Archiv für den Monat: März 2014

Zwerghamster

Regelrecht vernarrt war sie, in die beiden possierlichen, kleinen Nager, so genannte Roborowski-Zwerghamster. Zwei von diesen Mini`s hatte sie in der Tierhandlung erstanden und ein alter Käfig war auch noch vorhanden. Die Sache mit der Geschlechter-Bestimmung war zunächst unklar “Das sehn`se schon, kann man nun noch nich`sagen…” hat sich auch relativ schnell aufgeklärt, mit einsetzender Geschlechts-Reife der beiden Schönen, dem Treiben nach eindeutig Männlein und Weiblein.

Bedacht hatte sie lediglich nicht, das der Käfig ursprünglich mal für die größeren Artgenossen gedacht war, mit entsprechenden Gitterstäben-Abstand. Irgendwann kam dann, was kommen sollte, ein Blick in den Käfig früh morgens und, ohje, der Herr des Hauses war abgehauen. Irgendwie hatte der sich dermaßen lang gemacht, das er zwischen die Stäbe passte und das Weite gesucht.

Nächte lang habe ich auf dem Fußboden gehockt und auf den Ausreißer gewartet, um ihn zu fangen. Ein langweiliges und letztendlich vergebliches Unterfangen, trotz öffentlich zur Schau gestellter Leckereien und viel Geduld meinerseits. Ein paar Mal hatte ich ihn sogar dicht vor mir, aber immer war der kleine Kerl schneller als ich. Wie der sich im übrigen die Zeit tot schlug, was an den Spuren auf dem Boden unschwer zu erkennen. Langsam, aber sicher fraß der sich genussvoll durch das Mobiliar, während seine Gattin überhaupt nicht auf die Idee kam, es ihm gleich zu tun und schön in ihrem Zuhause blieb.

Es war zum verzweifeln. Wirklich nichts schien zu helfen, die ersten Gedanken an einen Kammerjäger kamen uns damals schon. Bis eines Morgens der kleine Drecksack fröhlich rammelnd wieder bei seiner Liebsten zu sehen war. Einfach so, ganz ohne unser Zutun hatte der sich auf vertrautem Wege zurück in den Käfig gequetscht, die Triebe ließen grüßen. Die Aufzucht des zahllosen Nachwuchses und das weitere Familienleben fand im übrigen in mehreren, Zweck-entfremdeten Aquarien statt.

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Ein paar Dinge habe ich von der Geschichte damals gelernt. Zunächst sollten sich die Machthaber, wenn schon eingesperrt wird, des Gefängnisses nicht zu sicher sein. Dann scheint es offensichtlich so zu sein, das zumindest junge Männer für tollen Sex ihre Freiheit aufgeben und selbst gutes Essen stehen lassen. Obwohl ich da von manchen älteren Geschlechtsgenossen auch schon gegenteiliges gehört habe, von wegen Essen und Trinken sei die Erotik des Alters und so.

Das Wichtigste allerdings, und das ist auch der Grund, warum mir diese schräge Episode manchmal heute noch einfällt, ist der Umstand, das sich vieles im Leben auch ganz ohne mein Zutun selbst regelt, vorausgesetzt, ich bringe die nötige Geduld zum warten auf. Was mich heute oft genug davon abhält, da und dort Kräfte-zehrend zu intervenieren, mich einzumischen in anderer Menschen Belange. Sicherlich tut das mitunter Not, aber weiß Gott nicht so häufig, wie ich früher mal geglaubt  habe.

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Kurzbesuch in Leipzig

Der Anlass ist ein berufliches Tages-Seminar der Liebsten dort, ich nutze die Gelegenheit, mir zumindest eine ganz kleinen Eindruck von der Stadt zu verschaffen. Die Fahrt bietet schon viel für die Augen. Nachdem die Kreuz-langweilige A44 endlich geschafft ist, wird die Landschaft abwechslungsreicher. Die Kasseler Berge und weiter über die neue A38 durch zwei Tunnel und wir sind in Thüringen. Schilder verweisen auf die ehemalige Grenze, auf eine Gedenkstätte, auf das Lager Friedland.

Wir passieren eine Ausfahrt, deren Schild auf Mühlhausen verweist. Erinnerungen werden bei mir wach, an meine erste Visite in der “Zone”, irgendwann kurz nach der Grenz-Öffnung im Frühjahr 1990. Bis dahin hatte ich nichts mit dem “anderen” Deutschland zu tun, keine Freunde und keine Verwandte gab es dort. Nur die Grenze, die zu passieren mir nie in den Sinn kam. Auch damals bin ich nur dort hin, weil ich es eigentlich nicht glauben konnte, das dieses Land, das für mich bis dato eher ein großes Gefängnis darstellte, nun offen sein sollte.

Mühlhausen damals also, Kopfsteinpflaster, riesige Industriebrachen, Auto an Auto, überwältigender Braunkohle- und Zweitakt-Gestank, der Straßenrand gesäumt mit Glückritter aller Art in selbst gebastelten Verkaufs-Ständen. Ausverkauf total auf beiden Seiten sozusagen, die einen nutzten jede Chance, an die begehrte D-Mark zu kommen, die anderen brachten bunte Glasperlen und alte Autos zur anderen Seite. Verwirrt und beschämt bin ich damals wieder heim gefahren.

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Von alledem ist jetzt nichts mehr zu spüren. Wir passieren den Süd-Harz mit seiner Karst-Landschaft, vorbei an bizarren Abraum-Pyramiden durchfahren wir die Ebene. Städtenamen tauchen auf, Sangershausen, Querfurt, Eisleben, Merseburg. Unendlich viele Wind-Kraftwerke und Stromleitungen am Horizont. Ein Stück noch nach Norden auf der A9 und wir  sind am Stadtrand von Leipzig. Die “blühenden Landschaften” sind weitläufig unübersehbar, Industrie- und Verkaufsparks wie allerorten in Autobahn-Nähe.

Unsere Unterkunft liegt am Rand vom Zentrum, ein Jugend-Hostel in einem schönen, alten, Geschichts-trächtiges Haus, ehemals wohl Geschäftshaus einer angrenzenden Mühle.

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Das Zimmer wird erst einmal, was die Betten betrifft, umgebaut. Die auf diese Weise entstandene Bretter-Umzäunung lässt eine leise Ahnung von Alten-gerechten Schlaf-Gemächern aufkommen, ausgerechnet in einem Jugend-Hostel.

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Die niedliche Wand-Deko befeuert meine Lust am Unfug und ich freue mich über den dicken Edding in meinem Hand-Gepäck. Das hätte ich nicht gedacht, das der noch einmal irgend einen Sinn macht.

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Nach dem einchecken lassen wir den Tag in der schönen Altstadt ausklingen, ich bin überrascht, wie viele Gründerzeit-Häuser es dort gibt. Zumindest im Zentrum sind selbige auch liebevoll hergerichtet und mit Sicherheit teuer vermietet.

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Am nächsten Morgen stehen wir sehr zeitig auf und fahren nach dem Frühstück zum Tagungs-Ort der Liebsten, unweit des so genannten bayrischen Bahnhofes. Dort wird gerade ein historisches Portal nicht saniert, sondern blödsinniger Weise neben einem futuristisch anmutenden U-Bahn-Eingang neu errichtet. Derzeit herrscht übrigens gerade Baustopp, warum auch immer, und ich stelle fest, das bescheuerte und verantwortungslose Stadtplanung durchaus keine Wuppertaler Domäne ist.

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Die Liebste ist also beschäftigt und ich überlege, was ich in den paar Stunden wohl tun kann. Die Wetter-Vorhersage verspricht Regen am Nachmittag und so fahre ich mit der Straßenbahn erst einmal zum Völkerschlachtdenkmal, Fast 100 Meter hoch, düster und bedrohlich, ein steinernes Zeugnis deutscher Geschichte. 1913, am Vorabend des ersten Weltkrieges errichtet und 2013 abschließend saniert, zu einer Zeit, in der wieder deutsche Soldaten diesmal europäische “Werte” mit der Waffe in der Hand in alle Welt exportieren sollen. Oben angekommen bietet sich mir ein toller Ausblick, weit über die Stadt hinaus. Meine Gänsehaut rührt allerdings nicht von dem heftigen Wind dort oben. Den Aufstieg spüre ich übrigens immer noch in den Beinen.

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Das beschauliche Schlösschen rechts unten ist übrigens ein Krematorium.

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Oben auf der Plattform stelle ich fest, das ich vergessen habe, den zweiten Kamera-Akku zu laden, den ich gerade einwechseln will und ärgere mich über meine nachlassende Selbst-Organisation. Was allerdings nicht tragisch ist, da das Netz sowieso voll ist mit Bildern dieser schönen, alten Stadt. Der Handy-Akku ist auch am Ende, aber da gibt es wenigsten noch geladenen Ersatz im Rucksack, wenn auch die Bilder an Qualität zu wünschen übrig lassen. Immerhin.

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Anschließend fahre ich zurück Richtung Zentrum, erst einmal. Wieder mit der Straßenbahn, hier Tram genannt. Mit dem Auto sieht man nicht viel von Stadt und Menschen, das ist in öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich anders, zumal es für kleines Geld Tages-Karten gibt. Der Dialekt hier fasziniert mich, und ich spüre eine mir fremde Freundlichkeit der Menschen. Was nicht viel heißen mag, als gebürtiger Wuppertaler. Die Berliner sind mir da schon vertrauter (Sorry, liebe Berliner, aber mental sind wir da wohl verwandt…)

Im Zentrum schaue ich nach der Thomaskirche, leider ist dort gerade eine Chor-Probe, betreten also leider nicht möglich. Durch die bunten Gläser des Einganges gelingt mir aber ein verstohlener Blick hinein.

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Im Anschluss suche ich die 1989 berühmt gewordene Nicolaikirche auf, die Keimzelle der friedlichen Revolution damals. Es gibt dort auch einen kleinen Laden und ich erstehe ein Buch, auf das ich sehr gespannt bin. Ein Zeitzeugen-Bericht aus erster Hand sozusagen, nicht ideologisch verfälscht oder gar missbraucht. Wer hier heute auf die Straße geht, mag sich kaum vorstellen können, was das für die Menschen dort drüben damals wohl hieß, auch, wenn hierzulande die Sitten langsam auch rauer werden. Die Unzufriedenheiten dort damals und die heute lassen sich wohl kaum vergleichen. Unglaublich immer noch auch für mich, das damals alles weitgehend friedlich blieb, was sich nur zum Teil mit der Staatsgewalt der DDR-Regierung und der leidvollen Erfahrung der Ostdeutschen mit ihr erklärt. Wie selten kommt es vor, das Menschen gegen eine Regierung friedlich aufstehen, die an ihrem Volk vorbei regiert, mal vorsichtig ausgedrückt. Und dabei nicht zu allem greifen, was ihnen in die Hände gerät. Es war eben nicht nur die damalige Schwäche der russischen “Freunde” und die Ratlosigkeit der greisen DDR-Führung, es waren vor allem Menschen vom Schlage des Christian Führer , die die “Wende” damals möglich machten. Auch, wenn sie sich tragischer Weise bestimmt anderes erhofft hatten als das, was dann kommen sollte.

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Die Zeit rückt langsam vor, für größere Aktionen wie z.B. einen Zoo-Besuch ist sie eh zu knapp und so fahre ich im Regen mit der Straßenbahn nach Stötteritz, das so gerade eben noch im Tarif der Tageskarte liegt. Mit jedem Kilometer nimmt die Zahl der abbruchreifen oder zumindest stark sanierungsbedürftiger Gründerzeit-Häuser zu, sind es in Zentrum-Nähe nur vereinzelt einige wenige, so ist es weiter draußen fast jedes zweite Haus. Manchmal ist auch nur das Erdgeschoss bewohnt, während weiter oben leere Fensterlöcher gähnen. Alternatives Wohnen, denke ich, Hauptsache, irgendwie trocken, warm und bezahlbar.

Am späten Nachmittag hole ich dann die Liebste ab, bin ein wenig zu früh und muss warten. Ein junger Mann steht mitten im Vorgarten, übt sich offensichtlich im Bogenschießen und fragt mich freundlich nach mein Begehr hier im Hof. So entwickelt sich ein netter und aufschlussreicher Plausch zwischen uns über so alles mögliche, angefangen beim Holz seines selbst gefertigten Bogens über unsere verschiedene Herkünfte hin zu unseren Tagewerk, wenn nicht gerade Städte-Reisen oder Bogen-Schießen dran sind. Ein frisch gebackener Wirtschaftsprüfer aus dem Erz-Gebirge, der mir einiges über das Leben in der alten Studenten-Stadt verrät. Dann kommt die Liebste und wir verabschieden uns freundlich.

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Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, schon am nächsten Morgen geht es wieder heim. Für einen Bummel durch die Stadt, abgerundet mit einem leckeren Essen, reicht es aber allemal. Abschließend noch ein paar Bilder, angefangen im “Ossi-Laden”…

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Und weiter durch die Stadt…

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Nachtrag: Gerade gefunden

Regen

Eigentlich hat er das nicht verdient, der mittlerweile lang ersehnte Regen. Steht er doch in der Natur für Fruchtbarkeit und Wachstum. Bei mir befeuert er eher meine grüblerischen, nur scheinbar dunklen Stimmungen und Erinnerungen. So geschehen gestern Abend, bei Erzählungen von Freunden über ihren Umgang mit dem Sterben, dem Tod, mit Grenzen, mit unserer Endlichkeit.

Mir ging spontan eine Geschichte durch den Kopf, die mir heute noch Gänsehaut verursacht. Sie liegt mittlerweile schon gut 10 Jahre zurück, damals wohnte ich in einem alten Weber-Haus unten an der Wupper.

Eine Wohnung, die ich mir damals mit Bedacht aussuchte. Drei kleine, bezahlbare Zimmer, es galt angesichts meiner damaligen Unterhalts-Verpflichtungen schon streng zu rechnen. Das Umfeld war dem niedrigen Mietpreis entsprechend, also alles andere als bürgerlich, was ich allerdings nie als Makel empfunden habe. Gepflegte Vorgärten in stillen Vorort-Straßen mit all ihren gut situierten Menschen samt deren Status-Symbolen waren mir immer schon suspekt und verdächtig, ebenso wie all zu aufgeräumte Mietshäuser mit peinlich auf Flur-Keller-Speicher-Ruhezeit-Ordnung bedachte Nachbarn. Nichts gegen eine gewisse Ordnung, aber eben alles in Maßen.

Solch eine gewisse, also erträgliche Ordnung gab es in diesem Haus, damals. Darauf achtete der Hausmeister, ich glaube, er hieß Rolf. Wir mochten uns irgendwie von Anfang an, beginnend damit, das ich von ihm unter einigen Mit-Bewerbern den Zuschlag für die Wohnung bekam. (Der Vermieter wohnte sonst wo und überließ vertrauensvoll alles seinem Mann vor Ort). Gemeinsame Berührungspunkte waren unser beider Hang zum basteln und zur Improvisation. Er half mir beim schreinern, gab mir gute Tipps und ich übernahm gelegentlich waghalsige Aktionen in dem riesigen Treppenhaus, Glühbirnen in luftiger Höhe tauschen, er traute sich nicht mehr so hoch auf die Leiter.

Ich glaube, ihm beeindruckte mein aus seiner Sicht spannendes und bis dahin sehr wechselvolles Leben, mit Blick auf das andere Geschlecht. Eine Perspektive, die ich damals selbst allerdings  nicht unbedingt so erbaulich fand. Mich faszinierte die Ausstrahlung dieses kleinen, untersetzten Mannes. Der Respekt, den er sich in dem bunten Viertel, bestehend aus Bordellen, zwielichtigen Kneipen, Migranten-Klubs, Spielhallen, mediterranen Lebensmittel-Läden und preiswerten Auto-Werkstätten erworben hatte. Angst habe ich hier vor niemanden, verriet er mir mal, und das klang sehr glaubhaft.

Seine Angst vor Höhe hatte allerdings einen guten Grund. Sein krankes Herz machte ihm Schwindel. Eines Tages, ich hatte ihn schon länger nicht gesehen, traf ich seine Frau, die mir eröffnete, das ihr Mann neulich des Nachts verstorben sei. Das Herz, einen Termin beim Kardiologen hätte es schon gegeben, aber zu spät.

Seine Zeit war abgelaufen.

Irgendwann, einige Monate später, saß ich gemeinsam mit Freunden bei einem Abendessen . Eine Frau in dieser Runde hatte eine ganz besondere Begabung. Ein Medium mit Zugang zu der Welt der Geister. Eine Neigung, der ich damals zumindest eher skeptisch gegenüber stand. Irgend ein uraltes Wissen sagte mir, das ist so, war immer so, wir sind nicht allein, auch, wenn wir glauben, wir wären es. Selbst hatte ich mich ja auch schon in ganz dunklen Augenblicken beschützt und geborgen gefühlt. Der mit Schul-Wissen gefüllte und mit einem technischen Beruf gestärkte Intellekt hingegen neigte dazu, das alles als großen Blödsinn abzutun. Wie auch immer, wir sprachen über unsere vermeintlichen, unsichtbaren Begleiter, jene Wesen, die uns je nach Couleur hilfreich beraten, beistehen wollen oder uns eben in ihrem Sinne manipulieren, herunter auf ihre Ebene ziehen wollen.

Da – neben dir sehe ich einen, ganz deutlich. Er flüstert irgend etwas von Frauen. So sagt die Bekannte und ich frage ratlos, wen sie wohl meinen könnte. Sie lacht und meint, ich würde ihn doch recht gut kennen. Schau`dir doch bloß mal seine Hände an, diese Hände…

Rolf`s Hände waren sehr markant, versehen mir großflächigen Pigment-Störungen.

Heute bin ich mir sicher, unsere Welt ist viel größer, als wir das aus unserer Beschränktheit und unserem Alltag heraus erahnen können. Das wir, ähnlich der Struktur unserer Erde, nur auf eine dünnen Schicht Vertrautem leben und kaum eine Ahnung haben, was darunter alles verborgen ist. Das die Gesetze der Physik ebenso existent sind wie andere Natur-Gesetze. Das wir umgeben sind von denen, die vor uns da waren. Das wir eines Tages erwartet werden, wenn wir dahin zurück gehen, von wo wir gekommen sind.

Das wir uns nicht fürchten müssen.

 

 

Nahverkehrsmittel

Vor gut zwei Jahren bekam ich von meinem Vater ein schon betagtes Trecking-Rad überlassen, welches er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren konnte. Das stand dann eine ganze Weile herum, neben einem noch viel betagteren Herkules-Halbrenner, Baujahr `81. Bis mir der Verkehr auf der Straße irgendwann reichte und ich mich an das für meine Verhältnisse (10-Gang, keine “Index-Schaltung”) komfortable Rad meines Vaters erinnerte.

Nun bin ich nicht der Mensch, der für Sport oder Bewegung allgemein viel Zeit investieren will und kann, andererseits erkenne ich die Notwendigkeit, meine Gesundheit auch aktiv zu erhalten. Das Rad kam mir da genau recht. “Komfortable” 3 mal 7 Gänge für die Gegend hier, die Option, bis vor die Geschäfte in der Fußgängerzone fahren zu können und die Möglichkeit aufgrund eines überschaubaren Arbeitsweges, Bewegung in meinen Alltag zu einzubauen, anstelle irgendwelche Sport-Studios zu besuchen.

Letztes Jahr kam dann noch ein ebenfalls betagter, aber wenig gefahrener Crosser hinzu, mit dem deutlich sportlicheres fahren möglich wurde. Nachgerüstet mit einem entsprechenden Lastenträger und Packsäcken erledige ich damit alle möglichen nötigen Wege, komme in Bewegung und mache mich vom Auto unabhängiger.

Manchmal staune ich, was so alles geht, mit guten Willen. Hier z.B. bei der Pack-Station.

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 Oder auf dem Weg zum Fahrradmann

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Oder Papier und Glas entsorgen…

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Einkaufen…

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Zusammen mit dem Rucksack und den Packsäcken kommen stolze 75 Liter Stauraum für grenzwertige Einkäufe zusammen, zuzüglich der Möglichkeit, auch mal unförmigeres Zeug einigermaßen sicher zu fahren. Toll finde ich in dem Zusammenhang die holländischen Lastenräder (Katzenstreu, Mineralwasser…), aber damit käme ich wohl kaum die Berge hier hoch und auch für die Kellertreppe ist so ein Gefährt zu schwer.

Schade eigentlich.

Wipperfeld

Vorher bin ich noch nie dort gewesen und, ich glaube, so schnell komme ich auch nicht wieder dort hin. Letzten Sonntag traf ich mich dort mit ein paar Gleichgesinnten zum wandern, im so genannten oberbergischen Land. Eine faszinierende Landschaft, ungefähr ein gemütliche Autostunde von Wuppertal entfernt. 15 Kilometer sollten das laut Rother Wanderführer, Tour 28, sein, allerdings bei 330 Meter Höhenunterschiede (die ich im übrigen doch ein wenig unterschätzt habe)

Die Tour beginnt und endet als Rundweg am Wanderparkplatz gleich an der Wipperfelder Kirche, oben auf einem Berg gelegen (Bilder wie immer zum vergrößern anklicken)

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Als gebürtiger Wuppertaler mag ich mittlerweile eher das flache Land, am liebsten mit Wasser aller Art. Aber auch hier gibt es Orte, an denen ich mich unglaublich wohl fühle. Landschaften mit weitem Ausblick und viel Wind um die Nase. Auf unserer Tour gibt es viele solcher Momente, oben auf den Höhenzügen, allerdings immer wieder von tiefen und engen Tälern unterbrochen. Typisch halt für das oberbergische Land.

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Am Wegesrand…

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Frühlingsboten…

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Wasser…

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Weiter durch Berg und Tal…

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Unglaublich abwechslungsreich…

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Mir ist das Tempo der Gruppe ein wenig zu schnell, eigentlich nicht das Lauftempo, das geht schon in Ordnung. Eher die Neigung, konstant durch zulaufen…ich bin eher jemand, der gern mal verweilt und sich umschaut (und Luft holt, ja). So kommt es, das ich öfter schon mal weit zurückfalle, was aber schnell wieder aufgeholt ist.

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Wozu braucht so ein Dorf eigentlich zwei Schilder…

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Weiter am Wegesrand…

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Gegen Ende der Tour kommen wir an diesem Haus mit der schönen Sonnenuhr lang. Der Besitzer kommt, sieht mich ein wenig ratlos die Inschrift neben der Uhr bestaunen und hilft übersetzen.

Alles stirbt, alles heilt…

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Heilen müssen am Ende der schönen Runde auch meine Knochen (wie gesagt, die Höhenmeter-Differenzen…) was aber angesichts der vielen, schönen Eindrücke und Bilder kein großes Thema ist. Gern noch einmal, vielleicht mit der einen oder anderen kleinen Pause dazwischen.

Sein erstes Mal

Vom Beifahrersitz aus betrachte ich das Geschehen und höre nach einer kurzen Einweisung meinerseits erstmal zu. Geht der Sitz nicht weiter zurück…tönt es fragend an mein Ohr. Der Sitz ist am hinteren Ende, 1.92m sind halt Grenz-wertig. Spiegel werden eingestellt und weiter geht die Fragerei. Das Lenkrad sollte ein wenig höher und der Sitz auch, wie geht das…

Was glaubst du, wo Du hier bist? antworte ich dem großen Kind, das gerade einen technischen Kulturschock erleidet. Sein frischer Führerschein wurde auf einem Golf 7 erworben und nun das. Eine Karpaten-Schleuder auf dem Stand der 80er Jahre. Ohne elektrisches Gedöns wie gerade eben angefragten Komfort. Ohne Zentralverriegelung, ohne Servolenkung, ohne sommerlichen Kühlschrank. Ohne überhaupt so einigen, was eh`nur irgendwann das Zeitliche segnet und dann nach Werkstatt schreit. Eben das Nötigste, fahren geht gut, wenn man Freundschaft mit dem puristischen Gefährt geschlossen hat.

Los geht die Fahrt und meine Bauchschmerzen lasse ich mir so gut es geht nicht anmerken. Einmal will ich mit dabei sein und den Schwall erster Fragen beantworten, dann soll und wird er allein mit dem Auto klar kommen. Gewisse fahrtechnische Disharmonien führen mir hautnah die Folgen meines Entschlusses vor Augen, das mir nicht mehr ganz so heilige Blech zu teilen. Zumal ich, Gott sei Dank, beruflich nicht drauf angewiesen bin, die paar Kilometer fahre ich gern mit dem Fahrrad und so steht der Wagen sowieso zuviel umher. Ganz abgeben mag ich ihn aber auch nicht, also wird dem Ding wieder einen Sinn gegeben und das Kind lernt Auto fahren.

Auch ich lerne etwas. Teilen und Vertrauen haben, das alles gut ist, wie es ist. Zu leben mit dem Risiko, das so einiges daneben gehen kann. Kann, nicht muss. Mich überwinden, Vertrauen zu schenken, so wie ich mir das auch einmal gewünscht habe, es geschenkt zu bekommen.

Fühlt sich alles in allem gut an, auch mit Bauchschmerzen.