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Unvergessen

Keine leichte Kost, aber sehr bewegend.

So gesehen letzten Sonntag im Cinema hier im Tal. Wir hatten am Ende beide Tränen in den Augen.

Wer spricht heute noch von den Armeniern… (GröFaZ)

Die Osmanen waren sein Vorbild im Geiste. Das Prinzip des Sündenbockes zwecks Ablenkung vom eigenen Versagen, vom drohenden Untergang und zur Schaffung eines einenden Feindbildes hat er übernommen, verbunden mit preußischen Pflichtbewusstsein, Beamtentum und industriellen Know-how der Zeit. Seit nunmehr fast 70 Jahren erinnert sich eine ganze Nation fassungslos an das Geschehene, spricht von Machtergreifung und verdrängt schlimmstenfalls, das die damaligen Verhältnisse das Resultat von Wahlen (im Verbund mit unsäglichen politischen Ränkespielen) waren. Im Gegensatz zu den Nachfolgern des osmanischen Reiches, die bis heute allenfalls von unvermeidlichen Leid im Zusammenhang mit dem ersten großen Krieg sprechen.

Uneingestandenes schafft Raum zur Wiederholung. Die Gefahr besteht immer und die Zeichen waren auch hierzulande deutlich, in jüngerer Vergangenheit. Unsere so genannte Zivilisation ist nur ein dünnes Mäntelchen über dem Raubtier. Ändern sich die Zeiten und mangelt es irgendwann breiten Mehrheiten am Nötigsten, kommen die Geister der Vergangenheit wieder an`s Licht. Das ist gemeint, wenn Politiker heute von Systemrelevanz sprechen.

Innerer Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, vom Individuum bis zum Staat.

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Macht & Pantomime

Freitag vor 8 Tagen. Die Liebste und ich fahren gen Köln, die armenische Gemeinde im Norden der Stadt  besuchen. Wir freuen uns auf den Abend, aus mehreren Gründen. Die Liebste, weil sie so Gelegenheit hat, sich wieder einmal in ihrer Muttersprache zu unterhalten und gemeinsam freuen wir uns auf den Gast-Auftritt von Vertretern des staatlichen armenischen Pantomime-Theaters.

Mich interessiert die Veranstaltung zum einen wegen der Art der Verständigung. Da ich nun kaum ein Wort armenisch verstehe oder spreche, bin ich auf Staaten-übergreifende Familientreffen stets stark auf Mimik und Gestik angewiesen, um halbwegs mitzubekommen, was in den Menschen vorgeht. Pantomime ist ja das Spiel mit der Überzeichnung von Mimik und Gestik, oft zusammen mit Maske und Verkleidung, es braucht dazu keine Sprache. Besser können sich Menschen verschiedener Sprachen nicht verstehen.

Faszinierend ist für mich auch das Thema der Aufführung sowie die Einfachheit unter den Voraussetzungen in dem kleinen Gemeindesaal. Es geht um die Macht, in ihren ganzen Facetten. Während der knapp halbstündigen Aufführung symbolisiert eine junge Frau die Verheißungen und Verlockungen der Macht. Ein simpler Stuhl verkörpert die Macht an sich und ein alter Mann steht für den Verführten, den Macht-Besessenen. Das Spiel folgt einer Regie, wie es im täglichen Leben so oft zu finden ist. Vielleicht bei irgendwelchen Vereins-Vorsitzenden, bei den Vorgesetzten mit ihren Weisungsbefugnissen am Arbeitsplatz bis hin zu den gewählten Vertretern der Macht und schlussendlich der praktizierenden Staatsmacht mit ihren Gewalten. Nicht zu vergessen ist auch die Machtverteilung im kleinsten Rahmen, in Beziehungen und Familien.

Es beginnt wie immer mit Verlockung, Verführung, Verheißung. Vorsichtige Annäherung an den ersehnten Zustand mit folgender Inbesitznahme der Macht-Position. Erkennen der Möglichkeiten von Macht-Ausübung und auch Macht-Missbrauch. Die Schwere der Verantwortung, die Macht mit sich bringen kann, ist zu spüren, gegen Ende wird sichtbar, das die gerufenen Geister nicht einfach wieder abzulegen sind.

Eine schöne Aufführung, hier einige Bilder, leider in minderer Qualität aufgrund der Licht-Verhältnisse, aber sie sprechen, denke ich, dennoch für sich.

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Am Ende…

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