Schon ein wenig Abschied

Gestern Abend galt es ein Geburtstagsgeschenk einzulösen. Zwei Eintrittkarten für ein Zusatzkonzert der Toten Hosen, für die Liebste und für mich. Mit dabei: Das große Kind samt Kumpel – das allein schon war Klasse. Selbst hätte ich mir nie vorstellen können, mit meinem Vater gemeinsam ein Rockkonzert zu besuchen und gemeinsam Spaß zu haben.

Das Mittel der Wahl zur Anreise war die Bahn – angesichts des zu erwartenden Verkehrschaos rund um die Düsseldorfer Merkur-Arena. Wir waren schon um kurz vor vier dort, ab vier war Einlass. Gegen halb sechs starteten die Vorgruppen, zunächst Düsseldorfer Lokalmatadore, die Rogers. Für meinen Geschmack ein wenig zu trashig, dagegen waren Feine Sahne Fischfilet echt Klasse. Mecklenburg kann also auch Musik und – der Sänger fand deutliche Worte zu dem, was man hierzulande als Rechtsruck bezeichnet. Respekt ! Als letzte Vorband spielten Billy Talent, laut, schnell, hart. Nicht so ganz meins, aber besser als die Nummer eins allemal.

Während dessen füllte sich die Bude, laut Hallenbetreiber liegt die Kapazität bei 66 000, mit Innenraumnutzung. Die Halle war fast ausverkauft … für mich war es schon sehr zwiespältig. Zuletzt bei so einem großen Fest war ich vor 21 Jahren, damals noch im alten Rheinstadion. Ein reichlich chaotischer Abend war das, mit allem, was so dazu gehörte. Leider auch mit einem tragischen Unglücksfall, von dem ich erst am nächsten Tag aus der Presse erfuhr. Jetzt also fand ich nüchtern dort hin, selbst den Tabak habe ich daheim gelassen (macht zu müde), angesichts der doch nicht unerheblichen Strapazen. Anreise, warten, insgesamt 5 Stunden Musik, Abreise, davon die meiste Zeit stehend. Man wird nicht jünger …

Im Zug schon jede Menge Freaks im gleichen Zustand wie ich vor gut zwei Jahrzehnten. Arsch voll, toll und laut. Skurril für mich, aber nicht befremdlich, da immer noch vertraut. In der Arena dann ging es vergleichsweise ruhig zu, wir standen hinten ziemlich mittig auf der Tribüne, gute Sicht und sehr geile Akustik, bei offenem Hallendach stimmte auch die Luft dabei, sehr zu meiner Freude. Ein wenig überraschend war schon, wie wenig Freaks sich so wie wir damals nach allen Regeln der Kunst abschädelten. Anstelle dessen mehr Familien, so Grauköppe wir wir samt Kinder. Reichlich vertreten auch die Mitvierziger, die die Hosen in den 90ern als Teenies schätzen gelernt hatten.

Das Repertoire – gut gemischt mit alten und neuen Stücken. Hoch professionell wie die Musik auch die Bühnenschau mit riesigen Video-Wänden, auf denen sehr gut gemachte Animationen zu sehen waren. Was macht all das mit mir, nüchtern, wie ich dabei stehe? Zunächst geht auch ausgelassen und fröhlich ohne Stoff, keine ganz so neue Erkenntnis, mittlerweile. Die neueren Stücke wie Tage wie diese sind nicht so meins, mir kam das Blut eher bei manchen Klassikern in Wallung.

Hier zum Beispiel, obgleich schon nah dran, an der 60 …

- In dem Kontext beste Grüße an T.G., hab`Friede, wo immer Du auch bist. Und auch Dir herzliche Grüße, G.W., so wie gestern schon kurz anderswo geschrieben. Hätte euch gefallen, der gestrige Abend !! -

 Oder hier …

Und hier erst … Gänsehaut pur.

Ebenso Gänsehaut inbegriffen, für einen Menschen, dem der Betrug von beiden Enden her bekannt ist …

Nichts mehr außer Erinnerung dagegen brachten mir die alten Sauflieder, die natürlich nicht fehlen durften, bei einem Heimspiel der Düsseldorfer. Zu viel passiert, mit mir, in all der Zeit. Zu viel hat sich bei anderen vergewahrheitet, in Sachen bis zum bitteren Ende.

Der Schädel, das Bandlogo – heute für mich eher ein Symbol der Vergänglichkeit, angesichts der vielen Jahre. Totenkult ? Nein, eher Gedenken. Verbunden mit dem Bewusstsein, ab und zu auch mal auf Gräbern tanzen zu dürfen.

DTH_sw

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Die Fischverkäuferin

*

Der Samstag ist sein Haushaltstag, an dem alles mögliche erledigt wird, was so unter der Woche liegen bleibt. Wenn es trocken ist, fährt er dann gern mit dem Rad in die Stadt, seit wieder ein kleines Auto vor der Türe steht, ist er da ein wenig bequem geworden. Dennoch liebt er das Radfahren, man ist halt anders unterwegs, wacher, offener irgendwie.

Sein Weg führt ihn regelmäßig in einem großen Supermarkt, so ein moderner Kaufladen in XXL. Dort hat es auch eine kleine Fischtheke, gleich daneben ist eine kleine Cafeteria mit Stehtischen und ein paar Hockern. Fisch liebt er, seit er kein Fleisch mehr isst. Fast noch mehr allerdings liebt er die Magie mancher Augenblicke, die zu spüren er erst spät in seinem Leben gelernt hat. Es sind dies meist unspektakuläre Momente des Alltags, die sich irgendwie entwickeln. Oder auch nicht.

Zauber der Gegenwart.

So wie seine fast schon regelmäßigen Begegnungen mit der jungen Dame von der Fischtheke. Sie ist vielleicht irgendwo Mitte oder Ende Zwanzig, dunkle, freundliche Augen, ihre Figur eher untersetzt und ausgesprochen weiblich, seine Ahnen nannten diesen Typ Frau gerne “gut dabei”. Das mittellange, dunkle Haar ist ein wenig streng nach hinten gebunden, was ihrer Arbeit geschuldet sein mag. Obgleich ihm dieser Typ Frau schon gefällt, sind es weniger die Äußerlichkeiten, sondern eher das Strahlen, was von dieser jungen Dame ausgeht. Etwas, was vielen Menschen seiner Generation abhanden gekommen ist. Etwas Frisches strömt von ihr aus, eine absichtslose Freundlichkeit und eine Offenheit, für die man entweder sehr jung sein oder sich zumindest so fühlen muss.

Immer, wenn er also Samstags durch den Laden schlendert, schaut er, ob sie vielleicht Dienst hat. Dann kauft er Fisch, obwohl gerade möglicherweise keiner gefragt ist. Oder er lässt es, wenn sie nicht da ist, so wichtig ist der Fisch auch wieder nicht. Manchmal sitzt sie auf einem Hocker nebenan in der Cafeteria und macht Pause. So wie neulich, er kommt um`s Eck und sieht sie herzhaft gähnen. Nicht so ein verstohlenes Gähnen mit vorgehaltener Hand, sondern das ganze Programm, mit ungeahnten Einblicken. Zeichen großer Müdigkeit und er schließt auf einen recht ausgedehnten Freitag Abend ihrerseits. Da tritt er verhalten von der Seite an sie heran und spricht mit dunkler, ernster Stimme leise in ihr Ohr:

“Oh Herr, sie will mich fressen!”

Großes Hallo und Gelächter ist die Folge, das Maß an Peinlichkeit ist nicht wirklich der Rede wert. Ein flüchtiger Wortwechsel, gegenseitige beste Wünsche für das Wochenende, und er geht weiter seines Weges. Aufdringlich will er nicht sein, liebevoll vergeben ist er außerdem auch. Es geht ihm nur um die Magie des Momentes. Schon lange sitzt er nicht mehr in seinem selbst gebauten Kokon, diesen Wall aus Bewusstseins-verändernden Mitteln, der ihm die Welt einst zum vermeintlich eigenem Schutz außen vor ließ.

Er ist berührbar geworden, in jeder Hinsicht, spürt Regen und Sonne gleichermaßen. Schönheit aller Art kann ihn wieder beeindrucken und staunen lassen, wie irgendwann damals, als Kind. An guten Tagen strahlt er darum Offenheit und Ruhe aus, an weniger guten Tagen übt er sich wenigstens in Achtsamkeit sich selbst, seinen Mitmenschen und den Dingen gegenüber, wenn auch nicht immer mit dem gewünschten Erfolg.

Neulich fragt ihn die junge Dame an so einem Samstag, was er denn mache, dass er immer so gut drauf daher komme, voller Elan und Freude irgendwie. Beruflich? fragt er ein wenig unsicher, und nachdem sie nickt, verrät er ihr sein Tagewerk als Industrieschauspieler in einer großen Fabrik. Ach, und das macht Ihnen so viel Freude, meint sie amüsiert. Nein, antwortet er, er sei nun in dem Augenblick genau so, weil sie so sei.

Spieglein, Spieglein, denkt er, während er kurz darauf sein Fahrrad packt und heiterer Stimmung heim fährt.

*

 

 

Angefühlt

Nur das leise Rauschen der Therme ist zu hören, im Duo mit dem Ticken der Wanduhr. Küchenimpressionen, heute ohne die sonst übliche Radio-Berieselung. Gerade komme ich aus dem Bad, unser Vermieter hat dieser Tage am Waschbecken eine neue Mischbatterie einbauen lassen, die alte ging, verkalkt, wie sie war, sehr schwer. Bei der Gelegenheit wurde auch gleich der Durchlauferhitzer getauscht, der altersschwach vor sich hin tröpfelte.

Es ist noch ein wenig fremd, wie sich die neue Mischbatterie anfühlt. Kalt-Warm, und zwei Stufen Wasserdurchfluss, ein smarter Hebel, das ist wohl Standard heute. Funktion, Optik, Akustik, und – Haptik. Wie sich etwas anfühlt. In der Autoindustrie werden Unsummen in die Entwicklung gewisser Materialien gesteckt, die sich ansprechend anfühlen. Gemeinsam mit dem Umstand, das Auto fahren leider keine reine Kopfsache, sondern schwerst emotional aufgeladen ist, werden weitere Unsummen mit dem Ergebnis dieser Entwicklung verdient.

Auch ich bin so ein Mensch, dessen Wahrnehmungszentrum eindeutig das Gefühl ist, allem Ratio zum Trotze. Alles mögliche fasse ich an, um zu fühlen, was oder wie es ist. Eine klemmende Türe wird solcher Art ob ihrer klemmenden Stelle analysiert, ebenso ein Maschinenlauf durch Hand-auflegen und spüren der Vibrationen überwacht. Verschiedenartige Kunststoffe kann ich so unterscheiden, ebenso unsere beiden Kater, unabhängig vom Körperbau der beiden.

Auch Menschen fühlen sich an. Lange konnte ich nur mit Überwindung jemanden in den Arm nehmen, das hat sich Gott sei Dank im Laufe der Zeit gewandelt. Menschen, die mir in irgend einer Weise nahe stehen. Auch der Geruch spielt ein große Rolle. So wurde mir zum Beispiel glaubhaft überliefert, dass meine erste Grundschullehrerin nur auf Grund dessen einen guten Zugang zu mir hatte, weil sie gut roch.

Es ist schon irgendwie irre, wie sehr wir in unserem ach so aufgeklärten Zeitalter immer noch über die uralten Erbgüter unserer Evolution durch`s Leben geführt werden. Gerade Politik wird mit viel Gefühl gemacht, auch, wenn man uns unsere gewählten Vertreter gerne als Sachverständige präsentiert. Das mögen oder sollten sie auch sein, oder sich zumindest dorthin entwickeln. Spielt aber offensichtlich eine zunehmend untergeordnete Rolle, wo welche Talente schlummern. Manch einer wurde ohne einem großen Spektrum an Talenten sogar Staatspräsident… Es reicht den meisten also, berührt zu werden, wie auch immer.

Politik – da wollte ich nicht hin, jetzt, lässt sich aber auch nicht vermeiden, in dem Zusammenhang. Wie auch immer, mein Mittel der Wahl zur Orientierung bleibt das Gefühl, die Intuition, wie immer man das nennen mag. Nichts besonderes? Ich kann versichern, doch. Für mich zumindest, als ein Mensch, der Jahrzehnte Mittel eingesetzt hat, auch, um eben nichts oder zumindest weniger zu fühlen.

Sag`s mit Musik …
Achtung, Geschmackssache :)

*

 

 

 

Sinn ?

Oft werde ich daran erinnert – im Freundes- und Bekanntenkreis, oder seien es Beiträge beim blauen Buch oder die meiner Kontakte bei der Wupperpostille. Erfahrungen und Gefühle von Menschen, die irgendwann aus ihrem alten Leben herausgerissen wurden und fortan mit  dauerhaften Erkrankungen klar kommen müssen. Mich machen solche Lebensgeschichten sehr nachdenklich, bin ich doch ein Mensch, der sich zumindest die meiste Zeit in seinem Leben auch durch Leistung definiert hat, zumindest sich gekümmert hat, um die Seinen.

Welchen Sinn mache ich, wenn ich keinen Sinn mehr mache?

Klingt banal, oder ? Natürlich machst Du einen Sinn, tönt es in mir, bist doch ein spirituell suchender und auch ein gläubiger Mensch. Schon so lange auf dem Weg und stellst dir diese Frage immer noch?  Offensichtlich ist das noch nicht gelöst, in mir. Zumindest nicht wirklich. Sich verantwortlich fühlen – das übliche, machen Millionen andere auf ihre Weise ebenso. Kinder, Eltern, enge Freunde. Vielleicht geht mir dieses an sich so selbstverständliche Thema so nahe, weil es eine doch recht lange Zeit gab, in der ich eben nicht verantwortlich war, Für mich nicht und für andere schon gar nicht. Weil mein nicht-verantwortlich-sein-können auch Ursache für die Lebensschwierigkeiten anderer Menschen heute war. Ursache, nicht Schuld. Schuldig wäre ich, hätte ich gegen besseren Wissens so gelebt (Achtung, dies ist wahrscheinlich der leicht ersichtliche Versuch, mir selbst Absolution erteilen zu wollen) Wie auch immer, gefühlt geht mir alles, was Verantwortung anbelangt, immer noch recht nahe.

Eigenverantwortung.

Lebe ich, denke ich zumindest. Achte meinen Körper, nehme mir Zeit für ihn und schenke ihm Aufmerksamkeit, wenn es nicht so will, wie ich es gerne hätte. Meistens jedenfalls. Meine seelische (Für-)Sorge sieht beim näheren Hinsehen nicht ganz so gut aus. Engagement in Sachen Selbsthilfe, mal mit mehr, mal mit weniger Überzeugung, aber schon von Herzen. Andererseits bereiten mir manche Grenzen immer noch Schwierigkeiten. Erschöpfung nehme ich oft erst kurz vor 12 wahr, meist sind dann schon erste Symptome wie zum Beispiel Kopfweh oder dergleichen am Start. Psychische Hygiene allgemein ist immer wieder ein Thema, gerade in meinem mittlerweile nicht mehr ganz so heiß geliebten beruflichen Umfeld. Wobei die Menschen größtenteils austauschbar sind, ihre Namen, ihre Statur, ihre Gesichter sind beliebig, die dahinter stehenden Prinzipien und Herausforderungen für mich sind es nicht.

Seelische Hygiene ist stets gefragt – dazu braucht es Zeiten des Rückzuges, der Ruhe. Was ist so genannte Realität, welcher Teil davon macht Aktion meinerseits erforderlich? Zahlen veranschaulichen, geschätzte 80 % aller Objekte meiner Aufmerksamkeit sind nur in meinem Kopf, gesellen sich dort zum König der Übertreiber, dem alles-bis-in`s-Aschgraue Ausmaler, Gemeinsam spielen sie Theater, vorzugsweise Dramen aller Art. Bis sie merken, dass niemand applaudiert, zumindest nicht von Herzen. Dann kichert der Vorführer leise, die Vorstellung bricht ab, das nicht vorhandene Publikum muss ohne Autogramm heimfahren und wenn der Vorhang gefallen ist, wird es wieder ruhiger im großen Saal.

Heute ist übrigens Sonntag. Im Hinterkopf schwirrt so etwas wie Essen machen und Zeug für Morgen vorbereiten umher. Ich lasse es schwirren, verschiebe all dies auf die dunklen Tagesstunden und beschließe, an die Sonne zu gehen.

Das macht Sinn, jetzt.

 

*

 

 

Der Plan

Schwitzend wälzt er sich auf seinem Nachtlager umher, ein Blick auf die Uhr verrät, dass es in eineinhalb Stunden Zeit ist aufzustehen. Es ist nicht nur die sommerliche Tropennacht, die ihn schlaflos macht. Die Geister, die ihn des Nachts besuchen, in seinen Träumen, tun ihr übriges.

Pflicht. Es gab mal einen Roman, da sollte einer einen Schulaufsatz schreiben, über die Freuden der Pflicht. Der Junge gab seinerzeit ein leeres Blatt ab, weil er nicht wusste, wo er beginnen sollte und kassierte seine ungenügende Note dafür. Der Schlaflose dagegen weiß heute seine Gedanken zu sortieren, was ihm allerdings auch nur begrenzt weiter hilft.

Die Arbeit – der größte Teil dessen, was man gemeinhin als Pflicht ansieht. Er hat seine Arbeit nie geliebt, allerdings schon in großen Teilen gerne gemacht, zu seiner Zufriedenheit und offensichtlich auch zu der seines Arbeitgebers, sonst wäre er nicht schon so lange in dem Unternehmen. Was ihm mehr zusetzt als die Arbeit selbst, ist das erkennen seiner eigenen Untiefen, mit den Jahren. All die Ängste, die er ausgestanden hat. Vieles hat sich aufgelöst, anderes lediglich transformiert, was an sich nicht schlecht sein muss. Geblieben ist ihm die Erkenntnis, das sein Leben ganz offensichtlich irgend einem seltsamen Plan folgt, geschrieben von einem, der es nach Lage der Dinge recht gut mit ihm meinte, bis dahin.

Hoffnung. Die hat er nie aufgegeben. Dass sich unter anderen dieser Zorn, der in dieser Zeit sein Herz so oft erfüllt, auch eines Tages legen wird. Wut auf die tägliche Tretmühle, die ihn manchmal zu ersticken droht. Zorn, der an die Stelle der Angst getreten ist, die ihn so lange gefangen hielt. Zorn auf diesen unerbittlichen Konkurrenzkampf, der nichts mehr mit dem gemeinsamen Jagen und Sammeln aus seiner Vorstellung von einst zu tun hat.

Frieden gibt es, das spürt er in manchen stillen Augenblicken, wenn gerade einmal wirklich nichts zu tun ist. Die frühen Morgenstunden, die er so liebt, weil die Stadt dann noch still ist, wenn die meisten Menschen schlafen. Die Besinnung, bevor für ihn der Tag beginnt. Versöhnung mit dem Weg, der für ihn in großen Teilen aus Überwindung bestand. Überwindung seiner selbst und mehr als einer Kapitulation aus vermeintlich verlorenen Schlachten.

Sein Berufsleben befindet sich im Endspurt, sozusagen. Alles scheint auf eine bestimmte Zeit hinaus zu laufen. Das Ende seiner Erwerbstätigkeit fällt, so scheint es, einerseits mit der Selbstständigkeit seines Kindes zusammen und andererseits ganz offensichtlich mit dem Lebensende seiner greisen Eltern. Nichts besonderes also, denkt er, auch viele andere seiner Generation sitzen auf diese Weise zwischen Baum und Borke, dort, wo es manchmal recht eng und ungemütlich werden kann.

In ein paar Jahren kann er also heraus aus dem Job und etwas anderes tun, was er idealer Weise von Herzen gerne tun kann. So ganz klar ist das noch nicht, weil es eben noch nicht wirklich ansteht. Nach Lage der Dinge brauchen die Eltern irgendwann eine Form von Unterstützung und/oder Unterbringung, die sehr viel Geld kosten kann. Der Staat? Der wird seine Frau mit rupfen, wenn er nicht zahlen kann und das ist das letzte, was er möchte. Also Augen auf und durch, jeden Tag auf`s Neue.

Seine Schlussfolgerungen erschrecken ihn beizeiten und er fragt sich öfter, ob man solcher Art berechnend auf das Lebensende seiner Erzeuger blicken darf. Sie sind ihm nicht gleichgültig, er möchte schon, dass sie es so gut wie möglich haben, in ihrer täglichen Fristverlängerung. Grenzbereiche, wie so oft in seinem Leben. Abschiede kennt er, ebenso dieses lebenslange Gefühl, im Grunde allein da zu stehen. Was so heute nicht mehr stimmt, wie er weiß. Allein das Gefühl will nicht wirklich weichen, es hat bei ihm schon immer etwas länger gedauert, der Weg vom Kopf in`s Herz kann sehr lang sein.

So reiht sich Tag an Tag, Dankbarkeit wechselt manches Mal den Zorn ab, der seinerseits leider immer noch die Angst ablöst. Er weiß, dass das größte Kunststück der nächsten Zeit darin bestehen wird, selbst einigermaßen gesund zu bleiben. So, wie ihm klar ist, dass Gott nicht würfelt und erst recht nicht mit sich handeln lässt.

Fortsetzung folgt, vielleicht.

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5

Dieser Tage feiert der Wassertiger seinen ersten runden Geburtstag – 5 Jahre gibt es ihn schon. Entstanden aus Frust über eine damalige Blogger-Plattform, oder besser, über deren langsamen und qualvollen Tod. So, jetzt mach`s`et selbst. Die Geburt verlief glimpflich und natürlich auch ein wenig abenteuerlich – wer sich selbst hostet, muss sich natürlich um Belange kümmern, die sonst die Plattformen übernehmen. Was mal stressig ist und mal lehrreich, aber niemals langweilig ;)

So Zahlen – was sagt die Statistik? Bis dahin gab es ungefähr 67.000 Besucher, bei derzeit im Mittel rund 60 Besuchen am Tag. Davon waren und sind grob geschätzt die Hälfte Bots, die Einlass begehren, zwecks vermuteter dunkler Machenschaften. Realität im Netz eben.

Da bleiben immer noch ein Menge Menschen, die von den Suchmaschinen hierher gefunden haben – wobei manche Suchwörter mich mehr als einmal haben grinsen lassen. Dann gibt es eine auch recht stattliche Zahl derer, die mehr oder weniger regelmäßig hier gezielt reinschauen, sei es, weil sie vom Email-Abo geschubst werden oder von meiner Verlinkerei bei der Wupperpostille. Und ja, dort bin ich ebenso heimisch, weil eben niemand eine Insel ist, auch, wenn es sich dann und wann mal so anfühlt. Was für mich kein Widerspruch zu meiner grundsätzlichen Skepsis den großen Plattformen gegenüber darstellt. Und am Ende gibt es noch so knapp ein Dutzend ganz beharrlicher Leser-Innen, die hier regelmäßig kommentieren, was mich besonders freut.

Zeit, euch

Danke

zu sagen.

 Natürlich ist so ein Geburtstag auch Anlass, mal darüber nachzudenken, was ich hier eigentlich tue und ob das noch irgendwie vor mir selbst Bestand hat. Mal berichte ich, mal erzähle ich, mal übertreibe ich, mal freue ich über des Lebens heiterer List. Die Themen oder Lebensbereiche sind oft autobiographisch gefärbt, Mal schreibe ich selten, mal öfter, mal ernsthaft, mal stehe ich eher auf dem Rummel und jongliere mit Worten, um mich daran zu entzücken und euch zu unterhalten. Eitle Selbstdarstellerei? ja, manchmal auch das. Schwerer wiegt mir allerdings der Spiegel meiner selbst, wenn ich ab und zu alte Beiträge lese und mich frage, ob  und wenn in welcher Form ich mich von damals bis heute verändert haben mag. Manchmal kommen natürlich Zweifel, wie lange der Wassertiger wohl noch Bestand haben mag. Man wird sehen.

Erst einmal gibt es etwas zu feiern

Gut ist.

*

 

 

Höre alten Leuten zu …

Der Titel stammt aus meinem Lieblingsgedicht von Joseph Beuys, “Lass`dich fallen” oder auch “How to be an Artist”. Bei alten Frauen ist mir das meist recht leicht gefallen, viele von ihnen plaudern gerne, bei Gelegenheit. Ältere Männer sind anders. Die sind mehr für sich, glaube ich, in ihrer Welt aus reichlich Vergangenheit, der Gegenwart, und der sehr überschaubaren Zukunft.

Ausnahmen bestätigen das wohltuend, so wie heute Nachmittag. Getrieben von dem Wunsch, noch wenigstens ein Stündchen an die Luft zu kommen, in der Hoffnung, mein Kopfweh loszuwerden, fuhr ich bis zum alten Bahnhof Loh, an unserer Nordbahntrasse nebenan. Da saß er, mit schneeweißem Haar allein auf einer Bank unter dem alten Bahnsteigdach, schön im Schatten. Mit meiner hellen Haut liebe ich die Sonne auch nur begrenzt, also nehme ich neben ihm Platz.

Das Wetter – damit kommt man jetzt gerade immer in`s Gespräch. Toller Sommer, die armen Bauern, das wenige Getreide, aber das viele Obst. Was man alles heute gesund finden solle und wer da was von hätte. Früher war alles anders – eine Aussage, die ich mittlerweile nicht mehr spöttisch belächle, weil auch ich heute etwas von “früher” erzählen kann, wenn auch nicht so viel.

Die vielen fremden Menschen hier im Land – wäre nicht gut. Flucht kennt er, bei Kriegsende war er gerade vier Jahre jung und mit seiner Mutter von Oberschlesien über Regensburg hier her gekommen. Dort in Regensburg trafen die beiden den Vater, frisch aus der Kriegsgefangenschaft. Ohne Internet und Telefon, so richtig mit Fügung, wie er sagt. Da hat jemand geguckt, für uns ...Er ist im übrigen etwas fassungslos, das jeder Flüchtling ein Mobilphon hat, wie das sein könne. Mein Einwand, das diese Dinger ja halt die einzige Verbindung zur Heimat seien, und somit teils wichtiger als ein paar Schuhe, nimmt er schweigend hin.

Er erzählt von seiner Flucht, von den Russen. Den schlimmsten Fehler, sagt er, den man machen konnte, war, die Haustür abzuschließen, wenn sie kamen. Dann wurden sie wild, wie er sagt, und brachten alle um, die sie vorfanden. Verstehen Sie das, fragt er mich und blickt mich durchdringend an. Ich nicke stumm. Seine Mutter wusste das und riss darum Türen und Fenster auf, wenn sie kamen. Er wurde von den Soldaten stets misstrauisch beäugt, der kleine blonde Junge. Germanski, sagten sie, aber nicht feindselig. Der Offizier schlief dann auf dem Bett, mit Stiefeln an den Füßen. Er solle sie ruhig ausziehen, sagt die Mutter irgendwann zu ihm, worauf ihr eindringlich klar gemacht wurde, dass man jederzeit mit den Deutschen rechnete … es stirbt sich halt schneller, auf Socken.

Wir erzählen eine Menge, sitzen bestimmt eine gefühlte Stunde zusammen, während der Wind unter dem Bahnhofsdach etwas frösteln lässt. Ich erzähle von meinen Eltern, die hier in der Stadt aufgewachsen sind. Drei Generationen, sage ich, braucht es, um wieder mit der Welt klar zukommen, nach solchen Kriegen. Das mein großes Kind der erste in unserer Familie ist, der emotional nichts mehr damit zu tun hat.

Der alte Mann erzählt von seiner längst erwachsenen Tochter, die in England studierte. Die EU heute, die Reisefreiheit, die Politik, Assimilation, (er nennt es nicht so, meint aber das gleiche), der Seehofer – der im übrigen ja nicht so ganz unrecht hätte, mit dem, was er sagen täte. Die AfD und ihre potentielle Mehrheitsfähigkeit in der Gesellschaft, die Brüder im Geiste bei der FDP, was die Wirtschaftspolitik anginge, und so weiter.

Eh wir uns versahen, waren wir bei Hitler und Göbbels. Er wäre fassungslos, das die Menschen die zwei damals so verehrten, dat waren doch zwei ausgesprochen schäbbige Kerle, meint er, während ich sinniere, dass Dämonen keinem Schönheitsideal entsprechen müssen. Überhaupt, die Äußerlichkeiten sind sein Thema. Die von der Linken da, das wäre ja `ne Granate, und der Oskar wäre ein echter Glückspilz – wir lachen beide herzhaft, auch wenn er der Meinung ist, dass die Wagenknecht ja in der falschen Partei wäre. Das will ich nicht weiter vertiefen, obgleich es schon eine Erörterung wert gewesen wäre, die Frage nach der richtigen Partei, So langsam drängt auch die Zeit zum Aufbruch.

Wir verabschieden uns, mir gefällt sein kräftiger Händedruck. Vielleicht sieht man sich wieder hier, sagt er und keiner fragt den anderen nach den Namen. Irgendwie unwichtig.

Begegnungen die ich mag, denke ich, und fahre entspannt heim.

*

 

 

Digitale Kupferstecher

Sie wurden stets misstrauisch beäugt, von der ehrenwerten Gesellschaft. Die Kupferstecher, galten sie doch bei allen Respekt vor ihren handwerklichen Fähigkeiten als verschlagene Nachmacher fremden geistigen Eigentums. Stets mit so einem halbseidenen Ruf behaftet, da man sich nie sicher sein konnte, ob sie ihr Geschick nicht beispielsweise zum Druck von Falschgeld missbrauchten. Mein Freund und Kupferstecher – diese halb scherzhafte Anrede ist uns bis heute erhalten geblieben, als Ausdruck der Wertschätzung eines ein wenig verschlagenen Bündnisses.

Die moderne Variante dieser historischen Künstler bedient sich an dem Stand der Technik von heute, dem 3D-Druck, der für viele erschwinglich geworden ist. Der Filmbericht aus dem fernen Kenia hier dreht sich um das Thema Ersatzteilbeschaffung für längst aus dem Handel verschwundene Haushaltsgeräte, bei denen der Zahn der Zeit zu irgendeinem Bruch geführt hat, Stichwort geplante Obsoleszenz. Ärgerlich gerade dann, wenn der „Rest“ der Technik an und für sich noch einen soliden Eindruck macht. In grauer Vorzeit gab es auch hierzulande Handwerker, die nicht nur Teile tauschen konnten, sondern sogar reparierten. Wenn allerdings der Geiz so geil ist, dass der Gesamtwert eines Gerätes gerade einmal einen halben Handwerksstundenlohn ausmacht, ist der Tod der heimischen Handwerkskunst vorprogrammiert.

In Afrika geht die Zeit anders. Beim dortigen Lohnniveau lohnt sich das reparieren noch, was zu echter Kreativität führen kann. Der 3D-Druck ist ja mittlerweile keine neuzeitliche Erfindung mehr, interessant ist vielmehr die Software, mit deren Hilfe Volumenmodelle oder ähnliche, verwertbare 3D-Geometrien erstellt werden können, ohne die kein Drucker weiß, was er tun soll. Überall dort, wo Festigkeit nicht die Hauptrolle spielt ( das „gedruckte“ Gebilde ist meist weniger fest als das Original), bietet sich der 3D-Druck an. Wären da nicht diese ganzen rechtlichen Aspekte, aber Afrika ist weit weg, selbst der lange Arm der deutschen Patentrechtsanwälte dürfte nicht bis zum schwarzen Kontinent reichen, zumal kein großer Reichtum lockt, vor Gericht.

Bei aller moderner Technik ist stets auch ein wenig kreatives basteln gefragt. Digitales basteln sozusagen. Mir ist das sehr vertraut, ist es doch seit langen schon fester Bestandteil meines Berufes als Werkzeugmacher. So wie damals, in der düsteren Solinger Hinterhofwerkstatt, als irgendwer Verzweifeltes aus einer benachbarten Klitsche gleicher Größe mit einer Handvoll Trümmer, die mal einen Schnittstempel oder den Teil einer Fertigungsanlage bildeten, vor mir stand. Der Fußboden glänzte von den vielen Tränen, derweil die Produktion stand.

Natürlich gab es von dem zerschossenen Teil weder eine Zeichnung oder gar Datensätze, die kamen erst ein wenig später in Mode. Damals wie heute dagegen ging es mit Messschieber, Radien- und Winkellehren und auch schon digitaler Tasttechnik auf den Werkzeugmaschinen zur Sache, um aus einer Handvoll Schrott mit der Hilfe geometrischer Grundkenntnisse verwertbare Geometrieketten aus Punkten, Linien und Kreisen zu machen. Skizzen waren dabei stets  hilfreich, sei es wie in grauer Vorzeit mit einem Stück Kreide auf einem Öl-verschmierten Werkstattboden oder auf der Rückseite von ausgedienten Kalenderblättern.

Heute wird natürlich hauptsächlich digital gezeichnet, gewerblich auf leistungsfähigen CADCAM-Systemen und privat eher auf den wesentlich kostengünstigeren Versionen für daheim. Das Prinzip ist seit je her gleich geblieben, nur die Handwerkskunst hat sich mit den Jahren gewandelt. Mir hat diese Art zu arbeiten stets Freude gemacht, regt sie doch den Geist an, auch mit Blick auf mögliche konstruktive Verbesserungen, um den nächsten Bruch möglicherweise vorzubeugen.

Handwerk eben, damals wie heute.

PS:

Das hier ist übrigens das digitale Abbild meines rechten Innenohres, entstanden für die Fertigung eines angepassten Gehörschutzes, einer so genannten Otoplastik. Vorlage war ein Wachsabdruck meiner Gehörgänge – bis vor nicht all zu langer Zeit wurden auf Grundlage dieser Abdrücke kleine Gießformen erstellt, heute geschieht die Herstellung nicht mehr mit Gießformen, sondern mit Hilfe von Scannern, STL-Dateien und schlussendlich eben 3D-Druckern.

ohr

Hat etwas, oder ?

Theoretisch könnte ich jetzt meine Innenohren oder besser gesagt, das Nichts namens Gehörgang mit dem Ohr drum herum – unbegrenzt vervielfältigen – wodurch ich aber leider auch nicht besser hören täte …

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Von Fröschen, Märchen und anderen Irrtümern

Sehr früh am Morgen wache ich auf und bleibe erst einmal liegen, um niemanden zu stören, an so einem feinen Pfingstsonntag. Schlafen geht nicht mehr, also nehme ich mir das Tablet und schaue mich in der Mediathek um. New Orleans … eine Doku über diese vor 12 Jahren vom Wasser so geschundene Stadt, deren Bewohner sich nicht unterkriegen lassen, von den Naturgewalten. Gelebte Gelassenheit allerorten.

Das Reporter-Team begleitet verschiedene Menschen, die am und teils auch vom Wasser des riesigen Mississippi-Deltas leben (Der Fluss wird tatsächlich mit 4 “S” geschrieben…) Einer der Protagonisten hat so ein Propeller-Boot, mit dem er Touri`s durch das Delta führt. Ganz nebenbei hat er seinem Sohn, der mit dabei ist, beigebracht, wie man die riesigen Frösche dort fängt. Das brachte ihm einst ein Taschengeld, wie andere eben Zeitungen verkaufen.

Mich beeindruckt die schiere Größe der bedauernswerten Frösche, die solcher Art gefangen in der Fritteuse des Gastgebers gelangen, und ich erzähle der Liebsten davon. Sie meint, das wären bestimmt Bufo-Frösche, aber diese sehen doch anders aus als jene in der Doku, wie ich finde. Jedenfalls bleibt es irgendwie beim Thema Frösche und wir schauen so einige Bilder von Kröten, Fröschen und dergleichen. Sehr interessant, was sich da alles tummelt.

Unser Thema bleibt bei den Bufo-Fröschen hängen, derweil diese ein spannendes Hautsekret absondern, das, wie soll es auch anderes sein, psychoaktiv ist. Dann, mit einem Mal, beginne ich die Welt etwas besser zu verstehen. Es gibt sie, diese kleinen, beinahe heiligen Momente der Offenbarung, oh ja. SO und nicht anders kam es also einst zum allseits bekannten Märchen vom Froschkönig ! Die alte Mär, man (oder besser Frau) müsse so manche Kröte nur innig genug küssen, beruht auf der feinen Wirkung von einem Hautsekret !

Also, liebe Frauen, falls es sich nicht schon herumgesprochen haben sollte oder, wie so oft durch gelebte Erfahrung widerlegt worden ist, es bringt nicht wirklich etwas, einen Frosch zu küssen. Außer eben Bufo-Frösche – da kann es tatsächlich sein, sollte man so ein Exemplar nach ausgiebigen küssen an die Wand werfen, es sich wirklich bildhaft in einem tollen Prinzen verwandelt.

Aber Achtung, jeder Rausch ist nur auf Zeit – aber wem sage ich das …

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Deutschsprachiges Ländertreffen der AA

Koblenz war sozusagen ausgebucht, bis auf wenige extrem teure Hotelzimmer. Also haben wir uns zu sieben Freunden aus unserer Gruppe zwei kleine Wohnungen angemietet. Hoch oben im Ferienpark Oberlahnstein, ein Hochhaus, und dort die achte Etage. Für mich war es ein Wagnis, als ein nach eigener Einschätzung ein wenig eigenbrötlerischer Höhlenbewohner, das dichte zusammenleben mit drei anderen Menschen, die mir zwar über viele Jahre schon vertraut sind – seine ganz persönlichen Eigenheiten kennt man ja doch nur andeutungsweise. Wie sich herausstellte, ging mir das nicht allein so, aber am Ende waren wir uns einig, gerne noch einmal in dieser Konstellation zu verreisen, sollte sich die Gelegenheit bieten.

Die Tage waren gefüllt mit zeitigem aufstehen und bewegenden Meeting-Besuchen. Dazwischen haben wir uns genügend Zeit genommen, das Gehörte setzen zu lassen und auch ein wenig von Koblenz zu sehen. Das muss trotz des großen und sehr interessanten Angebotes an themenbezogenen Meetings sein, weil sonst die vielen Eindrücke einfach nicht mehr verarbeitet werden können. Es war bewegend – bis zu diesem unbeschreiblichen Gefühl beim Abschlussmeeting, gemeinsam mit gut 3000 Menschen das Gelassenheitsgebet  zu sprechen.

So ein verlängertes Wochenende gibt mir schon neuen Anschub für meine Gruppenbesuche und auch für die freiwilligen, kleinen Dienste dort. In den Gruppen finde ich meine Basis, die Trocken- bzw. Nüchternheit, ohne die ich vermutlich nicht mehr leben würde und falls doch, nicht die geringste Chance hätte, irgend etwas verändern zu dürfen, mit mir. Zumindest nicht zum Guten hin.

Hier noch ein paar Bilder von gestern Morgen, aufgenommen innerhalb vielleicht einer Stunde. Man kann dort oben nicht nur kommende Wetterwechsel sehr schön sehen, man ist sozusagen schnell auch Teil davon – manchmal mitten in einer Wolke.

Noch keine halb sechs Uhr in der Frühe.

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Dann so im Viertelstunden-Takt …

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Der Regen kommt …

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… und die Wolken …

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… um kurz darauf wieder den Blick freizugeben.

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Ach ja – meine Büchse mit ausgezeichnetem grünen Tee habe ich leider vergessen. Bleibt zu wünschen, dass die jemand findet, der solcherart auch zu schätzen weiß :)

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