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Stachel im Fleisch 2

Die 70er Jahre. Während bei Freunden schon Plattenspieler Einzug gehalten hatten (meist so ausrangierte Truhen aus den 50ern, 60ern) , musste ich mich vorerst noch mit einem Kassettenrecorder begnügen. Aufnahmen mit Mikrofon vom Radio und ständig der Ärger mit dem dazwischen-Gequatsche von Mal Sondock. Aber immerhin konnte man die Kratze mit raus nehmen und draußen aufdrehen, das ging.

Um 1972 herum zogen meine Eltern wieder einmal um, ich bekam einen neuen Nachbarn, vielleicht 4 Jahre älter als ich. Der lebte bei seiner allein erziehenden Mutter, hatte einen Plattenspieler sowie einen Bravo-Starschnitt von Suzi Quatro an der Tür, in Lebensgröße. Seine Bude wurde schnell mein zweites Kinderzimmer. Wir konnten ungestört Gary Glitter, Suzi & Co. hören und – rauchen ging auch, da seine Mutter ebenfalls qualmte, so hatte ich eine Ausrede für mein verstunkenes Zeug. Leider hielten diese seligen Zustände nicht all zu lange. Mit 13, glaube ich, nahm mich die Gang des Nachbarn mit zum saufen in den nahe gelegenen Talsperrenwald, was mir nur bedingt gut bekam. Der billige Rotwein aus den Zwei-Liter-Bomben machte mich Bewegungs-unfähig, die Burschen trugen mich aber netterweise noch bis vor die Haustür. Darauf hin fühlten sich meine Eltern verständlicher Weise genötigt, die Notbremse zu ziehen und erteilten mir Kontaktverbot mit dem spannenden Nachbars-Jungen.

Zuhause hielt sich das Verständnis für meinen Musikgeschmack in Grenzen. Poster aufhängen war z.B. nur eingeschränkt möglich. So hielt es Marc Bolan nur einen Nachmittag an der Wand, bis mein Vater ihn Abends entdeckte, entsetzt über mein neues Idol. Ganz konnten sich allerdings selbst meine Eltern nicht dieser Zeit entziehen. Immerhin waren sie damals im so genannten besten Alter von Mitte-Ende Dreißig und es gab ständig irgend etwas zu feiern im Familien-Freundes und Bekanntenkreis, der teils den Segnungen der Pop-Musik aufgeschlossener war. Und auch sonst. Gefeiert und reichlich getrunken wurde friedlich, laut und – lustig. Die tolle Stimmung an diesen Tagen stand im krassen Gegensatz zu der Alltags-Stimmung daheim, die ich damals als eher spannungsgeladen und geschwängert von einer getragenen Ernsthaftigkeit empfand. Ein leichtes Leben hatten die beiden jedenfalls nicht mit einander. Fatal sollten für mich die späteren Folgen dieses steten Wechsels der Stimmungen sein. Musik+saufen=lustig, so einfach schien das.

Anderswo schien die Welt lockerer zu sein. Einer meiner Schulfreunde hatte sein Zimmer ausstaffiert mit tollen ausrangierten Kram seiner Eltern inklusive Musik-Truhe, mit selbst gebastelten Boxen aus unzähligen Breitband-Lautsprechern vom Sperrmüll. Der wohnte damals nicht weit von hier nebenan auf dem Ölberg in einem alten Gründerzeit-Kasten. Wir hatten einigen Spaß mit einander, auch schienen seine Eltern bedeutend lockerer drauf zu sein als meine. Vor einigen Jahren trafen wir uns mal wieder und er versicherte mir, das seine Eltern damals sozusagen einen Schalter umlegten, sobald wer zu Besuch kam und es ansonsten ebenso eher wenig lustig war. Der schöne Schein eben.

Mit 15 war es dann endlich soweit. Ich wurde erhört und bekam die alte, ausrangierte Stereoanlage meines Onkels geschenkt. Tatsächlich habe ich ein Bild von dem Ding im Netz aufgetrieben, ein so genanntes Bolero-Studio von Telefunken, ohne Lautsprecher, was aber nicht weiter tragisch war. Wie man sich auf dem Sperrmüll mit dem Nötigsten versorgte, inklusive der Verdrahterei, das wusste ich ja.

 bolero

Nicht schön, aber laut war das Teil, und ich konnte endlich mein Taschengeld in Schallplatten investieren. Inspiriert vom Musikgeschmack meines Kumpels war meine erste Platte allerdings kein Pop, sondern handfester Psychedelic-Rock  von Pink Floyd. Wir waren begeistert von deren Musik zum Träumen, zum drauf abfahren und auch von dem perfektionistischen Gebaren der Band damals. Erste Eindrücke einer Parallel-Welt taten sich uns auf, eine Flucht, die mich lange begleiten sollte, auch wenn ich damals noch sehr wenig trank und Drogen mir (noch) komplett fremd waren. Die Musik jedenfalls war fantastisch und ist es bis heute geblieben:

 

Fortsetzung

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Stachel im Fleisch – Intermezzo

Der letzte Eintrag schließt Ende der 80er Jahre. Enttäuscht sind möglicherweise nun wohl eher diejenigen, welche aus den ersten Einträgen auf den Themen-Schwerpunkt Musik / Rock`N Roll geschlossen haben und anstelle dessen nun eine Art Lebensgeschichte mit der Haupt-Thematik Sucht vorfinden. Hier kann ich versichern, das für mich beides schon in gewisser Weise zusammen gehörte, damals zumindest. Heute ist das natürlich anders, sonst könnte ich ohne Durst an keinem Radio vorüber gehen. Musik hat heute für mich den Stellenwert, der ihr zusteht. Den der Unterhaltung, Zerstreuung, Katalysator zum nach- und aufspüren, kanalisieren von Stimmungen hauptsächlich. Schlicht Spaß daran haben, auch, wenn vieles Erinnerung-behaftet bleibt, positiv wie negativ.

Einige Schwierigkeiten gibt es derzeit beim weiter schreiben, den fünften Teil eben, der in die 90er Jahre geht. Ein für mich sehr ereignisreiches Jahrzehnt. Wie fasse ich solche Jahre auf ein paar Seiten zusammen, reduziert auf ein diesem Blog angepasstes Format. Wie den roten Faden behalten und mich eben nicht in zahllosen Details zu verlieren. Selektieren all das, was aus den Tiefen so aufsteigt – was genau davon kann hier preisgegeben werden und was nicht, gerade auch mit Blick auf die Wahrung der Anonymität anderer. Auch, wenn nirgendwo Namen auftauchen – das Bergische Land ist ein etwas größeres, gallisches Dorf und manch geneigter Leser weiß sowieso, wer hier wo gemeint war.

Andere Schwierigkeiten stellen sich hingegen eher nicht. So bin ich weder eine sogenannte Person des öffentlichen Interesses, noch beabsichtigte ich, in diesem Leben weiter führende Karriere zu machen. Weiter wird es also gehen, wie und wann auch immer.

– Fortsetzung- 

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Grüße aus Antwerpen

So ausgerichtet musikalisch von Triggerfinger gestern Abend im FZW, nah beim Dortmunder Hauptbahnhof. Schon lange liegen die Karten hier herum, gemeinsam mit zwei Freunden haben wir sie zeitig besorgt, damit es am Ende keine Ausreden a`la müde, erkältet, oder sonst etwas gibt.

Die Vorgruppe, na ja. BIG SUGAR , ein kanadische Reggae- und Bluesrock-Band. Guter Dinge, die fünf, aber schlecht ausgesteuert und ein wenig zäh, dafür hatte ich zumindest warme Füße, eine knappe Stunde später.

Das Publikum. Die üblichen Verdächtigen wirklich allen Alters, was mir ausgesprochen gut gefällt. Kein schwimmen im eigenen Saft der Grauschädel, viel Jungvolk dabei. Alle zusammen ein paar hundert vielleicht, nicht zu groß, die Menge, gut verteilt in dem eher kleinen, überschaubaren Saal.

Dann endlich das belgische Trio, eine der besten Combo`s, die ich kenne. Alle drei mit dem Herzen dabei, Vollblut-Musiker mit richtig guter Laune.  Gitarrero und Sänger Ruben Block mit seiner einzigartigen Stimme, der Trommler Mario Goossens, wie meist im bunt gestreiften Anzug und der Bassmann Paul Van Bruystegem, ein Bassist wie aus dem Bilderbuch, mit Bauch, Spiegelglatze und sonnenbebrillt. Eine Cover-Band, deren Lieder zumindest in meinen Ohren besser klingen als manches Original. Basslastiger Blues-Rock mit eingestreuten Reggae-Elementen, leicht psychedelischen Einlagen, ruhigen, besinnlichen Passagen, die öfter mal abrupt abgelöst werden von gefetzten Knallern, getragen von Ruben Block`s Stimme und Gitarren-Künsten.

Was mir richtig gut gefällt: Sie lassen sich Raum für jeden der drei, präsentieren sich abwechselnd gegenseitig, Gesang- und Gitarren-Passagen, Bass-Soloeinlagen oder ein Trommel-Solo, der Bunt-Gestreifte tobt klatschnass in seiner Schießbude, während die anderen beiden ihn mit dicken Hand-Scheinwerfern in Szene setzen…um dann kurz darauf wieder zusammen zu finden.

Gerne noch einmal – ein gelungener Abend!

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