagt und gelebt haben soll, allemal, für mich. Von dem unrühmlichen Ende einmal abgesehen. Aber solchen Menschen sind eben sehr selten zu Lebzeiten noch Denkmäler gebaut worden …

Uns allen friedliche und ruhige Ostertage !

 

Käufliche Weisheit

Das erlebe ich häufiger – Menschen, die ich aus den sozialen Netzwerken wie Facebook oder WordPress.com her kenne, fangen an, sich zu vermarkten. So weit, so gut, jedem das seine, denke ich. Mal kann jemand richtig gut zeichnen oder malen, mal schreibt wer sein erstes Buch und hat Erfolg damit. Da freue ich mich für die Betreffenden, die ich teils schon langjährig begleiten durfte, deren Geschichte ich ein wenig kenne.

Dagegen bin ich skeptisch, wenn aus mir persönlich unbekannten Menschen, mit denen ein oberflächlicher und eigentlich unverdächtiger Austausch bestand, plötzlich Coaches oder Seminarleiter werden. Von denen trenne ich mich dann in der Regel auch schnell. Andere dürfen länger bleiben, trotz Skepsis. Menschen, die ich manchmal auch persönlich kenne, die ich teilweise in tiefer Verzweiflung erlebt habe. Da geschehen offensichtlich wundersame Wandlungen, wenn ich plötzlich nur noch hoffnungsfrohe, gut gelaunte und Energie-geladene Bilder sehe. Diese sind in der Regel eingerahmt von einem jubelnden, begeisterten Hofstaat, gerne weiblichen Geschlechts.

Hmm, denkt es in mir – woher kommt dieses Gefühl in meinem Bauch, beim betrachten dessen, was da vor sich geht? Dann frage ich mich, ob ich vielleicht neidisch bin, dass ich meine Weisheiten nicht gebührend zu versilbern vermag? Das ist es nicht, spüre ich. Weil ich im Grunde etwas ganz anderes suche. Meine Seelenverwandten sind all jene Menschen, die sich irgendwann einmal aufgemacht haben, aus Krisen und Leid heraus für sich entschieden haben, ein besseres Leben zu leben, mit allen Schwierigkeiten, die man auf dem Weg so findet. Menschen, die schon lange auf diesem Weg sind oder sich gerade erst aufgemacht haben. Menschen, denen sich z.B. nach schweren Erkrankungen an Körper, Geist, Seele oder auch nach völlig destruktiven, gelebten Beziehungsmustern die Chance auf ein neues Leben auftut.

Irgendwo im Hinterkopf ist dabei auch der Gedanke, dass wahre Weisheit nicht verkauft, sondern selbstlos geteilt werden sollte. Das sich Geld und Altruismus nicht wirklich vertragen. Das es einen Grund gegeben haben mag, dass einst die Händler aus dem Tempel geworfen wurden. Und – abschließend glaube ich, das all das, was ich gelernt zu haben glaube, möglicherweise viel zu unvollständig ist, um es zu „verkaufen“. Ebenso bin ich überzeugt, dass meine Weisheiten nicht unbedingt allgemeingültig sind und für manch einen total ungeeignet sein mögen.

All jenen, die das anders halten, wünsche ich gutes Gelingen. Trotz Skepsis.

PS:
Eine kleine Erinnerung – vor einiger Zeit las ich bei Facebook einen Thread rund um das Thema Geld, den Umgang mit Materie allgemein sowie mit der damit verbundenen Verantwortung. Der Titel war eine Frage: Kannst Du gut mit Geld umgehen? Dort gab es einen Herrn, der sich sehr vernünftig äußerte, das klang schon glaubwürdig. Der bot dann irgendwann einen Gesprächskreis zu eben jenen Thema an. Neugierig, wie ich nunmal sein kann, fragte ich, ob benannte Erkenntnisse denn dort verkauft werden sollten. Nach einem kleinen verschämten Schweigen kam ein etwas verhaltenes JA, von mir beantwortet mit einem dicken Smily und der Anmerkung, er könne wirklich gut mit Geld umgehen.

Respekt :)

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Sendersuchlauf

Unser Kabel-Anbieter schüttelt in letzter Zeit alle paar Wochen seine Sender durcheinander, was zur Folge hat, dass hier und da ein neuer Sendersuchlauf gestartet werden muss. Mich stört`s nicht wirklich, weil ich nicht so ein Fernseh-Mensch bin. Hauptsache, ich bekomme Abends meine halbe Stunde Regionalnachrichten mit, der Rest interessiert mich weniger.

Wir bekommen sowieso nicht das volle Programm, weil uns so ein modernes Teil fehlt, mit dem man auch die tollsten Bilder noch sehen können soll. An die wechselnden Programmnummern gewöhne ich mich auch schnell, das hält wach. Manchmal staune ich, wer sich da alles tummelt, im Angebot. Neben Phoenix und Arte, die auch manchmal gut zu schauen sind, landete ich neulich später am Abend bei Bibel-TV, mitten in einem historischem Spielfilm über Moses, seine weite Reise mit dem Stamm Israel und dem Zustandekommen der 10 Gebote, aus biblischer Sicht.

Verwundert schaue ich den alten Schinken eine Weile. Passt zum Sender-Namen, denke ich und frage mich nach dem potentiellen Nachtprogramm – wohl kaum das Übliche, also irgend ein Soft-Porno oder abgehalfterte B-Serien. Meine Neugier reicht nicht so weit, mir via Bildschirmtext darüber Klarheit zu verschaffen, dafür finde ich zumindest den Rest des alten Filmes recht spannend.

Die 10 Gebote und deren Zustandekommen … wohl kaum werden sie Moses von Gott persönlich auf dem großen Berg als frisch gebackene Steinplatten überreicht worden sein, auch, wenn das in dem dicken alten Buch (und natürlich auch in dem Film) gut aussieht. Vielmehr glaube ich, das sie, wie die meisten Fortschritte im Leben, nicht durch Aufhebung der physikalischen Gesetze oder gar durch menschliche Einsicht entstanden sind, sondern eher durch tiefes Leid, vielfach schlechtem Gewissen, innerem Zwiespalt und Ströme von Blut.

Für mich haben sie in ihrer Einfachheit und Klarheit große Kraft, wie immer sie auch entstanden sein mögen. Mit ihnen ist im Grunde alles gesagt, alle weiteren Vertiefungen haben ihre Ursache wahrscheinlich nur in dem Hang der Menschen, sich von einander zu unterscheiden. Mir reichen sie als Orientierung für mein Leben völlig aus und haben für mich größere Strahlkraft als das gerade gültige geltende Recht, welches ja enormen Schwankungen unterliegen kann. Sie sind zeitlos und für mich ein gute Hilfe in unübersichtlichen Zeiten einerseits sowie in einer Konsum-orientierten, mich in ihrer Gier zunehmend abstoßenden Welt andererseits.

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Experiment Auto-freies Leben

9 Monate waren wir hier im Tal der Wupper komplett ohne Auto. Seit kurzem steht wieder ein motorisierter Winzling vor der Türe, dafür gab und gibt es Gründe, ebenso, wie es genügend Gründe gegeben hätte, den Kleinen nicht anzuschaffen.

Zeit für eine Rückschau: Zusammenfassend lässt sich sagen – es lebt sich ohne Auto, wenn auch eingeschränkt. Wir sind öfter mal und gerne unterwegs, das ist hier in der Gegend ausgesprochen kompliziert und auch teuer (Stichwort mehrere Verkehrsverbünde, die nur rudimentär miteinander kooperieren) Dazu: Permanente Verspätungen und Chaos bei der Bahn. Wie, um mich damit noch einmal zu bestätigen, sei erwähnt, dass wir gestern (an einem Montag) für die Strecke Salzburg-Wuppertal mit der Bahn (die Karten waren schon gekauft) fast 14 Stunden gebraucht haben Zur Entlastung der Bahn muss gesagt werden, dass ein Teil der Verspätung Folge von mehreren Brandanschlägen auf Signalanlagen war. Die Hinfahrt jedenfalls war auch mit 90 Minuten im Plus. Platzreservierung zum Teufel, auf dem Koffer hocken im Gang. Und – ja, ich weiß. Je nach Datum und Tageszeit sind die auch Autobahnen eher Parkspuren als Reisewege.

Was mich an der Bahn richtig ärgert: Sie verzocken ihre Fahrpreise. Günstig buchen ist pure Glücksache. Da bin ich sehr altmodisch. Wenn ich handeln möchte, gehe ich auf einem Trödelmarkt oder einem orientalischen Basar. ansonsten bevorzuge ich feste und vor allem überschaubare Tarife.

Was den Alltag angeht, da fällt die Bilanz schon um Längen besser aus. Weil wir beide fußläufig oder, in meinem Fall, komfortabel mit dem Rad zur Arbeit gehen/fahren können. Einkaufen mit dem Rad ist auch kein Thema, Dank Kuriersack auf dem Buckel und/oder Packtaschen an den Seiten. Meine persönliche Bilanz als Mit-Fünfziger: Es bringt Kondition, so zu leben. Bis dahin war es ein teils holperiger Weg. Ausprobieren mehrerer Kettenblatt-Ritzel-Kombinationen, bis schlussendlich eine Kombi gefunden wurde, die einen guten Kompromiss aus Bergtauglichkeit mit Last (da kommen schnell 20 Kilo zusammen) und Endgeschwindigkeit auf der anderen Seite darstellt. Versuch und Irrtum waren auch der Weg hin zur vernünftiger Kleidung. Vernünftig im Sinne von Wetter- und Alltags-tauglich (denke das an so 2, 3 Grad plus und Dauerregen) und Anschaffungspreis (High-Tech-Zeug zerreißt an Zweigen und Brombeer-Hecken leider genau so wie die Müllsack-ähnlichen Dinger vom Discounter.)

Eine weitere, interessante Erfahrung in dem Zusammenhang sowie allgemein zum Thema älter werden waren teils sehr schmerzhafte, mehrfache Rippenblockaden über viele Wochen. Das ging über den Hausarzt, der bemüht, aber leider nicht sehr erfolgreich sein Glück versuchte, hin zum Orthopäden, der auch als Sportmediziner praktiziert.

Sätze der Doktoren, die mir heute noch in den Ohren klingen lauten: Finden `se sich damit ab, für ihren allmählich älter werdenden Körper täglich mehr Zeit investieren zu müssen, um fit und beweglich zu bleiben. (der Hausarzt). Oder der Orthopäde, der mich geräuschvoll und mit gezielter Gewalt “deblockierte”, auf meine Frage, das Radfahren betreffend: Sie machen alles richtig, weiter so! Dazu noch regelmäßig, also tägliche Übungen zur Stärkung der Halswirbelmuskulatur,

Ich will Sie in, sagen wir, vier Monaten wieder hier sehen und von Ihnen wissen, wie es Ihnen geht.

Mit diesen Worten sowie mit eine kleinen Liste skizzierter Übungen entließ er mich. Seitdem lasse ich einen Teil davon in meine morgendliche Routine einfließen. Meine Yoga-Übungen sowie die HWS-Gymnastik (eigentlich sind das sehr einfache, auch zwischendurch über Tag zu praktizierende Übungen) beanspruchen nunmehr allmorgendlich 20 Minuten. Und – es hilft. Ich fühle mich jetzt schon, nach ein wenigen Wochen, um Längen besser.

Fakt ist, meinen alltäglichen Lebenswandel mit dem Rad werde ich beibehalten.

Was waren also die Gründe für ein Auto, wenn nicht die tägliche Pendelei ? Unsere größeren und kleineren Reisen sind das eine. Etwas anderes ist es, dass ich mich nicht in einer Situation wiederfinden möchte, in der ich ein Auto haben muss und dann zu nehmen habe, was ich bekommen kann (Jetzt hatte ich eine ruhige, überlegte Wahl). So ist es durchaus denkbar, wenn auch nicht wünschenswert, dass sich meine berufliche Situation (sind noch etliche Jahre) nochmal ändern mag. Dazu kommt das mittlerweile hohe Alter meiner Eltern, die hartnäckig am grünen Stadtrand verweilen möchten. Stadtrand heißt in unseren Fall hier im Tal der Wupper gut 200 Höhenmeter Differenz plus so einige Kilometer. Nicht geeignet für regelmäßige Besuche mit dem Rad, nach getaner Arbeit. Geschwister, auf die ich meine Verantwortung diesbezüglich delegieren könnte, gibt es keine, was, weiß Gott, für mein persönliches Wachstum gute Gründe haben mag.

Wie auch immer.

So mache ich in großen Teilen weiter wie bisher mit dem Rad und nehme hin, dass der Kleine da draußen derzeit mehr ein Stehzeug als ein Fahrzeug ist.

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Immer wieder

Vor langer Zeit habe ich mir auf einer Yoga-Website ein Abo eingerichtet, ein paar mal gelesen und es dann vergessen. Oft genug lösche ich die Mail, ohne zu schauen. Heute Morgen mal nicht, und siehe da, ich stoße wieder auf altbekannte Weisheiten.

5 Lebensregeln für ein erfülltes Leben

So und in abgewandelter Form, aber immer mit dem gleichen Kern, habe ich das schon oft gelesen. Wie leicht das klingt und wie schwer es mir fällt, auch nur teilweise danach zu leben. Mit Stichworten ausgedrückt, lauten sie wie folgt:

  • Ausreichend schlafen
  • Gesund essen und ausreichend bewegen
  • Tägliche Meditation
  • Achte auf harmonische Beziehungen
  • Sei tätig

Klingt einfach, oder ? So universelle Weisheiten. Wenn ich Punkt für Punkt durchgehe, fällt meine Bilanz allerdings eher mager aus. So schlafe ich eigentlich regelmäßig zu wenig bzw. unter wenig gesunden Bedingungen. Ok, beim essen sieht das schon erheblich besser aus, auch Bewegung bekomme ich auf dem Rad ausreichend. Wobei das ein wenig einseitig ist, wie ich gerade feststellen musste. Dehnungsübungen fehlen mir, da gibt es etwas zu tun.

Meditation – verbinde ich am frühen Morgen mit Yoga-Übungen. Was gut tut, aber den über den Tag aufgefrischt werden möchte.

Harmonische Beziehungen kenne ich leider nur punktuell. Mein Alltag ist geprägt von Mißtrauen und Abwehrhaltung in einem Ellebogen-Umfeld, wo jeder sich selbst der Nächste ist. Privat sieht das, Gott sei Dank, besser aus. Wobei, wenn zwei in einem Tiger-Jahr Geborene zusammen leben, beide vom Element Wasser dominiert, sind gewisse Ausbrüche schon von Beginn an mit eingepreist, sozusagen. Was aber für uns beide sehr in Ordnung, weil ehrlich ist. Der Freundeskreis ist Alters-entsprechend ausgedünnt, hier achte ich genau darauf, mit wem ich mich umgebe und mit wem lieber nicht. Zumal das allein-sein keinen Schrecken mehr hat, sondern von mir zunehmend als Bereicherung gefühlt wird.

Tätig bin ich. Eher zuviel mitunter, und gerne von letztendlich ungesunden Ehrgeiz getrieben. Das Mass der Dinge, meine ganz spezielle Lebensaufgabe. Gut, einmal mehr erinnert zu werden.

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Wespennester

In`s Blaue geschossen
und getroffen
Seit wann eigentlich
tarnen sich Wespennester blau ?

Deine Wahrheit
von mir gefühlt
hat schon die Farbe meines Denkens

Gewünscht habe ich Dir
was mir wichtig
Gut gemeint aber eben nicht Deines

Mein Wille
ist nicht Gottes Wille

Da gibt es anderes zu entdecken
für dich
etwas, was mir längst vertraut
soll nun auch dein Leben bereichern

Du schweigst sehr laut
Dein gutes Recht

Erfüllung und Erkenntnis
Das wünsche ich Dir
Mein Freund

Betrug und Verrat

Im Geschäftsleben und in der Politik ist es beinahe alltäglich. Menschen sind so, erfüllt von Egoismus und Gier. Nicht alle, aber gerade unter den Mächtigen eben viele. Sonst wären sie nicht so mächtig geworden.

Anders ist es, wenn ich lese, bei befreundeten Bloggern. Von Verrat, von Ehebruch, von Untreue. Oder wenn ich es höre, im Freundes- und Bekanntenkreis. Es bewegt mich, versetzt mir eine Stich, weil ich mich erinnere, an meine Vergangenheit. Diese ist zwar vergangen, bestimmt aber, ob ich will oder nicht, meine Gegenwart.

Untreue ist ein Seil mit zwei Enden. Mal war ich an dem einen, mal an dem anderen Ende. Ich durfte beide Seiten schmecken, fühlen. Das klingt geläuterter, als es ist. Dahinter steckt aber eine einfache Erkenntnis, die es in sich hat: Ich komme schlicht nicht weg von mir. Mein ganzes Leben war bestimmt von der Suche nach Intensität, nach der Wucht. Nicht nur, um den Moment auszukosten. auch, um diese Leere nicht zu spüren, diese Verlassenheit. Es ist nicht nur der innige Wunsch, niemanden mehr solche Schmerzen zuzufügen. Es ist auch die tiefe Erkenntnis, dass es kein Entrinnen gibt, vor mir selbst. Dass jedes Manöver, das dem Teil in mir mit den losen Nervenenden, dem zeternden kleinen Jungen, kurzfristige Erfüllung vorgaukelt, früher oder später zu Ende geht und mich desolater zurück lässt als zuvor.

Es gibt auch eine andere Form der Intensität. Sie ist leiser, man muss gut hinhören. Zwar hat sie nicht das Potential für den Kick und sie steht auch nicht immer gleichermaßen zur Verfügung, im Alltag. Sie hat etwas mit Liebe zu allen, was lebt, zu tun. Täglich bekomme ich einen Eindruck davon, wenn wir uns daheim aus unseren Tag erzählen. Langsam fange ich an, zu verstehen …

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