Kleine Runde am Sonntag

Neue Wanderstiefel wollen eingelaufen werden und halten mich derzeit ein wenig vom Fahrrad fahren ab. Was aber auch gut ist, Hauptsache Bewegung, Licht, Luft, und ein wenig Sonne, so wie heute Nachmittag. Mein Weg führt mich vom Berg herunter an die Wupper, dann über den Arrenberg auf die Königshöhe.

Ich nehme den Weg über die alte Kriegsgräberanlage Königshöhe, ein abgelegener und etwas unheimlicher Ort, der uns daran erinnern soll, wohin Kriege führen, damals wie heute. Hier liegen ihre Überreste, die der jungen Männer aus dem ersten Weltkrieg sowie der Opfer der Unruhen in den Jahren danach. Es ist immer noch frostig, der Winter scheint sich daran zu erinnern, wenigstens noch ein verspätetes Gastspiel zu geben.

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Weiter geht es durch den kahlen Winterwald zum Von-der Heydt-Turm. Auch er hat einen morbiden Charme, gerade jetzt, ohne das sonst so belebende Grün rundherum. Ein düsterer Geselle, der nun durch die kahlen Zweige hindurch schon von weiter weg zu sehen ist.

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Leider ist er schon seit langen Jahren nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich, es fehlt, wie überall, an den entsprechenden Mitteln. Dennoch bietet er Bilder, die die Phantasie anregen, wie so viele Orte hier in den dunklen Wupperbergen. Ich mag diese Gegend mit ihrer Mystik, mit den Spuren ihrer langen Geschichte, wie sie hier überall anzutreffen sind.

Mit Blick auf die scheinbar so weit entfernt liegende Stadt gehe ich weiter durch den Wald, wieder herunter zum Fluss. Ein guter Tag mit Bewegung und Ruhe geht zu Ende.

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12 Gedanken zu „Kleine Runde am Sonntag

  1. Bisou

    Danke fürs Mitnehmen.

    Ich mag die Bilder 2 und 7 ganz besonders, vielleicht weil ich gerade aus der frostigen Kälte komme und sie es so gut spiegeln.

    Dem Kerl auf dem letzten durch die Nacht zuwinke

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  2. Regine

    Ein schöner mentaler Spaziergang und meiner Arthrose sehr zuträglich. Ja, bei diesem Wetter muss man(n) unbedingt raus und Sonne tanken, wenn sie sich blicken lässt. Wir haben seit Tagen blauen Himmel und Eiseskälte! Liebe Grüße! Regine

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  3. TeggyTiggs

    …als ich vor einigen Jahren auf einem Berliner Friedhof spazierte, kam ich an eine solche Grabanlage aus dem 2. Weltkrieg und fand neben einer in den Boden eingelassenen Grabplatte rote Blumen stehen…das hat mich sehr gerührt…

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    1. Reiner

      Das geht mir so, wenn ich diese Namen der jungen Männer lese, ihre Geburt- und Sterbetage. Dann frage ich mich, wer sie waren und wer sie hätten sein können, wenn sie nicht von einem größenwahnsinnigen Hohenzollern in den Tod getrieben worden wären. Preußen hat mit gutem Grund 1945 aufgehört, zu existieren. Der Geist dessen lebt indes weiter, im Guten wie im weniger Guten.

      Ja, so Orte stimmen traurig …

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  4. Holda Stern

    Mich berührt immer wieder die Stille auf solchen Friedhöfen mit Soldatengräbern …vom Kriegsgetümmel in den absoluten Frieden …

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    1. Reiner

      Solche Mahnmale machen den Irrsinn bewusst.
      Leider haben viele vergessen, wie so etwas anfängt.
      Fällt ja nicht vom Himmel, Krieg …

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  5. katrin

    Kriegsgräber. Als Kind hat es mich unglaublich traurig gemacht, an diesen Kriegsgräberstätten vorbei zu müssen wenn ich durch die Stadt wollte. Später, als Jugendliche, wenn patriotsch Kränze niedergelegt wurden ,war ich wütend. Auf die, die toten Helden gefeiert haben. Letztes Jahr fand ich über’s Internet die Grabstätte meines Onkels der als 18 jähriger gefallen ist 1944 und weit weg der Heimat sein Gedenken gefunden hat. Ich habe geweint. Ich konnte lesen, wie er gefunden wurde. Vielleicht werde ich seine Gedenkstätte im April besuchen. Was bleibt ist immer wieder Trauer uber diese verlorenen Leben. Liebe Grüße Katrin

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    1. Reiner

      Zu Kriegsende waren die meisten Männer in meiner Familie tot. Gefallen, wie sie sagten. Der ist im Krieg geblieben … Ich konnte mir als kleiner Junge nicht recht etwas darunter vorstellen. Das etwas furchtbares geschehen sein musste, davon zeugten die wenigen Ruinen, die in den 60ern noch standen. Und die Geschichten der alten Frauen. Geschichten von Not, Hunger, Vertreibung, hausen auf engstem Raum. Armut. Die Geschichten meines Vaters als Kriegskind von Hunger und Entbehrungen.

      Solche Stätten erinnern mich wieder an all das und machen mich unsäglich traurig und manchmal auch zornig, wenn ich manche unbedachte, große Fresse höre. Wenn ich sehe, wie immer noch die alten Mechanismen greifen wie vor 80 Jahren. Wenn mit Säbelrassseln vom innenpolitischen Versagen abgelenkt wird, so wie derzeit in UK.

      Die Hoffnung stirbt zuletzt …
      Liebe Grüße auch Dir.

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