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Per Rad von Wuppertal nach Düsseldorf

Die ersten etwas wärmeren Sonnenstrahlen des Jahres locken und ich beschließe, mit meinem frisch instandgesetzten MTB Richtung Düsseldorf zu fahren. Ziel soll sein der Hauptbahnhof, eine größere Runde am Rhein entlang muss leider aus Zeitgründen ausfallen, derweil ich erst nach Mittag starte.

Daheim schaue ich mir sehr grob die Richtung an. Der Weg soll zunächst über die Nordbahntrasse über den Abzweig Lüntenbeck zur Bahnstraße in Vohwinkel führen, gleich gegenüber der Einmündung dann über Feld- Wald- und Wiesenwege weiter Richtung Schöller, südlich an Mettmann vorbei dann über Erkrath nach Düsseldorf.

Wuppertal-Düsseldorf_170312Ansicht und Download des Tracks
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Da für mich bekanntes Terrain in Vohwinkel endet, lasse ich mich vom Navi im Luftlinienmodus lotsen und entscheide so an jeder Kreuzung selbst die Richtung. Daher stammen auf dem Track auch die einen oder anderen Haken und Ösen, die sicherlich nicht nachfahrenswert sind. Ebenso wenig die etwas ungeschickte Querung eines Golfplatzes, die leicht vermeidbar gewesen wäre :)

Hätte, wäre, – war es aber nicht. Dafür ist es unterhaltsam, von einer Gruppe ältlichen Pseudo-Sportlerinnen wüst beschimpft zu werden. Die Contenance wahrend entgegne ich lediglich, eine Kirche aufsuchen zu wollen, falls ich eine Predigt zu hören wünsche und verkneife mir Äußerungen über den Zustand bestimmter Löcher, die nicht Teil des Golfplatzes sind.

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So geht das kleine sonntägliche Abenteuer weiter. Bis zum Neandertal freue ich mich über abgeschiedene Feldwege, matschige Waldpfade, verwunschene Täler und den sehr sonnigen Abschnitten der weiten Felder. Der nahe Kalk-Abbau nötigt mich ein um`s andere Mal, ein Abbaugebiet oder eine Halde zu umfahren, beim Wege finden verlasse ich mich auf meine Augen, dem Luftlinienbalken im Navi und auf dem Sonnenstand. Nebenbei bin ich noch begeistert über die Nehmerqualitäten der neuen Reifen (Marathon-Plus-Tour, 47559), die sowohl in dem leichten Gelände als auch auf der Straße eine sehr gute Figur machen.

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Ab dem Neandertal-Museum folge ich dann wie geplant den Straßen und angrenzenden Radwegen und erreiche so über Erkrath und Düsseldorf-Gerresheim schlussendlich den Bahnhof. Eine schöne Runde geht zu Ende, die Regiobahn bringt mich in 20 Minuten wieder in`s Tal der Wupper zurück.

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Nachts

Der große Saal in dem ehemaligen Filmstudio ist mit einem schwarzen Vorhang ein wenig reduziert und allmählich wird es voller. Bunt gemischtes Publikum, in der Mehrzahl so um die 40 vielleicht, aber auch einige in unserem Alter und einige jüngere. Hier ein Punk, dem man sein Leben wie auf einer alten Landkarte im Gesicht ablesen kann, dort ein headbangender Metal-Freak. Tattoos allerorten, stilistisch kann man in dem Laden nichts falsch machen, was meiner mit mir in Würde gealterten Garderobe sehr entgegen kommt. Selten sind solche Ausflüge geworden, derweil sie meist im Tageslicht münden, mit Auswirkungen auf den Folgetag. Was uns jetzt nicht groß kümmert, Regen ist versprochen und da gibt es dann Ruhe genug.

Die Musik ist laut und sagenhaft bass-lastig im Bauch zu spüren. Selten mal ein Ausrutscher in`s poppige, meist bleibt es schnell und hart. Hier und da dringen Gesprächsfetzen durch die laute Musik, Mimik spricht für sich. Gerüche vermischen sich zu einer Wand aus Ausdünstungen aller Art. Früher kam noch Tabakrauch dazu, das ist dank der verbreiteten Militanz der Nichtraucher vorbei. Dafür wird draußen im Biergarten kräftig gequalmt und ein etwas genauerer Blick offenbart in dunklen, regennassen Ecken Männlein und Weiblein, die gut mit sich selbst beschäftigt sind.

Wieder stehe ich mit der Liebsten und Freunden in der Wand aus Musik und Sinnlichkeit. Nur umher stehen macht Rücken- und Knie-Probleme auf die Dauer und so lassen wir uns treiben vom Sound, kommen in Bewegung, was sich ausgesprochen gut anfühlt. Gedanken aller Art treten für den Moment zurück, machen Platz für den gewaltigen Bass im Bauch.

Am frühen Morgen trennen sich unsere Wege wieder daheim im Tal der Wupper. Bis zum nächsten mal, dann wieder ruhiger vielleicht. Dort hin kann man ja immer mal wieder, es wird wohl weiter gehen im ZAKK, den jeweils ersten Samstag im Monat dann etwas schneller als üblich.

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Japan-Tag 2014

Düsseldorf hat die bedeutendste japanische Gemeinde in Europa und gestern war der alljährliche Japan-Tag. Wir sind leider erst abends angekommen, so verpassen wir die hörens- und sehenswerten Trommler und Bogenschützen. Dafür aber war die Stadt voll von Tausenden Manga- und Anime-Fan`s, Cos-Player in Phantasie-reichen Verkleidungen. Ab und zu waren auch richtige Japaner zu sehen, die in der bunten Schar allerdings ein wenig verloren wirkten.

Jedenfalls eine gute Gelegenheit für einige Bilder, die für sich selbst sprechen.

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Die Promenaden, gut besucht…

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Schatten-Spiele…

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Hier haben wir den Besuch ausklingen lassen, im Sinne des Wortes. Das Feuerwerk, obwohl wirklich sehenswert, war uns zu spät. Sitzen, verweilen, zuhören, mit schwingen und Leute angucken. Der Kerl mit der Klampfe war toll, leise, aber sehr gefühlvoll. Eine schöne Krönung für den Tag.

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Auf dem Schiff

Seit längeren gibt es eine Einladung zu einem doppelten Geburtstag. Der Liebsten Arbeitskollegin samt ihrer Schwester wollen gemeinsam feiern, die eine nach- und die andere hinein in den heutigen Sonntag. Wir sind gemeinsam eingeladen, zum Canoo am Düsseldorfer Rheinufer. Die Liebste ist dicke mit ihrer Kollegin und weil es meist so ist, das ich ihre Freunde auch gut leiden kann, freuen wir uns gemeinsam auf den Abend.

Nach ein paar Ehrenrunden durch die Stadt, der Navi bleibt natürlich daheim – Düsseldorf ist ja sozusagen Nachbargemeinde, erreichen wir den Parkplatz direkt neben dem Schiff am Rhein. Es ist eine Motto-Party, “Bad Hair” , aha. Die Liebste hat es leicht, dem mit ihrer Mähne gerecht zu werden und mein kaum mehr vorhandenes Hair ist so bad, das ich mir ein schönes schwarzes Tuch kunstvoll um die Rübe binde.

So ungefähr 60 Gäste sind geladen, der größte Teil Freunde und Bekannte der Schwester, die dem Vernehmen nach ein öffentliches und gut dotiertes Amt bekleidet. Fast alle sind so um die Dreißig, wir beide sind tatsächlich die ältesten in der Runde. Flüchtig bekannt ist mir nur die Kollegin, ansonsten sitzen wir erst einmal gemeinsam mit der Hand voll Menschen, die zu ihr gehören. Nettigkeiten werden ausgetauscht, ein wenig Smalltalk, und so bleibt mir reichlich Zeit, mich umzuschauen, Eindrücke zu sammeln und meine Gedanken treiben zu lassen.

Die Gesellschaft ist etwas Frauen-lastig, vielleicht zu zwei Dritteln. Einige Perücken werden zur Schau getragen und kunstvoll bearbeitetes Eigenhaar präsentiert. Eine hat ihre Haarpracht bretthart a la Leningrad Cowboys  steil nach oben toupiert, wahrscheinlich mit Hilfe von Mengen an Chemie, aber mit imposanten Ergebnis, satte 20 Zentimeter mehr Körpergröße. Meine Kamera ist zwar dabei, bleibt aber in der Tasche, ich will hier nicht nerven und es gibt auf dem engen Schiff auch keine Gelegenheit, diskret zu fotografieren. Zwischenzeitlich gehe ich ein wenig umher, suche Toilette und Buffet auf. Bei jedem Gang werde ich witziger Weise von skeptischen Bordpersonal gefragt, ob ich auch ein geladener Gast bin, was ich angesichts meines etwas aus der Art geschlagenen Outfits und Jahrgangs freundlich grinsend bestätige.

Beim Betrachten der Gesellschaft werden Erinnerungen geweckt. Mit dreißig versuchte ich mich erstmals in Familie, chaotisch, aber jedenfalls nicht Sinn-frei. Wichtige Erfahrungen blieben und mein Sohn verdankt dieser Zeit sein Dasein. Hier in der Runde ist von solcher Art Gedanken wenig zu spüren, denen gehört ganz offensichtlich nicht nur an dem heutigen Abend schlicht die Welt. In bester Düsseldorfer Manier sehen und gesehen werden, Oberfläche pur zum hämmernden Pop aus den Lautsprechern. Nur wenige fallen uns auf. Junge Eltern mit ihren kleine Kindern sowie ein, zwei eher still da sitzende Gäste.

Die Liebste stellt Vergleiche an mit gewissen Berliner Vierteln und mir wird einmal mehr bewusst, wie verschieden hier doch die Menschen sind, in Nordrhein-Westfalen, diesem Kunstgebilde der Alliierten. Düsseldorf liegt nur gut 40 Kilometer entfernt von hier und doch ist die Atmosphäre eine ganz andere. Der Schein zählt hier mehr als das Sein, verbunden mit rheinischer Offenheit. Schnelle Kontakte sind möglich, aber ebenso schnell dreht man sich um und geht weiter. Handel, wandel, und gewinne, easy come, easy go.

Was für ein Unterschied doch zu den Menschen hier im bergischen Land, das in der Namensfindung damals allenfalls als  Bindestrich zwischen Rheinland und Westfalen auftaucht. Ein eher zurückhaltender Menschenschlag mit mehr Bodenhaftung. Es dauert, bis man sich einander öffnet, einmal gewonnene Sympathien erweisen sich dann aber auch oft als dauerhaft. Beständigkeit ist die positive Seite der Bodenhaftung, eher düster der verbreitete Hang zur Grübelei hier in den Bergen.

Zeitig, jedenfalls für lokale Verhältnisse, brechen wir am frühen Morgen auf. Ein unterhaltsamer Abend war es jedenfalls und müde, wie wir sind, freuen wir uns wieder daheim zu sein, im stillen Tal der Wupper. Zum Schluss fallen mir noch ein paar berühmte Söhne Düsseldorfs ein…