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Essen, trinken & Wertschätzung

Heute morgen gesehen: West Art, Bauer sucht Zukunft (WDR)

Das war eine interessante Diskussionsrunde, heute früh. Sehr unterschiedliche Vertreter in Sachen Lebensmittel-Erzeugung und Verwertung saßen zusammen: Ein klassisches Landwirts-Paar, ein Vertreter eines solidarisch betriebenen Hofes, ein Filmemacher zum Thema, ein Suppen-Koch sowie eine Journalistin. Es ging in der Hauptsache um die Wertschätzung von unserer Ernährung, um industrielle Landwirtschaft und den Alternativen dazu.

Wie halte ich das für mich? Seit langer Zeit schon stopfe ich nicht mehr alles gedankenlos in mich hinein, Hauptsache billig und schnell. Angefangen hat das, wie so oft, nicht aus Einsicht oder Achtung vor dem Leben, sondern durch Leid, sprich Krankheit, in meinem Fall Arthritis in den Kniegelenken. Der Orthopäde damals meinte: Tja, Knorpel kaputt, kann man nix machen, treiben `se Sport, gezielt. oder lassen `se sich künstlichen Knorpel spritzen, kosten nur 300 Euro im Jahr, müssen `se selbst zahlen.

Schönen Dank, Herr Doktor.

Damit mochte ich mich nicht abfinden und begann, zu recherchieren, was ich tun könnte. Im Netz las ich über die traditionelle chinesische Medizin, TCM, Die Chinesen kennen keine zwei unterschiedliche Begriffe für Nahrung und Medizin, so wie wir, sondern benutzen dafür bezeichnender Weise nur ein Wort. Ein sehr gutes Buch zu dem Thema fand Eingang bei mir und zunächst las ich über die Wirkung unserer Nahrung auf den Stoffwechsel, speziell über Entzündung-fördernde und -hemmende Nahrung. Auf einen Teil des so genanntes rotes Fleisches, also Rind und Schwein in allen ihren Handelsformen habe ich seitdem verzichtet und mit ein wenig Geduld ging es mir von Woche zu Woche besser.

Erst langsam kam kam dieses Gefühl hinzu, was man allgemein mit Achtung vor dem Leben umschreibt. Gut in Erinnerung dazu ist mir ein Film, der damals hier im Programmkino lief: Ayurveda:The Art of Being. Gerade eine Szene ging mir nicht wieder aus dem Kopf. Der Helfer des Dorfarztes ging regelmäßig Heilkräuter schneiden, bat jede Pflanze um Verzeihung, bevor er sich bediente und bedankte sich anschließend. Auf der genau gegenüber liegenden Seite der Wirklichkeit dann Bilder der Massentierhaltung, Widersprüche, die krasser nicht sein können.

Andere Eindrücke kamen hinzu. Unvergessen ist mir ein Seminar der Volkshochschule in Sachen chinesische Küche. Der kleine Chinese, der uns in die Kochkünste seiner Heimat einwies, war klasse. Er erzählte viel von dem Leben der ländlichen Wanderarbeiter, die auch wie wir modernen Menschen wenig Zeit zum kochen hatten und darum puristisch und minimalistisch vorgingen. Wir wurden genauso ausgestattet wie sie damals: Ein Holzbrett zum schneiden, eine Wok-Pfanne, das chinesische Hackmesser, ein phantastisches Universalwerkzeug, zum schneiden, wiege-schneiden, hacken, platt schlagen, schaufeln. Ein kleines Küchenmesser zum Blumen schneiden, wie er es nannte, also Dekorationen aus Gurken und Gemüse aller Art schnitzen. Ein Kochtopf für den Reis oder für Teigtaschen, fertig. Vielleicht noch ein Rundholz für letztgenannte dazu. Die paar Sachen hätten mühelos auf jeden Handkarren gepasst und heute passen sie in jeden noch so kleinen Küchenschrank. Wir lernten einiges über Garzeiten, über Effektivität beim zubereiten, über Gewürze, Tricks und Kniffe beim garen von Gemüse und Reis, Abfolgen, wie der Wok zu füttern ist, abhängig von den verschiedenen Zutaten. Und haben gemeinsam mit Genuss alles am Ende aufgegessen.

Im Kern bekochen wir uns bis heute solcher Art schlicht und meistens fleischlos. Es gibt genug wertvolle pflanzliche Eiweißlieferanten und tolle Öle, die uns helfen, diese zu erschließen. Wenn schon Fleisch, dann selten Fisch oder noch seltener mal ein ganzes Huhn, wobei mir heute wichtig ist, eines zu erstehen, was wenigstens zu Lebzeiten frei draußen herumlaufen konnte. Das Argument des Preises ist dann vernachlässigbar, wenn Fleisch wieder zu dem wird, was es früher einmal war:

Etwas ganz besonderes, was es nur selten gibt.

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