Schlagwort-Archiv: Alltag

Experiment Auto-freies Leben

9 Monate waren wir hier im Tal der Wupper komplett ohne Auto. Seit kurzem steht wieder ein motorisierter Winzling vor der Türe, dafür gab und gibt es Gründe, ebenso, wie es genügend Gründe gegeben hätte, den Kleinen nicht anzuschaffen.

Zeit für eine Rückschau: Zusammenfassend lässt sich sagen – es lebt sich ohne Auto, wenn auch eingeschränkt. Wir sind öfter mal und gerne unterwegs, das ist hier in der Gegend ausgesprochen kompliziert und auch teuer (Stichwort mehrere Verkehrsverbünde, die nur rudimentär miteinander kooperieren) Dazu: Permanente Verspätungen und Chaos bei der Bahn. Wie, um mich damit noch einmal zu bestätigen, sei erwähnt, dass wir gestern (an einem Montag) für die Strecke Salzburg-Wuppertal mit der Bahn (die Karten waren schon gekauft) fast 14 Stunden gebraucht haben Zur Entlastung der Bahn muss gesagt werden, dass ein Teil der Verspätung Folge von mehreren Brandanschlägen auf Signalanlagen war. Die Hinfahrt jedenfalls war auch mit 90 Minuten im Plus. Platzreservierung zum Teufel, auf dem Koffer hocken im Gang. Und – ja, ich weiß. Je nach Datum und Tageszeit sind die auch Autobahnen eher Parkspuren als Reisewege.

Was mich an der Bahn richtig ärgert: Sie verzocken ihre Fahrpreise. Günstig buchen ist pure Glücksache. Da bin ich sehr altmodisch. Wenn ich handeln möchte, gehe ich auf einem Trödelmarkt oder einem orientalischen Basar. ansonsten bevorzuge ich feste und vor allem überschaubare Tarife.

Was den Alltag angeht, da fällt die Bilanz schon um Längen besser aus. Weil wir beide fußläufig oder, in meinem Fall, komfortabel mit dem Rad zur Arbeit gehen/fahren können. Einkaufen mit dem Rad ist auch kein Thema, Dank Kuriersack auf dem Buckel und/oder Packtaschen an den Seiten. Meine persönliche Bilanz als Mit-Fünfziger: Es bringt Kondition, so zu leben. Bis dahin war es ein teils holperiger Weg. Ausprobieren mehrerer Kettenblatt-Ritzel-Kombinationen, bis schlussendlich eine Kombi gefunden wurde, die einen guten Kompromiss aus Bergtauglichkeit mit Last (da kommen schnell 20 Kilo zusammen) und Endgeschwindigkeit auf der anderen Seite darstellt. Versuch und Irrtum waren auch der Weg hin zur vernünftiger Kleidung. Vernünftig im Sinne von Wetter- und Alltags-tauglich (denke das an so 2, 3 Grad plus und Dauerregen) und Anschaffungspreis (High-Tech-Zeug zerreißt an Zweigen und Brombeer-Hecken leider genau so wie die Müllsack-ähnlichen Dinger vom Discounter.)

Eine weitere, interessante Erfahrung in dem Zusammenhang sowie allgemein zum Thema älter werden waren teils sehr schmerzhafte, mehrfache Rippenblockaden über viele Wochen. Das ging über den Hausarzt, der bemüht, aber leider nicht sehr erfolgreich sein Glück versuchte, hin zum Orthopäden, der auch als Sportmediziner praktiziert.

Sätze der Doktoren, die mir heute noch in den Ohren klingen lauten: Finden `se sich damit ab, für ihren allmählich älter werdenden Körper täglich mehr Zeit investieren zu müssen, um fit und beweglich zu bleiben. (der Hausarzt). Oder der Orthopäde, der mich geräuschvoll und mit gezielter Gewalt “deblockierte”, auf meine Frage, das Radfahren betreffend: Sie machen alles richtig, weiter so! Dazu noch regelmäßig, also tägliche Übungen zur Stärkung der Halswirbelmuskulatur,

Ich will Sie in, sagen wir, vier Monaten wieder hier sehen und von Ihnen wissen, wie es Ihnen geht.

Mit diesen Worten sowie mit eine kleinen Liste skizzierter Übungen entließ er mich. Seitdem lasse ich einen Teil davon in meine morgendliche Routine einfließen. Meine Yoga-Übungen sowie die HWS-Gymnastik (eigentlich sind das sehr einfache, auch zwischendurch über Tag zu praktizierende Übungen) beanspruchen nunmehr allmorgendlich 20 Minuten. Und – es hilft. Ich fühle mich jetzt schon, nach ein wenigen Wochen, um Längen besser.

Fakt ist, meinen alltäglichen Lebenswandel mit dem Rad werde ich beibehalten.

Was waren also die Gründe für ein Auto, wenn nicht die tägliche Pendelei ? Unsere größeren und kleineren Reisen sind das eine. Etwas anderes ist es, dass ich mich nicht in einer Situation wiederfinden möchte, in der ich ein Auto haben muss und dann zu nehmen habe, was ich bekommen kann (Jetzt hatte ich eine ruhige, überlegte Wahl). So ist es durchaus denkbar, wenn auch nicht wünschenswert, dass sich meine berufliche Situation (sind noch etliche Jahre) nochmal ändern mag. Dazu kommt das mittlerweile hohe Alter meiner Eltern, die hartnäckig am grünen Stadtrand verweilen möchten. Stadtrand heißt in unseren Fall hier im Tal der Wupper gut 200 Höhenmeter Differenz plus so einige Kilometer. Nicht geeignet für regelmäßige Besuche mit dem Rad, nach getaner Arbeit. Geschwister, auf die ich meine Verantwortung diesbezüglich delegieren könnte, gibt es keine, was, weiß Gott, für mein persönliches Wachstum gute Gründe haben mag.

Wie auch immer.

So mache ich in großen Teilen weiter wie bisher mit dem Rad und nehme hin, dass der Kleine da draußen derzeit mehr ein Stehzeug als ein Fahrzeug ist.

*

 

 

 

Soll und Haben

Hell – Dunkel
Essen, schlafen, arbeiten

Wenn Pflichten an`s Kreuz nageln

Alte Freunde bestenfalls
auf Beerdigungen gesehen werden

Einer allerdings
kam mich neulich besuchen
Des Nachts im Traum
Winkte zum Abschied

Bis Bald

Ein Grund zur Freude
Wäre er nicht
schon ein Jahr tot

Etwas schreit nach Korrektur
Zuviel Moll, zu wenig Dur

So viel zur Richtung
was fehlt, ist der Weg

*

Passend zur Jahreszeit

Wieder der Monat November, wieder die langen Nächte, die kurzen Tage sowie das usselige Wetter. So oft wie diese Woche bin ich auf meinen täglichen Wegen mit dem Rad schon lange nicht mehr nass geworden. Zum Ausgleich gab es dafür heute Nachmittag zwischen zwei Schauern ein paar Sonnenstrahlen, auf meinem Heimweg.

Analog zum Wetter gestalten sich die Befindlichkeiten. Müdigkeit macht sich breit, verursacht durch viel Arbeit in einem turbulenten, beruflichen Umfeld, gepaart mit den nutzlosen, aber leider existenten Sorgen um die letzten Jahre der Erwerbstätigkeit. Wobei derartige Grübeleien, wenn sie schon nicht abzustellen sind, Gott sei Dank heute aufgrund ihrer Nutzlosigkeit nicht lange andauern.

Wenn`s mehr nicht ist.

Es gab ganz andere Zeiten. Zeiten, in denen ich bis in`s Mark geschüttelt wurde, auch durch äußere Umstände, die meinem Unvermögen geschuldet waren, mich selbst so anzunehmen, wie ich nun einmal war. Gerade im November. Habe ich heute schon mal schlechte Tage, erinnere ich mich an damals, als ich schlechte Jahre hatte.

rps20161118_221904

Dieser Findling ist eine Erinnerung an diese Zeit, die voll von Verzweiflung und Ängsten war. Ein Geschenk von der Bildhauerin C.K., die ihre Gefühle mit Geschick und viel Beharrlichkeit in den Marmor gehauen hat. Wege, die sich kreuzten. für ein Weile.

Einer, der die Wechselfälle des Lebens und die selbst gespannten Fallstricke anrührend in Worte und Melodie fassen konnte, war (und ist bis heute) Hannes Wader, ein Liedermacher alter Schule. Ganz selten höre ich ihn, der aus der Zeit gefallen scheint, heute. Wobei seine Lieder an Aktualität nichts eingebüßt haben.

*

 

Denn Du bist, was Du isst…

Über Pfingsten weilten wir aus familiären Anlass wieder einmal im Harz. Es galt, den Geburtstag eines lieben jungen Menschen zu feiern, die Anverwandten hatten dazu einen Tisch reservieren lassen. Der Liebsten und mir als die später hinzugekommenen wurde mitgeteilt, es ginge um Slow-Food, einem etwas irreführenden Modewort, das hauptsächlich für regionale und saisonale Küche steht, also nicht ausschließlich für langsames Essen.

Das klingt gut, und so fahren wir mitten in den tiefsten Harz, nach Buntenbock bei Clausthal-Zellerfeld. Das kleine Landhaus liegt, so scheint es, am Ende der zivilisierten Welt, märchenhaft am Waldesrand, umgeben von einem liebevoll gepflegten Wildgarten.

20160515_205111

20160515_184114 20160515_184437

20160515_183903 20160515_183833

20160515_184523

 Ohne Zweifel habe ich schon sehr lange nicht mehr so gut und reichhaltig gegessen. Die Verköstigung ist hauptsächlich für Hotel-Gäste gedacht, mir waren die Verhältnisse fremd und so erkundigte ich mich zur Fassungslosigkeit der Anverwandten nach dem Preis für das Mahl. Der wurde mir nach einigen Zögern auch mitgeteilt, es ist in diesen Kreisen offensichtlich nicht üblich, über Geld zu reden. Die anderen Gäste in der liebevoll hergerichteten Bauernstube bestanden überwiegend aus älteren, bereits ergrauten Semester, den Kleidern und dem Gebaren nach mutmaßlich beruflich erfolgreiche Grünen-Klientel.

Utopie ist die Realität von morgen. So in etwa steht es über den Eingang zur Küche, die anderen Wände sind mit eher bäuerlichen Weisheiten verziert, die der Versuchung und der Völlerei den Boden bereiten sollen. Das Essen war, wie gesagt, vorzüglich, und mit gemischten Gefühlten lasse ich mit vollen Bauch den Abend Revue passieren.

Auch ich bin ein Anhänger von saisonalen und regionalen Speisen, von daher gefällt mir der Grundgedanke sehr gut. Was mich stört, ist der elitäre Charakter der Örtlichkeit. Ein kleines Paradies für gut Situierte, Kinder suchte man dort vergebens, von unseren Tisch einmal abgesehen. Wer die Preisliste der Lokalität studiert, wird das schnell verstehen. Das ist definitiv kein Domizil für Familien mit Kindern, die mit Geld rechnen müssen.

Zuhause bereite aus Zeitgründen meist ich das Essen zu, einfache Speisen mit reichlich Gemüse, vorzugsweise im Wok zubereitet. Fleisch gibt es bei uns sehr selten, unser Eiweiß-Bedarf wird durch Soja-Produkte in Verbindung mit guten Öl gedeckt. Den Ausschlag gaben vor vielen Jahren gesundheitliche Probleme, also zunächst einmal keine moralischen Skrupel. Erst mit der Zeit setzte ich mich mit der industriellen Massentierhaltung auseinander, mit dem, was wir unseren Mitgeschöpfen über unser Konsumverhalten antun.

Tief bewegt las ich vor einiger Zeit dieses Buch hier. Der Autor setzt sich mit unserem Verhalten der Schöpfung gegenüber auseinander, aus Männer-Perspektive, was aber durchaus auf die Weiblichkeit übertragbar ist. Dort ist unter anderen von der Kraft eines Wildtieres die Rede, welche wir zu uns nehmen, wenn wir es verzehren. Es wird dort ebenso in eindringlichen Worten davon gesprochen, was wir zu uns nehmen, wenn wir Tiere aus Massentierhaltung essen: Angst, Panik, und Verzweiflung. Wer das nicht glauben mag, kann vielleicht eher mit dem mittlerweile bewiesenen Zusammenhang zwischen Emotionen und Stoffwechsel etwas anfangen. Von Medikations-Rückständen will ich hier nicht reden.

Was also ist die Lösung, in unseren Post-industriellen Zeitalter, in dem Essen und Trinken kulturell geprägt sind und das Geld bei vielen nicht für hochwertige Speisen reicht? Aufklärung schon bei den Kindern tut Not, diese lernen schneller und bereitwilliger als ihre Vorfahren. Noch mehr Angebote zur gesunden Küche daheim, über VHS-Seminare und Filme. Ausbau der kollektiven, regionalen Landwirtschaft, auch hier in der Nähe gibt es seit kurzen so etwas, wo man sich mit Geld oder mit Zeit einbringen kann.

Mir war vor vielen Jahren ein VHS-Seminar über die chinesische Küche sehr hilfreich, meine Ernährung umzustellen. Das geht auch mit wenig Geld und ohne großen Zeitaufwand. Fleisch ist, wie gesagt, hier die Ausnahme, und wenn ich alle paar Wochen einmal etwas kaufe, gebe ich gerne mehr dafür aus. Nicht, um mein Gewissen zu beruhigen, sondern aus oben genannten Gründen.

*

Ein Beitrag, der keiner werden sollte

So geht das manchmal. Ich fange an, irgendwo zu kommentieren und merke unterwegs, das ich mich festschreibe und den üblichen Rahmen sprenge mit meinen Gedanken. So geschehen auch gerade eben beim lesen hier bei Esther.

Achtsamkeit. Tägliche Übung und immer wieder ein sich-neu-daran-erinnern. Angefangen beim Umgang mit mir selbst, dem Umgang mit meiner Sippe, mit meinen Nächsten. Achtsamkeit in der Wahl der Worte, Nicht jeden muss ich lieben, aber achten, das geht.

Achtsamkeit bei den täglichen Verrichtungen. Die Behandlung der Dinge, die uns überlassen sind. Kleine Rituale, z.B. bevor ich den Zündschlüssel vom Auto umdrehe, mein Tagewerk beginne oder mich in`s Einkauf-Gewühl stürze. Nicht zuviel zeitgleich tun, langsamer werden. Zentrierter. Bewusster. Öfter mal innehalten.

Liest sich toll und ist es auch ;) Solange ich dabei akzeptiere, das ich immer ein Mensch bleibe und somit niemals perfekt bin. Es gibt Tage, da fällt es leicht, solcher Art zu leben und es gibt andere. So Tage, an denen Nerven im Wind flattern und ich nicht nur fluchen könnte wie ein Bierkutscher, sondern das auch lautstark heraus lasse. Tage mit zuviel Schärfe in der Stimme, wie überwürztes Essen. Dann muss anschließend mal gut gelüftet werden und ich darf mich erinnern, was ich beizeiten vergessen habe.

Achtsamkeit eben.

Möwen

Lesen fällt mir unter der Woche schwer, derweil ich Abends oft auf der Stelle einschlafe, sobald ich liege. So kommt es, das ungelesene Bücher mittlerweile einen kleinen Stapel bilden und auf bessere Zeiten warten. Eine Ausnahme bildet ein Buch von Udo Schroeter,  Bin am Meer. Gefunden vor einiger Zeit beim adestis nebenan, dachte ich zuerst, och nee, noch so`n Selbsthilfebuch für Männer. Nach Sichtung des Inhaltes dann habe ich es mir gekauft. Zwar bin ich kein Angler, aber Gleichnisse mag ich sehr, gerade, wenn sie unser genetisches Erbe ansprechen bzw. die  Art, wie wir heute damit umgehen in unseren Alltag.

Das Buch ist voll mit kleinen und größeren Weisheiten, die sich allesamt mit dem Gleichgewicht unserer Ur-Bedürfnisse beschäftigen oder besser mit deren Ungleichgewicht in der Industrie- und Dienstleistungs-Gesellschaft. Treffend und ansprechend geschrieben findet sich wohl jeder interessierte Mann darin mehr oder weniger wieder. Ein Gleichnis ist mir im Gedächtnis hängen geblieben, weil es mich besonders berührt. Leider habe ich vergessen, wo genau es steht, aber frei zitieren wird auch gehen:

Auf meinem Lauf früh morgens am Strand sehe ich zwei Möwen vor mir, die emsig damit beschäftigt sind, den Strand nach etwas  Essbaren abzusuchen. Sie fühlen sich verständlicher Weise von mir gestört und schimpfend fliegen sie auf. Während die eine genau auf mich zufliegt und mir geradewegs in die Augen schaut, um dann irgendwo in sicheren Abstand hinter mir zu landen, fliegt die andere in meine Laufrichtung, um vermeintlich sicher vor mir zu landen. Durch meinen fortgesetzten Lauf verkürzt sich der Abstand leider immer wieder, so das sich die Unruhe für diese Möwe ständig wiederholt, während ihr Kollege weit hinter mir längst schon wieder ungestört nach Frühstück Ausschau hält.

Mit Sorgen und Ängsten verhält es sich ähnlich, denke ich. Schaue ich ihnen nicht in`s Gesicht, kommen sie mir immer wieder näher, als mir lieb ist. Auf diese Weise geht ein beträchtlicher Teil der Tages-Energie für Flucht und Abwehr verloren, die anderswo dann fehlt. Verschenkte Lebenskraft, die ich mir heute nicht mehr leisten möchte.

439314_web_R_K_by_marlis dülsen_pixelio.de

Bild: Marlis Dülsen / pixelio.de

Eingeschränktes Sichtfeld

Heute Morgen stehe ich in der Warteschlange einer Bäckerei-Filiale beim Akzenta um die Ecke. Es dauert, ein dicker, bärtiger Kerl hat offensichtlich eine riesige Sippe zu versorgen, vor ihm auf der Theke liegen gut ein halbes Dutzend prall gefüllter Tüten.

Endlich bin ich an der Reihe. BITTESCHÖN! fragt ein etwas säuerlicher Mund und ich sage ”6 Brötchen und zwar davon...” Jetzt wird`s schwierig. Ich quetsche mich neben dem Dicken mit der Groß-Sippe und stehe so wenigsten unmittelbar vor den Auslagen. Was mich aber nicht wirklich weiter bringt, denn mindestens eine halbe Fußball-Mannschaft emsiger Kolleginnen von BITTESCHÖN flitzen hin und her, um die zahlreichen Wünsche der Wartenden zu erfüllen. So sehe ich anstelle der begehrten Backwaren genau in Blick-Höhe nur die Hinterteile der Kolleginnen, was zwar auch seinen Reiz hat, mich aber meinem Ziel einer vollständigen Bestellung nicht näher bringt.

BITTESCHÖN guckt ungeduldig und ich sage zu meiner Entschuldigung mit ein wenig hilfloser Mine “Kann leider nix sehen…”  Das stimmt zwar so nicht per Definition, aber weiter ausführen möchte ich das jetzt nicht. Dann kommt sie, diese Frage, mit zickigen Unterton:

“WAS können Sie denn nicht sehen?” 

Jetzt wird mein dramaturgisches Talent geweckt, von dem ich eigentlich bis heute Morgen noch nichts wusste. Mit ausgebreiteten Armen und ratlosen Gesicht stehe ich da. “Wie kann ich Ihnen etwas beschreiben, was ich eben nicht sehe…”  Diese Logik treibt einigen der Emsigen einen Anflug von Lächeln in`s Gesicht und ich nutze derweil jede Lücke, um endlich zu Potte zu kommen. “Davon zwei…” mit ausgestecktem Arm – “davon auch…”  Was weiß ich, welche Phantasie-Namen dem ganzen Zeug hier gegeben wurde, Schilder lesen ist mir aus gegebenen Anlass schon erst recht nicht möglich.

Endlich ist alles komplett und bezahlt, BITTESCHÖN und ich wünschen uns zuckersüß ein schönes Wochenende. Während ich erleichtert das Weite suche, wundere ich mich immer noch.

Fragen gibt es!

Nahverkehrsmittel

Vor gut zwei Jahren bekam ich von meinem Vater ein schon betagtes Trecking-Rad überlassen, welches er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren konnte. Das stand dann eine ganze Weile herum, neben einem noch viel betagteren Herkules-Halbrenner, Baujahr `81. Bis mir der Verkehr auf der Straße irgendwann reichte und ich mich an das für meine Verhältnisse (10-Gang, keine “Index-Schaltung”) komfortable Rad meines Vaters erinnerte.

Nun bin ich nicht der Mensch, der für Sport oder Bewegung allgemein viel Zeit investieren will und kann, andererseits erkenne ich die Notwendigkeit, meine Gesundheit auch aktiv zu erhalten. Das Rad kam mir da genau recht. “Komfortable” 3 mal 7 Gänge für die Gegend hier, die Option, bis vor die Geschäfte in der Fußgängerzone fahren zu können und die Möglichkeit aufgrund eines überschaubaren Arbeitsweges, Bewegung in meinen Alltag zu einzubauen, anstelle irgendwelche Sport-Studios zu besuchen.

Letztes Jahr kam dann noch ein ebenfalls betagter, aber wenig gefahrener Crosser hinzu, mit dem deutlich sportlicheres fahren möglich wurde. Nachgerüstet mit einem entsprechenden Lastenträger und Packsäcken erledige ich damit alle möglichen nötigen Wege, komme in Bewegung und mache mich vom Auto unabhängiger.

Manchmal staune ich, was so alles geht, mit guten Willen. Hier z.B. bei der Pack-Station.

2014-04-10 17.01.33 2014-02-22 12.56.56

 Oder auf dem Weg zum Fahrradmann

2014-02-17 16.47.11

Oder Papier und Glas entsorgen…

1622337_527612377352431_59278981_o

Einkaufen…

 10329857_562105463903122_4015721063960750720_o 2014-10-25 13.10.16

2015-12-12 11.29.31-1

Zusammen mit dem Rucksack und den Packsäcken kommen stolze 75 Liter Stauraum für grenzwertige Einkäufe zusammen, zuzüglich der Möglichkeit, auch mal unförmigeres Zeug einigermaßen sicher zu fahren. Toll finde ich in dem Zusammenhang die holländischen Lastenräder (Katzenstreu, Mineralwasser…), aber damit käme ich wohl kaum die Berge hier hoch und auch für die Kellertreppe ist so ein Gefährt zu schwer.

Schade eigentlich.

November

Den Monat, den keiner braucht. So hörte ich dieser Tage einen Kollegen. Und doch hat er seinen Platz im Übergang der Jahreszeiten, auch, wenn mir diese Stimmung manchmal auf die Nerven geht. Verbunden mit der Aussicht, das diese triste Dunkelheit nun wieder einige Monate anhält.

Einerseits ist Rückzug angebracht, in die vier Wände. Mich daheim fühlen, warm sowie mit allem ausgestattet, was man so zum überwintern braucht. Ab und zu Freunde treffen, sofern die Zeit reicht. Wenig öffentliche Gesellschaft, die freie Zeit wird eher genutzt, sich vom mitunter kräftezehrenden Alltag zu regenerieren.

Mit der zunehmenden Stille da draußen gibt es auch andere Tage. So Tage, an denen die Luft dünner zu sein scheint. An denen ich in mir selbst ruhe, wenig nach außen gebe, scheinbar im inneren Rückzug lebe. Dennoch, oder vielleicht gerade darum erreichen mich die Stimmungen und Zustände anderer Menschen um so klarer und intensiver. Deutlich spürbare Schwingungen, die mich bewegen. Obwohl ich oft so unterwegs bin, staune ich über die Intensität mancher Wahrnehmung in diesen Tagen.

Unterwegs – ein Mittel gegen dunkle Stimmungen ist Bewegung. Der Zerstreuung wegen, aus reinem Zeitvertreib allerdings eher selten, da viel zu tun ist. Aktivitäten körperlicher Art sollten also eher zum Alltag passen und sich da gut unterbringen lassen. Ein Besuch in der Fahrrad-Werkstatt meiner Wahl und ich war stolzer Besitzer eines 20 Jahre alten, gut erhaltenen Cross-Rades für kleines Geld. Ein Zweit-Rad sozusagen, so eine echte Winter-Schlampe, der all den Dreck auf den Wegen nichts ausmacht. Minimalistisch ausgestattet, aber sportlich zu fahren, da bretthart. Nix für längere Touren, aber genau richtig für die täglichen Wege zur Arbeit und zum einkaufen.

Cross-Rad

 Vielleicht rüste ich das Ding noch mit Winter-Reifen auf, mal sehen, wie sich das im Schnee anlässt. Solange es geht, spüre ich so trotz Schweiß und Regen täglich meinen Körper, das Wetter, die Luft, die Veränderungen. Freue mich, wenn ich auf meinem Heimweg Abends die Autobahn unterquere, auf der sich die Autos im Schritt-Tempo fort bewegen. Freue mich, so dem täglichen Stau und den zahllosen Rotznasen in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu entrinnen.

Ein Geschenk, gesund sein zu dürfen.

~