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Angekommen

Der Navi sagt, wir sind da und ich schaue mich um, wo denn zu parken wäre, die übliche Orientierung halt. Es regnet in Strömen und Kies knirscht unten den Rädern, ich fahre auf einem kleinen Parkplatz. Ein groß gewachsener Kerl kommt uns entgegen und hält mich schon von weitem fest im Blick.

Kenne ich, denkt es in mir, bist schließlich auf`m Dorf. Dörfler ticken anders als Städter, beim Anblick von Fremden. Im bergischen Land, also mehr weiter draußen hinter den dunklen Wupperbergen auf den einsamen Bergrücken, da kann es einem Fremden durchaus passieren, dass erst einmal eine Ladung Schrot losgeht und dann nach des Besuchers Begehr gefragt wird. Gerade nach Einbruch der Dunkelheit, wobei allerdings auch das Tageslich keine Gewähr für Unversehrtheit ist.

Bevor meine Phantasie endgültig mit mir durchgeht, beende ich die mittelalterlichen Schlachten in meinem Kopf, kurbele die Scheibe herunter und gehe gesittet in den Dialog. Ob er mir helfen könne, fragt er mit dunkler, gestrenger Stimme. Ja, sage ich, ich suche den Eingang zu der Kneipe hier. Immer noch fest im Blickkontakt tönt es mir entgegen: Lassen Sie den Wagen hier stehen und folgen Sie mir, der Eingang ist um die Ecke, aber es gibt wegen dem Regen heute eine Abkürzung. Ich bin im übrigen ihr Pensionswirt. Mit Betonung auf Pension.

„Landcafe“ stand irgendwo auf einem Schild, die Liebste hat die Unterkunft klar gemacht. Der gestrenge Pensionswirt entpuppt sich als recht umgänglich, das Bergische lässt grüßen, denkt es wieder irgendwo weiter hinten im Kopf. Wir lassen uns einweisen in die Lokalität und der nicht mehr ganz so Gestrenge zeigt uns den Aufenthaltsraum. Hier, sagt er und zeigt auf ein Kühlfach hinter dem Tresen, weil Sie gerade von Kneipe sprachen – da sind Getränke, wenn Sie des Abends Durst bekommen, bedienen Sie sich und schreiben alles auf dem Block da. Brauche ich nicht wegen jedem Bier extra hier rüber kommen.

Wenn der wüsste, denke ich. Weiß er aber nicht, er muss auch nicht wissen, dass ich wegen meiner Vergesslichkeit, das Aufhören betreffend, lieber keinen Alkohol trinke. Lieber bedanke ich mich artig und bitte um Verständnis für meine Wortwahl – manche Worte sind halt schneller als andere…

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