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Tunnel-Session

Meine morgendliche Fahrt zur Arbeit mit dem Rad führt mich über eine umfunktionierte, alte Bahnstrecke, unter anderen eben auch durch einen schönen, alten Tunnel, der gerade eben erst für den Rad-Schnellweg Nordbahntrasse saniert wurde. Normalerweise ist um die Uhrzeit früh morgens dort wenig los, außer der eine oder andere Frühaufsteher, der mir entgegenkommt.

Anders heute morgen. Schon von weitem fällt mir ein Licht auf, das da nicht hingehört. Im Tunnel dann kurz hinter dem Portal bietet sich mir ein ausgesprochen schräges Bild: Ein Fahrrad lehnt an der Tunnelwand, ein anderes liegt umher und die dazu gehörenden beiden Freaks sitzen friedlich mitten auf dem Weg. Zwischen den beiden ein Ghettoblaster, aus dem in Zimmerlautstärke, also für die Lokalität passend ein uralter Song der Pink Floyd plärrt. Dazu passend ziehen Schwaden guten Grases ihre Bahn im Tunnel-Durchzug.

Wie geil, denke ich, während ich wortlos langsam vorüber fahre und das Bild auf mich wirken lasse. Und ich geh` jetzt knechten, selbst kiffen kommt nicht mehr in die Tüte, wegen dem ausgeprägten Unvermögen, damit angemessen zu haushalten. In der Tunnelmitte fallen mir die in den ehemaligen Fluchtnischen ansässigen Fledermäuse ein, um die es schon endlos dumme Diskussionen und jahrelange Bau-Verzögerungen gegeben hat. In dem Moment hätte es mich nicht gewundert, das die allmählich entschwindenden Floyd-Passagen von dem einen oder anderen sanften Klatschen unterbrochen worden wären. So ein Geräusch eben, das eine Fledermaus verursacht, die kopfüber bekifft und tiefenentspannt auf dem Boden landet.

Draußen dann in der frischen Luft freue ich mich für die Tierschützer, das das alles nur in meinem Kopf geschah und wünsche den beiden Nachwuchs-Bohème in Gedanken noch einen entspannten Tag.