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Un – Geduld

Zeitweise ist es für mich eine große Herausforderung, hinzunehmen, dass sich Materie und/oder Menschen nicht so schnell bewegen möchten, wie mein Geist oder gar mein Wille es erwartet. Jaja, tönt es irgendwo weiter hinten im Kopf, typisch Zwilling-Geborener, kann alles außer warten und/oder den Dingen ihre Zeit der Reife lassen. Hier stehe ich also und kann nicht anders? Das wäre wahrlich schlimm. Gott sei Dank – und ja, das meine ich genau so, schickt mir mein Schöpfer, oder meinetwegen eher weltlich formuliert, das Leben, immer wieder feine Herausforderungen zum üben, auf dass ich mein zweifelhaftes Geburtshoroskop nicht als Fixum verstehe.

Wenig geschieht wirklich überraschend, auf vieles im Leben kann man sich gut vorbereiten und ausnahmslos alles hat seine eigene Geschwindigkeit. Mein eigenes Wachstum genau so wie die Entwicklung der Dinge an meinem Arbeitsplatz, auch die Beziehungen zu meinen Mit-Menschen ändern sich immer wieder nach  ungeschriebenen Gesetzen, parallel zu meiner eigenen Entwicklung. Selbst der Tod fordert mich immer wieder auf, die Zeit bis zu seiner Stunde doch bitte mit Leben zu füllen und nicht mit Warten, er käme schon früh genug, meint er und kichert dabei leise.

Gras wächst also auch dann nicht schneller, wenn man daran zieht, jaja. So Binsenweisheiten im wahrsten Wortsinne helfen auch nicht wirklich, wenn`s kribbelt und manche göttliche Zeiteinteilung zum dreinschlagen reizt oder wenigsten mal ein wenig anstoßen. Wie also umgehen, mit diesem Gefühl, allem und jedem am liebsten mal zur gefälligen Beschleunigung einen kräftigen Tritt zu verpassen? ES findet sich, sagt ein Freund von mir gerne. Könnte aber etwas flotter gehen, denkt es dann in mir, gerade mit Blick auf manche Ungewissheiten, die zeitweise nur schwer zu ertragen sind.

Recht hat er, der Freund. Was bleibt, ist üben, möglichst ohne dabei zu platzen…

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Zwerghamster

Regelrecht vernarrt war sie, in die beiden possierlichen, kleinen Nager, so genannte Roborowski-Zwerghamster. Zwei von diesen Mini`s hatte sie in der Tierhandlung erstanden und ein alter Käfig war auch noch vorhanden. Die Sache mit der Geschlechter-Bestimmung war zunächst unklar “Das sehn`se schon, kann man nun noch nich`sagen…” hat sich auch relativ schnell aufgeklärt, mit einsetzender Geschlechts-Reife der beiden Schönen, dem Treiben nach eindeutig Männlein und Weiblein.

Bedacht hatte sie lediglich nicht, das der Käfig ursprünglich mal für die größeren Artgenossen gedacht war, mit entsprechenden Gitterstäben-Abstand. Irgendwann kam dann, was kommen sollte, ein Blick in den Käfig früh morgens und, ohje, der Herr des Hauses war abgehauen. Irgendwie hatte der sich dermaßen lang gemacht, das er zwischen die Stäbe passte und das Weite gesucht.

Nächte lang habe ich auf dem Fußboden gehockt und auf den Ausreißer gewartet, um ihn zu fangen. Ein langweiliges und letztendlich vergebliches Unterfangen, trotz öffentlich zur Schau gestellter Leckereien und viel Geduld meinerseits. Ein paar Mal hatte ich ihn sogar dicht vor mir, aber immer war der kleine Kerl schneller als ich. Wie der sich im übrigen die Zeit tot schlug, was an den Spuren auf dem Boden unschwer zu erkennen. Langsam, aber sicher fraß der sich genussvoll durch das Mobiliar, während seine Gattin überhaupt nicht auf die Idee kam, es ihm gleich zu tun und schön in ihrem Zuhause blieb.

Es war zum verzweifeln. Wirklich nichts schien zu helfen, die ersten Gedanken an einen Kammerjäger kamen uns damals schon. Bis eines Morgens der kleine Drecksack fröhlich rammelnd wieder bei seiner Liebsten zu sehen war. Einfach so, ganz ohne unser Zutun hatte der sich auf vertrautem Wege zurück in den Käfig gequetscht, die Triebe ließen grüßen. Die Aufzucht des zahllosen Nachwuchses und das weitere Familienleben fand im übrigen in mehreren, Zweck-entfremdeten Aquarien statt.

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Ein paar Dinge habe ich von der Geschichte damals gelernt. Zunächst sollten sich die Machthaber, wenn schon eingesperrt wird, des Gefängnisses nicht zu sicher sein. Dann scheint es offensichtlich so zu sein, das zumindest junge Männer für tollen Sex ihre Freiheit aufgeben und selbst gutes Essen stehen lassen. Obwohl ich da von manchen älteren Geschlechtsgenossen auch schon gegenteiliges gehört habe, von wegen Essen und Trinken sei die Erotik des Alters und so.

Das Wichtigste allerdings, und das ist auch der Grund, warum mir diese schräge Episode manchmal heute noch einfällt, ist der Umstand, das sich vieles im Leben auch ganz ohne mein Zutun selbst regelt, vorausgesetzt, ich bringe die nötige Geduld zum warten auf. Was mich heute oft genug davon abhält, da und dort Kräfte-zehrend zu intervenieren, mich einzumischen in anderer Menschen Belange. Sicherlich tut das mitunter Not, aber weiß Gott nicht so häufig, wie ich früher mal geglaubt  habe.

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