Schlagwort-Archiv: Endlichkeit

Soll und Haben

Hell – Dunkel
Essen, schlafen, arbeiten

Wenn Pflichten an`s Kreuz nageln

Alte Freunde bestenfalls
auf Beerdigungen gesehen werden

Einer allerdings
kam mich neulich besuchen
Des Nachts im Traum
Winkte zum Abschied

Bis Bald

Ein Grund zur Freude
Wäre er nicht
schon ein Jahr tot

Etwas schreit nach Korrektur
Zuviel Moll, zu wenig Dur

So viel zur Richtung
was fehlt, ist der Weg

*

Kein ausweichen möglich

Wenn mich etwas traurig stimmt, gebe ich mich dem hin, so lange es sein muss. Das ist, kommt ganz darauf an, worum es geht, mal kürzer und mal länger. Traurigkeit hat die Eigenschaft, zu bremsen. Früher ging ich darum um die Trauer herum und wurde lieber zornig. Mit der Welt, mit meinem Gegenüber, mit mir selbst, mit Gott, mit allem. Mit Wut im Bauch schafft man viel, jedenfalls mehr als mit der Trauer. Allerdings lässt sich die Trauer nicht betrügen. Sie kommt zurück, ungefragt, wann sie gerade will, und dann mit voller Wucht, zum Ausgleich für den versuchten Betrug vielleicht.

Hast`e jetz`davon, nehm`mich gefälligst ernst!

Also lass`ich die Traurigkeit dort, wo sie gerade sein möchte. Um nicht in ihr zu versinken, mache ich irgend etwas profanes. Das Fahrrad reparieren zum Beispiel. Oder Essen zubereiten. Staub saugen, Abwaschen, kleine Blog-Einträge wie diesen hier schreiben. Solche Sachen. Kleine, simple Notwendigkeiten und Beschäftigungen, die nicht das Potential haben, mich von mir selbst abzulenken. Beschäftigungen, die mich allerdings geerdet bleiben lassen.

*

xxx

(Hamburger Hafen, irgendwann.)

~

Gedanken

So viele Veränderungen habe ich erlebt, rückblickend dankbar und staunend. Etliche körperliche Beschwerden, die Hand in Hand einher gingen mit meinen seelischen Zuständen, haben sich größtenteils aufgelöst oder sich zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert. Mich in Situationen wiedergefunden, die mir meine Grenzen aufzeigten, die mich lehrten, das auch Grenzen sich verschieben lassen. Langsam allerdings, mit viel Beharrlichkeit. Lebenslagen, die heute abgeschlossen sind und mir in dieser Form sehr wahrscheinlich auch nicht mehr begegnen werden. Vieles hat sich regelrecht aufgelöst, was damals unvorstellbar schien.  Anderes blieb mir erhalten, Charakterzüge, die wie die sprichwörtliche Scheiße am Schuh kleben. Die Grenzen der Wandlungsfähigkeit eben, dahinter bleibt nur das annehmen.

Die Themen ändern sich also fortlaufend. Die Einschläge kommen näher, sagen manche und meinen das, was auch ich immer öfter erlebe. Schwere Erkrankungen, erst weit weg und fremd, dann immer tiefer in den inneren Kreis eindringend. Der Tod, das große Finale, die Vollendung jeden Lebens. Aufmerksam schaue ich die Alten, wie gehen sie um mit dem letzten kleinen Rest Leben. Halten sie verzweifelt an irgend einem Status Quo fest, der aschgrau wirkt und längst überholt ist oder haben sie ihre Wahrhaftigkeit gefunden, wie immer das auch aussieht. Hadern sie mit ihrem gelebten Leben oder können sie es annehmen, wie es war, mit allen Licht und Schatten. Ist da  wirklicher, echter Friede mit jedem Tag, trotz zahlreicher Einschränkungen und Gebrechen oder wird die verbleibende Zeit damit verbracht, zornig fluchend ganze Seiten im Tagebuch rot zumarkieren.

Wie willst, wie kannst du es halten, später irgendwann, frage ich mich und weiß doch, das ich heute und mit jedem Tag dem Puzzle ein Teil hinzu füge. Was sich manchmal beängstigend und manchmal beruhigend anfühlt, je nach Tagesform. Ein alter Mensch fällt mir ein, dem man noch ein halbes Jahr versprochen hat, schul-medizinisch abgeschrieben, der schon lange über dem prognostizierten Limit lebte, damals, kurz vor seinem Tod, mit lachenden, lebendigen Augen.

Ein unglaublich faszinierender Anblick, so ein altes, lachendes Gesicht mit seinen zahllosen Falten und Gräben, auf einer Haut, die an altes Papier erinnert.

*