Besuch in Düsseldorf

Uns beide, meinen Kumpel und mich, zog es gestern an den Rhein, nebenan nach Düsseldorf. Ein Film-Abend im linken Zentrum-Hinterhof war unser Ziel, Thema Fahrrad fahren sowie die damit verbundene Städte-Entwicklung, positiv wie negativ. Wir beide fahren gern gemeinsam kleinere Tagestouren, wenn Zeit und Wetter passen. Darüber hinaus habe ich das Glück, an der Nordbahntrasse zu wohnen und zu arbeiten, die sich längs durch das Tal der Wupper an den Nordhängen entlang schmiegt. Davon mache ich meistens auch Gebrauch, soweit meine Gesundheit das zulässt, selbst schlechtes Wetter schreckt mich angesichts der Verkehrsverhältnisse hier im Tal nicht ab.

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Die Lokalität – Nomen Est Omen – ein düsterer Hinterhof an der Corneliusstraße in Düsseldorf. Ein wenig versteckt, aber dennoch leicht zu finden. Ein linkes Zentrum eben mit allen, was dazu gehört. Politisches Arrangement ebenso wie gemeinschaftliche Selbsthilfe und Selbstverwaltung, angefangen beim gemeinsamen kochen und essen über praktische Hilfe im Alltag hin zu einer integrierten Fahrradwerkstatt. Mir als immer noch überzeugten Sozialromantiker stehen sie nahe, die Linken, allen kaufmännischen Betrachtungen und Lehren zum Trotze. Hintergrund ist meine Meinung, das es gerade in unseren Land genügend Mittel gibt. Leider sind sie, zurückhaltend formuliert, ein wenig ungleich verteilt.

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Ein langer Tresen, ein riesiger Pott mit Chili Con Carne dampft auf dem Herd. Eine Leinwand hängt an der rohen Ziegelwand, Biertisch-Garnituren laden gemeinschaftlich mit fragwürdigen Polstermöbeln älteren Semesters zum verweilen ein. Wenige Menschen, bunt gemischt, nicht nur jüngere, teils mit Kindern, auch unsere Jahrgänge und älter sind vertreten. Wir besorgen uns Getränke und zwei Mega-Teller Chili mit Brot und lassen uns in zwei sehr bequemen, altehrwürdigen Sesseln nieder, gleich vorne an der Leinwand. Nach einer kurzen, gemeinsamen Betrachtung der Polstermöbel, in denen durchaus Menschen gezeugt und auch verstorben sein könnten, machen wir uns locker und füllen die Mägen mit dem gut gewürzten Chili.

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Jemand besteigt einen Biertisch und installiert einen Beamer unter der Decke und der Filmabend startet. Kleine, künstlerisch wertvolle animierte Filmchen wechseln mit Dokus aus allen Teilen der Erde. Viel ist von bewegten Menschen die Rede, die sich beharrlich, mit viel Geduld und Kraft für ein besseres Leben in ihren Städten einsetzen, abseits vom Autoverkehr mit allen seinen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, die ihn ertragen müssen. Erschreckende Zahlenwerke werden vorgestellt, weiß gestrichene Geisterräder, die an getötete Radfahrer erinnern, sind zu sehen. Schlimme Negativ-Beispiele aus Süd-Amerika sind ebenso Thema wie mustergültige urbane Wandlungen hin zum Radverkehr, Amsterdam und Kopenhagen vorneweg.

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Nachdenklich und bewegt machen wir uns spät abends auf dem Heimweg. In meiner Brust schlagen sozusagen zwei Herzen, wenn ich einerseits an das Autoland Deutschland denke, mit seinen historisch gewachsenen Strukturen und immer noch zahlreichen Arbeitsplätzen, die von der Branche abhängen. Andererseits schaue ich ebenso die schlimmen, krank machende Auswüchse in unseren Städten, schaue die allgemeine Rücksichtslosigkeit auf den Straßen und frage mich, wie lange das so, wie wir es kennen, wohl noch gut gehen wird. Es tröstet mich auch nur wenig, das die Auto-Branche in Deutschland gerade dabei ist, sich selbst zu demontieren über den ständigen globalen Vergleich mit den so genannten „Low-Cost-Countries“ sowie die permanenten Bestrebungen der Industrie, unsere Lebensverhältnisse den dortigen anzugleichen. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, das Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen nie und nimmer neue Autos kaufen werden.

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Was bleibt, ist Dankbarkeit für meine Beweglichkeit und Gesundheit. Dankbarkeit für die Erkenntnis hin zu mehr frischer Luft, weg von vielen sitzen im Auto. Auch ein zunehmendes Gefühl der Freiheit macht sich breit, die Freiheit, mein Leben auch ohne motorisiertes Gefährt organisieren zu können, selbst hier in den Bergen.

2014-10-25 13.10.16

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10 Gedanken zu „Besuch in Düsseldorf

  1. holdastern

    Erschreckend, wenn man bedenkt dass zur Zeit in den Städten Chinas die Luft so sehr von Smog verseucht ist, weil jeder der kann sich einen Motorroller oder ein Auto leistet. Das alles, um dem westlichen Vorbild nachzueifern, das unsere westlichen Staaten so protzig vorführen. Höchste Zeit, dass Europa ein anderes Vorbild gibt! Höchste Zeit, dass mehr Radwege angelegt werden und Parkmöglichkeiten fürs Rad in den Städten und Dörfern!

    Eine gute Woche!

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    1. Reiner

      Darum lasse ich immer öfter das Auto stehen, auch, wenn es bei so einem Wetter wie heute eine echte Überwindung ist, auf`s Rad zu steigen.

      Danke & Dir auch eine gute Woche!

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  2. Uschi

    Interessante Location 😉

    Anbetracht deiner „Schwärmerei“ für’s Fahrrad und die damit verbundene Freiheit,
    werde ich immer etwas traurig, dass ich es leider nicht mehr tun kann.
    Die Arm/Schultergelenke haben mir den Strich durch die Rechnung gemacht und erst gestern wieder, als meine Freundin ihre Freude zum Ausdruck brachte, bald wieder mit dem *Radl los zu können, war sie da, diese Traurigkeit *soifz
    Dafür laufe ich jetzt wieder mehr im neuen Wohnumfeld, denn die Geschäfte sind nah und das Auto bleibt fast die ganze Woche stehen 😉

    Noch eine gute Woche und liebe Grüsse,
    Uschi

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    1. Reiner

      Das ist gut, kurze (Fuß-)Wege sind Klasse! Wenigstens bist Du gut zu Fuß, das ist auch sehr viel wert und die Bilder deiner Ausflüge zeugen von ausgedehnten Runden durch den landschaftlich so schönen Süden.

      Lieben Gruß auch Dir!

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  3. QuerVerbindung

    ..ich verstehe Deine Gedanken gut, aber leider bin ich kein Fahrradliebhaber, von Anbeginn an hatte ich mit diesem Gerät immer nur schlechte Erfahrungen gemacht, was weniger an der Rädern lag als an den Umständen selber…und jetzt brauche ich einfach ein Auto, da meine Wege bei jedem Wetter die Berge auf und ab nicht mit einem Rad zu bewältigen wären…mit Einkäufen und Transporten…ich fahre so wenig wie möglich und nehme jeden Tramper mit, noch umweltschonender kann ich da nicht sein…

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    1. Reiner

      Danke, das ehrt mich 🙂

      Allerdings ist es so, das ich nicht auf ehrenwerte Preise aus bin. Auch der Umstand, das ich mich verpflichtet fühle, die mir zugedachten Fragen zumindest Teil-wahrheitsgemäß zu beantworten, macht es mir nicht leichter. Dagegen steht mein Bedürfnis, selbst zu entscheiden, was ich von mir preisgebe und was nicht. Und – die Zeit ist auch ein Hindernis, ja.

      Dennoch Danke 🙂

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