Schlagwort-Archiv: 4 Juni in China

27

Es ist jedes Jahr das gleiche, seit 27 Jahren. Der Erzähler lässt sich feiern und im Radio kommt jedes Jahr die gleiche Meldung, an diesem Tag. So wie heute wieder. Vor 27 Jahren erstickte das chinesische Regime Proteste ihrer Bevölkerung gegen Korruption, Machtmissbrauch und Willkür im Keime, indem sie auf ihr eigenes Volk schießen ließ, Panzer in Menschenmengen fahren ließ. Bis heute hat es keine Gerechtigkeit für die vielen Opfer dieses Tages gegeben. In China ist es verboten, über die Ereignisse nur zu sprechen, geschweige denn zu demonstrieren, wenn man von Hongkong mal absieht, wo öffentliche Erinnerung in gewissen Rahmen zumindest geduldet wird.

An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis, zu betonen, das ich mich für die Doppelmoral der Regierung meines Landes tief schäme, die einerseits keine Skrupel hat, mit dem Land der Schlächter des 4. Juni glänzende Geschäfte zu machen. Andererseits da, wo es Geo-politisch opportun erscheint, einseitiges, lautstarkes Getöse vernehmen lässt, gerade dann, wenn es sich dabei um Russland handelt.

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Gar nicht so leicht, jetzt an dieser Stelle die Kurve zu kriegen, von der Schwere der Geschichte  hin zur Leichtigkeit dieses Tages, für mich persönlich. Multipliziert man 27 mit zwei, ergibt das heute das Lebensalter des Erzählers, der sich an der Stelle freut, dieses so kritische Alter schon verdoppelt haben zu dürfen.

Janis hat das nicht geschafft, ist in den ersten 27 hängen geblieben. Ein Lied von ihr freut die deutsche Krämerseele bis zu heutigen Tag…

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